Home
http://www.faz.net/-gqe-745qp
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
CIO View

G-20-Treffen „Wiederherstellung des Vertrauens“

Mit einer Erklärung, alles für ein gesundes Wachstum der Weltwirtschaft zu tun, geht die Tagung der G20-Finanzminister zu Ende. Der IWF warnt vor einem Rückfall der amerikanischen Wirtschaft in eine Rezession.

© dapd Die Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde warnt vor „Faktoren der Ungewissheit“

Mit dem Versprechen, alles für ein gesundes Wachstum der Weltwirtschaft zu tun, ist am Montag in Mexiko-Stadt die Tagung der G20-Finanzminister zu Ende gegangen. „Unser Hauptaugenmerk in der nahen Zukunft wird die Wiederherstellung des Vertrauens und die Verminderung der Risiken in den internationalen Finanzmärkten sein“, hieß es in der Abschlusserklärung des Treffens, an der auch die Notenbankpräsidenten der führenden Industriestaaten und Schwellenländer teilnahmen.

Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble bekräftigte nach dem Treffen, ein nachhaltiges Wachstum sei ohne eine Reduzierung der Schulden nicht möglich. Er und Bundesbankchef Jens Weidmann begrüßten es ausdrücklich, dass auch Russland, das im kommenden Jahr die Präsidentschaft in der Staatengruppe innehaben wird, sich für ein Festhalten an der in Toronto vereinbarten Halbierung der Defizite einsetzen will.

Mehr zum Thema

Deutschland werde dieses Ziel erreichen und die Eurozone insgesamt ebenfalls, sagte Schäuble. Bei anderen Ländern sei er sich nicht sicher. Die G20 erwarteten, dass sich die Vereinigten Staaten nach der Präsidentenwahl dieser Frage zuwendeten und alles unternähmen, um die sogenannte Finanzklippe zu „umschiffen“. Bei der Klippe geht es um die in den Vereinigten Staaten zum Ende des Jahres drohenden Steuererhöhungen bei gleichzeitigen Budgetkürzungen. Die hätte möglicherweise auch schwerwiegende negative Auswirkungen auf die Weltwirtschaft.

Auch der Internationale Währungsfonds warnte vor einem Rückfall der amerikanischen Wirtschaft in eine Rezession. Die Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, sagte, der nächste amerikanische Präsident müsse praktisch sofort die sogenannte fiskalische Klippe und die Schuldengrenze angehen. „Diese beiden Gefahren sind eindeutig Faktoren der Ungewissheit, nicht nur für die US-Wirtschaft, sondern auch für die globale Wirtschaft“, sagte sie.

Auf bestem Weg, die Eurokrise in den Griff zu bekommen

Weidmann sprach ebenfalls von wirtschaftlichen Unwägbarkeiten, wie der Abschwächung in den Schwellenländern. Konjunkturbremsen seien vor allem die Finanzklippe in den Vereinigten Staaten und die Verschuldung Japans nach der Fukushima-Katastrophe. Ohne diese Bremsen könne die Konjunktur im kommenden Jahr wieder anziehen, sagte Weidmann. „Wenn wir tatsächlich ein robustes Wachstum wollen, das zwischen den G20-Staaten ausbalanciert ist, brauchen wir solide öffentliche Finanzen auf dem ganzen Planeten, denn ein dauerhaftes Wachstum kann man nicht mit einer Anhäufung von Schulden finanzieren“, sagte Schäuble. Nach seinen Worten sind die Europäer Schritt für Schritt auf dem besten Wege, die Eurokrise in den Griff zu bekommen.

Deutschland und Großbritannien sprachen sich in Mexiko zudem für strengere Standards bei der Besteuerung globaler Unternehmen aus. Damit sollen Gewinnverlagerungen vermieden, Lücken geschlossen sowie das Steueraufkommen für den Fiskus gesichert werden. Finanzminister Wolfgang Schäuble und sein britischer Amtskollege starteten einen entsprechenden Aufruf zur „konzertierten internationalen Zusammenarbeit“.

