10.10.2005 · Auch wenn die Fans es ungern hören: Erfolg im Fußball läßt sich kaufen. Denn langfristig haben die reichen Vereine auch mehr Erfolg. Die finanzschwachen Clubs aber profitieren von den umverteilten Millionen kaum.
Von Gerald BraunbergerNein, der FC Bayern München wird nicht jedes Jahr Deutscher Fußballmeister. Und Chelsea London wird in den kommenden Jahren vermutlich nicht immer die Champions League gewinnen.
Auch in Zukunft dürften kleinere Vereine mit geringerem Budget hin und wieder überragende sportliche Erfolge erzielen. Umgekehrt bildet eine wohlgefüllte Vereinskasse auch keine Garantie für den Gewinn wertvoller Titel - siehe Bayer Leverkusen. Aber trotz aller Einschränkungen bleibt insgesamt ein klarer Befund: Geld schießt Tore. Oder anders ausgedrückt: Reiche Vereine erzielen, längerfristig betrachtet, größere Erfolge als kleine Vereine.
Nachlassende Performance - Real Madrid läßt grüßen
Eine Vielzahl von Untersuchungen durch Ökonomen zeigt für Teamsportarten, daß in Westeuropa ein signifikanter Zusammenhang zwischen der Entlohnung von Spielern und Trainern einserseits und dem sportlichen Erfolg andererseits existiert. In Amerika ist dieser Zusammenhang bei weitem nicht so eng. Der Sportökonom Bernd Frick von der Universität Witten/Herdecke erklärt diese Diskrepanz mit dem Grad der Regulierung.
Der amerikanische Markt für Teamsportarten ist weitaus stärker reguliert als der europäische. Außerdem gelangt Frick noch zu einer weiteren Erkenntnis, die keinen Ökonomen erstaunen dürfte: Auch bei Gehältern existiert eine Obergrenze, bei deren Überschreiten ein weiterer Leistungszuwachs nicht mehr zu erwarten ist; bei alternden Stars mit Topgehältern - Real Madrid läßt grüßen - ist sogar eine nachlassende Performance denkbar.
„Das größte Sozialsystem der Welt“
Wo viel Geld fließt, ertönt gewöhnlich der Ruf nach Umverteilung. So auch im Fußball (wie auch in anderen Teamsportarten), wo die Fernsehgelder zugunsten der ärmeren Vereine und zu Lasten der Reichen wie dem FC Bayern verteilt werden. Dieses „größte Sozialsystem der Welt“ (Bayern-Manager Uli Hoeneß) erfreut sich nicht nur bei den kleineren Vereinen verständlicherweise großer Unterstützung - auch die vermögenden Klubs sprechen sich, wenn auch mehr oder weniger halbherzig, dafür aus.
Die sportliche Logik der Umverteilung lautet: Die Show ist um so besser und damit auch finanziell lukrativer, je mehr spannende Spiele es gibt. Alleine könnten Bayern München, der FC Schalke und Werder Bremen die Meisterschaft nicht unter sich ausspielen - eine spannende Saison erfordert eine möglichst große Zahl wettbewerbsfähiger Mannschaften. Durch die Umverteilung von Mitteln soll gewährleistet werden, daß auch bei den kleineren Vereinen das Geld Tore schießt und die Spannung bis Saisonende möglichst hoch bleibt.
Habenichtse am Tabellenende
Relativ gesehen, hat sich der Abstand zwischen den reichsten und den ärmsten Vereinen in den vergangenen 20 Jahren tatsächlich verringert. So verfügte im Jahre 1984 der Bundesligakrösus Bayern über ein etwa zehnmal so hohes Budget wie die Habenichtse am Tabellenende. In den vergangenen Jahren lagen die Bayern mit einem Jahresbudget von 60 Millionen Euro zwar immer noch an der Spitze, doch konnten die ärmsten Klubs der Liga mit immerhin jeweils rund 20 Millionen Euro kalkulieren - also nur noch etwa einem Drittel des Spitzenwerts. Das ändert aber nichts an der schon vor langem von Otto Rehhagel formulierten Erkenntnis: „Die reichen Vereine werden immer reicher.“
Daher scheinen die weniger gut betuchten Vereine kaum mehr in der Lage, die Spitzenklubs zu gefährden. „Heute gelingt es einer Mannschaft aus dem unteren Tabellendrittel nicht mehr, einen Spitzenverein zu schlagen“, klagte der Vorstandsvorsitzende von Eintracht Frankfurt, Heribert Bruchhagen, nach der Niederlage gegen den FC Bayern vor drei Wochen. In den glorreichen Zeiten der Eintracht vor rund 20 Jahren flogen dagegen den hilflosen Bayern im Waldstadion die Bälle um die Ohren.
Das Geld verpufft
Bleibt die Umverteilung also unwirksam? Schlimmer noch: Sie ist sogar schädlich für den deutschen Fußball. Zu diesem Schluß kommt Frick in einer mit einem Kollegen erstellten Studie, in der sie sich Ligen aus zahlreichen europäischen Ländern über den Zeitraum von 1976 bis 2000 angeschaut haben. Ihr Urteil fällt deutlich aus: „Die Umverteilung hat keinerlei Einfluß auf die sportliche Performance.“ Das heißt, die schwächeren Vereine profitieren sportlich überhaupt nicht von den ihnen zufließenden Millionen.
Umgekehrt allerdings fehlen diese Mittel den reichen deutschen Klubs, die sich im europäischen Wettbewerb mit noch reicheren Vereinen wie Chelsea oder Real Madrid befinden. Etwas überpointiert ließe sich sagen: Wer will, daß ein deutscher Verein die Champions League gewinnt, müßte eigentlich die Umverteilung der Fernsehgelder abschaffen - ein allerdings sehr unpopulärer Vorschlag.
Geld ist der beste Torjäger
Sven Eric Utsch (dutsch)
- 11.10.2005, 13:03 Uhr
Gerald Braunberger Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.
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