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Fujifilm-Präsident Shigetaka Komori „Wir haben dieses Geschäft neu definiert“

 ·  Japans großer Fotofilmhersteller steckt im Umbau. Das klassische Filmgeschäft spiele kaum noch eine Rolle, sagt Konzernchef Komori im Interview. Große Hoffnungen ruhen auf Kosmetik und Pharma.

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© Edgar Schoepal Vergrößern Shigetaka Komori

Herr Komori, fotografieren Sie noch selbst?

Aber sicher.

Was für eine Kamera benutzen Sie?

Derzeit ist die Finepix X-100 mein Favorit. Ich habe das Gerät mit der Seriennummer 1. Das wollte ich haben.

Warum?

Das ist eine der besten Kameras, die ich je in Händen hatte.

Mit diesem Modell hat Fujifilm moderne Digitaltechnik in ein Design aus den fünfziger Jahren gepackt. Warum?

Das kommt an.

Hätten Sie da nicht gleich die deutsche Markenfirma Leica kaufen sollen, als diese vor einigen Jahren zum Verkauf stand?

Wir haben ernsthaft darüber nachgedacht. Aber wir entschieden uns dagegen.

Wieso?

Weil es nicht in unsere Strategie gepasst hätte. Wir haben uns damals daran gemacht, Fujifilm umzubauen.

Und da hätte die Nobelmarke Leica nicht in Ihr Portfolio gepasst?

Leica ist eine erstklassige Marke, und ich gebe zu, wenn so etwas zum Verkauf steht, ist das verlockend. Aber Leica hat ein anderes Geschäftsmodell. Wir machen bei Fujifilm vom Sensor bis zur Software bei den wichtigen Komponenten alles selbst. Auch haben wir eine sehr gute Marke. Warum also sollten wir Fujifilm- Technik in eine Hülle von Leica stecken.

Warum nicht? Das machen doch viele so! Die Computer von Apple werden von Foxconn gefertigt, die Fernsehgeräte von Sony kamen von Samsung.

Ich finde unsere Entscheidung, den Kauf von Leica nicht anzustreben, sehr ehrlich. Auch haben wir dem Konzern damals neue Geschäftsfelder erschließen wollen, und das haben wir dann ja auch gemacht. Da passte Leica nicht wirklich hinein.

Mit Kodak ging gerade der Branchenprimus der Filmindustrie in die Insolvenz. Agfa ist ein Schatten seiner selbst ...

... Fujifilm aber ist auf Wachstumskurs.

Doch japanische Firmen wie Sony, Matsushita und Olympus stecken in der Klemme zwischen einer starken Landeswährung und hohen Rohstoffpreisen?

Exportorientierte japanische Unternehmen wie Sharp, Sony oder Olympus haben es derzeit schwer. Sie kämpfen mit einem starken Yen. Die Regierung muss hier einschreiten.

Die Regierung?

Ja. Tokio muss handeln. Der Markt scheint nicht mehr richtig zu funktionieren. Angebot und Nachfrage passen nicht mehr zusammen. Oder warum glauben Sie, warum die Schweizer ihren Franken gedeckelt haben?

Weil riesige Mittelzuflüsse den Franken haben stark aufwerten lassen.

Genau. Und das hatte wenig mit der wahren Schweizer Wirtschaft zu tun. Der Franken ist für die ausfuhrorientierten Firmen des Landes viel zu stark. Da kann viel kaputt gehen. Wir sind in einer ähnlichen Situation. Das ist fast schon wie Mitte der achtziger Jahre.

Damals baten die Amerikaner an den Verhandlungstisch.

Damals hielt Washington den Dollar für zu stark. Tokio sah sich gezwungen, den Yen deutlich aufzuwerten. Heute sehen wir wieder einen unverhältnismäßig starken Yen. Seit der Krise der amerikanischen Lehman Bank wertete der Yen 35 Prozent auf. Das können sie als Unternehmen nicht wegstemmen.

Aber Firmen wie Sony oder Olympus haben auch hausgemachte Probleme?

Natürlich müssen die Firmen ihre Hausaufgaben machen. Und zumindest bei Olympus ist da vieles in die falsche Richtung gelaufen. Die haben ein Problem mit ihrem Eigenkapital. Das ist mit 4 bis 5 Prozent der Bilanzsumme zu schwach.

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