11.06.2005 · Die Finanzminister der sieben führenden Industrienationen und Rußlands (G8) haben in London einen hundertprozentigen Schuldenerlaß für einige der ärmsten Länder der Welt vereinbart.
Die Finanzminister der sieben führenden Industrienationen und Rußlands (G8) haben am Samstag in London einen hundertprozentigen Schuldenerlaß für einige der ärmsten Länder der Welt vereinbart. Dies teilte der britische Finanzminister Gordon Brown mit.
Der Umfang des Pakets beträgt 40 Millionen Dollar. Achtzehn Staaten, viele davon im südlichen Afrika, sollten sofort von dem Abkommen profitieren. Ihnen würden ihre Schulden bei der Weltbank, beim Internationalen Währungsfonds (IWF) und bei der Afrikanischen Entwicklungsbank erlassen.
Bis zu 20 weitere Staaten könnten später in den Genuß des Schuldenerlasses kommen, wenn sie Bedingungen wie die Umsetzung demokratischer Reformen und die Bekämpfung von Korruption erfüllten. Der Umfang des gesamten Pakets könne dann mehr als 55 Milliarden Dollar erreichen, sagte Brown.
Eichel: historisch
Deutschlands Finanzminister Hans Eichel hat den Schuldenerlaß als einen historischen Beschluß bezeichnet. „Für uns war ganz entscheidend, daß er solide finanziert ist“, sagte Eichel nach einem G-8-Ministertreffen in London. Auch die in der EU diskutierte Abgabe auf Flugtickets zur Finanzierung von Entwicklungshilfe gehöre nun offiziell zum Arbeitsprogramm der G8.
Über zehn Jahre gesehen umfasse der Schuldenerlaß 15,6 Milliarden Dollar, für die nächsten drei Jahre 3,6 Milliarden Dollar. Auf Deutschland kämen damit in den nächsten drei Jahre Zusatzlasten von 130 bis 150 Millionen Euro zu beziehungsweise 700 bis 950 Millionen Euro für die nächsten zehn Jahre, fügte Eichel an.
Weitreichender Vorschlag
Großbritannien als derzeitiger Vorsitzender der G8 hatte mit den Vereinigten Staaten einen weitgehenden Vorschlag gemacht, der auf eine fast vollständige Streichung der Schulden der 27 ärmsten Staaten gegenüber multinationalen Organisationen abzielt. Dagegen stand die Position Deutschlands, Frankreichs und Japans, die die Schuldendienste lediglich für eine sehr begrenzte Zahl von Ländern übernehmen wollen.
Der vor allem von Großbritannien verfolgte Weg sah für den Schuldenerlaß eine Größenordnung von über 40, im Endstadium gar über 50 Milliarden Dollar vor, wie der britische Finanzminister Gordon Brown sagte. Der deutsch-französisch-japanische Vorschlag dagegen erreichte nach früheren Angaben aus deutschen Regierungskreisen nur ein Volumen von 1,5 Milliarden Euro über mehrere Jahre. Zudem beharrte Deutschland Finanzminister Hans Eichel zufolge weiterhin auf eine Behandlung der einzelnen armen Länder nach einer Fall-zu-Fall-Überprüfung. Das Treffen endet am Mittag mit Pressekonferenzen der britischen Präsidentschaft und der sieben anderen Teilnehmerregierungen.
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