06.04.2005 · Chinas Absage einer Teilnahme am Gipfel der Finanzminister der sieben führenden Industrienationen (G7) sorgt für Unruhe. Es herrscht großes Rätselraten über die Motive für das Ausschlagen der Einladung.
Große Spekulationen hat Chinas Absage einer Teilnahme am Gipfel der Finanzminister der sieben führenden Industrienationen (G7) Ende kommender Woche in Washington ausgelöst.
Analysten widersprachen sich dabei, ob dies ein Zeichen für eine baldige Änderung des Wechselkursregimes in China sei oder für dessen Beibehaltung. Allerdings wird eine nicht mit den Spitzenpolitikern besetzte chinesische Delegation zu den gleichzeitig stattfindenden Frühjahrstreffen des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank in Washington erwartet. Dem Vernehmen nach soll sie geführt werden von Li Yong, dem stellvertretenden Finanzminister, und Li Ruogu, dem stellvertretenden Gouverneur der Zentralbank.
Ölpreis und die Gefahren für das weltweite Wachstum im Mittelpunkt
Vor allem die G-7-Mitglieder Amerika und Japan machen seit Jahren Druck auf Peking, da sie den an den amerikanischen Dollar gebundenen chinesischen Yuan als unterbewertet ansehen und China deshalb aus ihrer Sicht unfaire Vorteile auf dem Weltmarkt genießt. Bei den vergangenen beiden G-7-Treffen konfrontierten die Mitglieder den Gast China jeweils mit der Forderung nach „flexiblen Wechselkursen in allen wichtigen Wirtschaftsregionen“. Bei dem jetzigen Treffen dürften indes der Ölpreis und die Gefahren für das weltweite Wachstum im Mittelpunkt der Diskussion stehen.
Zur Siebenergruppe zählen die Vereinigten Staaten, Japan, Deutschland, Frankreich, das Vereinigte Königreich, Italien und Kanada. China hatte die beiden vergangenen Treffen als Beobachter begleiten können. Von der Größe her sollte China ein Platz im Kreis der G7 sicher sein, da seine Wirtschaftskraft inzwischen diejenige Kanadas überholt hat. Doch geben sich die Chinesen nach außen hin seit jeher betont desinteressiert an einer Erweiterung des Kreises auf acht Mitgliedstaaten oder einer Auswechselung mit Kanada. Dabei wissen sie, daß die Welt auf Dauer nicht an ihnen vorbeikommen wird. Zunächst freilich wollen sie noch weiter als Entwicklungsland gelten und erst in Ruhe ihre Defizite ausgleichen.
Deutungsversuche
Dennoch erstaunt das Ausschlagen der Einladung. Eine Reihe von Beobachtern deutet dies als Anzeichen für eine baldige Kursänderung in der Währungspolitik - deshalb wolle Peking mit Macht den Eindruck vermeiden, mit einem lange geforderten Kursschwenk nur auf weiteren Druck von G7 zu reagieren. Eine Entscheidung zur Lockerung der ein Jahrzehnt alten Bindung des Yuan an den Dollar solle nun als selbstbestimmt erscheinen - eine weitere Rüge auf dem Gipfel paßte da schlecht ins Bild.
Genau gegenteilig argumentieren andere: Für sie ist Chinas Abstinenz ein Zeichen dafür, daß sich auf absehbare Zeit nichts am Kurs Pekings ändern werde. Warum also sollte China sich dann abermals vorführen lassen, nur um mit den immergleichen, ermüdenden Floskeln antworten zu müssen?
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.589,30 | +1,08% |
| EUR/USD | 1,2505 | −0,29% |
| Rohöl Brent Crude | 106,70 $ | −0,52% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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