23.09.2009 · China drängt immer stärker auf Reformen des Weltfinanzsystems. Im Ringen um mehr Einfluss soll ein suprastaatlicher Investitionsfonds helfen, Kapitalflüsse in die Entwicklungsländer zu lenken, so dass diese als Treiber der globalen Erholung und des Wachstums dienen.
Von Christoph Hein, PekingChina drängt immer stärker auf Reformen des Weltfinanzsystems. So hat jetzt Hu Xiaolian, stellvertretende Gouverneurin der Zentralbank in Peking, einen „weltumspannenden Staatsfonds“ vorgeschlagen. Dieser Fonds solle in Entwicklungsländern investieren und dadurch für Stabilität in künftigen Krisen sorgen. Zugleich bekräftigt sie die chinesische Forderung, den Sonderziehungsrechten des Internationalen Währungsfonds (IWF) stärkeres Gewicht einzuräumen. „Die Kosten des derzeitigen Weltwährungssystems dürften seine Verdienste übertreffen“, kritisiert Hu.
Ein suprastaatlicher Investitionsfonds könne helfen, Kapitalflüsse in die Entwicklungsländer zu lenken, so dass diese als Treiber der globalen Erholung und des Wachstums dienten, schlägt Hu vor. Mit Kritik hält die chinesische Währungshüterin nicht hinter dem Berg: „Der Ausbruch der derzeitigen Finanzkrise ist eng verbunden mit den Fehlern des heutigen internationalen Währungssystems, den Wachstumsmustern einiger Industrieländer und der von ihnen gewählten Wirtschaftspolitik.“ Sie warnt vor einer erneuten Blasenbildung und einer Wiederholung der jüngsten Krise.
Hus Ideen und ihre Angriffe gegen den Dollar und das Verhalten der Industrieländer sind in der Aufsatzsammlung „Gründe der Krise“ zu finden, dass die indische und die englische Zentralbank nach einer Tagung in der indischen Wirtschaftsmetropole Bombay (Mumbai) Ende Mai nun zum G-20-Gipfel im amerikanischen Pittsburgh vorlegen. Darin heißt es: „Genaugenommen sind die Gründe der Krise verknüpft mit dem mangelhaften internationalen Währungssystem, das vom Dollar dominiert wird.“
De facto habe die internationale Gemeinschaft keine effektive Überwachung der Länder mit Reservewährungen besessen, kritisiert Hu. Der IWF und andere internationale Organisationen konzentrierten sich vor allem auf das Überwachen der Schwellen- und Entwicklungsländer. Damit unterstreicht sie die Sicht Chinas, aber auch Indiens, dass die Krise ihren Ursprung einzig im Westen habe und dieser damit die Verantwortung für die Misere trage. China und Indien mit ihren stark regulierten Märkten leiten daraus ab, dass ihr Einfluss auf das Weltfinanzsystem steigen und derjenige Amerikas sowie des IWF sinken müsse.
Die Finanzkrise als Lehrstunde
Hu betrachtet die Finanzkrise deshalb als Lehrstunde, die eine Änderung des Verhaltens der Industrieländer herbeiführen sollte: „Normalerweise hatten drastische Schwankungen im Wert der Reservewährungen – herbeigeführt durch eine nicht angemessene Wirtschaftspolitik der sie ausgebenden Länder – keine großen Auswirkungen auf diese selbst, führten aber zu großen Problemen in verletzlichen Staaten wie den Entwicklungsländern.“
Neben dem Vorschlag zum Aufbau eines globalen Staatsfonds stellt Hu zwei Forderungen auf. So solle die internationale Gemeinschaft „denjenigen Staaten, die die wichtigsten Währungen der Welt ausgeben, angemessene Überwachung“ widmen. Damit bezieht sich die Chinesin eindeutig auf Amerika und den Dollar. Sie erklärt allerdings nicht, welche Institution dies leisten soll. In ihrem zweiten Punkt greift sie die von ihrem Chef, Zentralbankgouverneur Zhou Xiaochuan, im Frühjahr aufgestellte Forderung nach einer stärkeren Rolle der Sonderziehungsrechte des IWF auf – auch diese richtet sich gegen eine Überbewertung des Dollar.
Christoph Hein Jahrgang 1960, Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.
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