Unterstützung für Bemühungen der OECD

In der Erklärung heißt es, Deutschland und Großbritannien seien für wettbewerbsfähige Steuersysteme, die die Länder für global agierende Unternehmen attraktiv machten. „Im Gegenzug erscheint es selbstverständlich, dass internationale Unternehmen die sich daraus ergebenden Steuern auch zahlen.“ Es sei bisher schwierig, internationale Steuerstandards an veränderte Geschäftspraktiken anzupassen. Unternehmen gelinge es, die Besteuerung ihrer Gewinne aus den Ländern, in denen sie entstehen, zu verlagern und so im Vergleich zu kleineren Firmen die Steuerlast zu minimieren.

Die Bemühungen der Industrieländerorganisation OECD sollten unterstützt werden. Es war das letzte Treffen der G20-Gruppe in Mexiko, das in diesem Jahr die Präsidentschaft innehatte. Nicht mit dabei waren der amerikanische Finanzminister Timothy Geithner und der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi. Sie hatten ihre Teilnahme abgesagt.

Quelle: FAZ.NET

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Börsenturbulenzen IWF-Chefin warnt vor Ansteckungsgefahren

Langsames Wachstum, fallene Rohstoffpreise – Christine Lagarde fürchtet ein rasches Übergreifen von Risiken der chinesischen Volkswirtschaft auf andere Länder. Mehr

02.09.2015, 06:56 Uhr | Politik
Schäuble Kein Schuldenschnitt für Griechenland erforderlich

Wolfgang Schäuble widerspricht Medienberichten: Laut dem Bundesfinanzminister dringt der Internationale Währungsfonds IWF nicht auf einen Schuldenschnitt für Griechenland. Schäuble wies entsprechende Meldungen zurück. Mehr

05.05.2015, 15:51 Uhr | Wirtschaft
Varoufakis in Le Monde Schäuble hat es auf Frankreichs Wohlfahrtsstaat abgesehen

Der ehemalige griechische Finanzminister Giannis Varoufakis überrascht einmal wieder mit steilen Thesen: Deutschlands Finanzminister Schäuble wolle dem französischen Wohlfahrtsstaat an den Kragen. Griechenland sei lediglich sein Austeritäts-Versuchslabor. Mehr

23.08.2015, 14:44 Uhr | Wirtschaft
Treffen mit Schäuble Varoufakis wirbt für Griechenland-Hilfe

Der griechische Finanzminister Giannis Varoufakis hat das deutsche Finanzministerium besucht, es stand ein Treffen mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble auf dem Programm. Nach dem Treffen mit Schäuble in Berlin ließ er offen, ob es bei dem Gespräch eine Annäherung gab. Mehr

09.06.2015, 10:42 Uhr | Politik
Furcht von Händlern Dax könnte unter 10.000 Punkte sinken

Nachbörslich hatte der Dax am Freitag die 10.000-Punkte-Marke schon unterschritten. Nun fürchten Händler, dass die Kurse auch im regulären Handel am Montag noch einmal abtauchen könnten. Wie sie diese Sorge begründen. Mehr Von Christian Siedenbiedel

23.08.2015, 17:08 Uhr | Finanzen

Veröffentlicht: 06.11.2012, 08:01 Uhr

Auftrag an die Politik

Von Maximilian Weingartner

Die 30- bis 59-jährigen Deutschen fühlen sich pudelwohl, zeigt eine repräsentative Umfrage. Dennoch darf sich Politik und Wirtschaft nicht auf der gegenwärtig guten Lage ausruhen. Mehr 3 0

Umfrage

Wolfgang Schäuble will das Betreuungsgeld nicht in die Kitas stecken. Was meinen Sie?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden

Grafik des Tages Die Zukunft der Social-Media-Werbung ist mobil

Facebook, Twitter und Co. werden vor allem auf dem Smartphone genutzt. Das zieht die Werbeindustrie an. Mehr 0