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Für mehr als 4 Milliarden Dollar AIG verkauft Geschäft mit Flugzeugleasing an Chinesen

Der amerikanische Versicherungsriese AIG verkauft den größten Teil seiner Flugzeugleasing-Sparte an chinesische Investoren. Es ist die bisher größte Übernahme eines amerikanischen Unternehmens durch eine chinesische Gesellschaft.

© REUTERS Vergrößern Geschäftsflugzeug in Schanghai

Der amerikanische Versicherungskonzern American International Group Inc. (AIG) will die Mehrheit der Anteile an der Flugzeugleasing-Sparte ILFC für 4,23 Milliarden Dollar an ein chinesisches Investorenkonsortium verkaufen. Angeführt wird dieses Konsortium von der 1979 gegründeten Anlagegesellschaft New China Trust, die zu einem Fünftel der britischen Bank Barclays gehört. Die Gruppe erwirbt in einem ersten Schritt 80,1 Prozent an ILFC, hat aber die Option, weitere 9,9 Prozent zu kaufen. Damit handelt es sich um die bisher größte Übernahme eines amerikanischen Unternehmens durch eine chinesische Gesellschaft. Das Geschäft muss allerdings noch von Aufsichtsbehörden abgesegnet werden.

Die Transaktion taxiert den Gesamtwert von ILFC auf 5,3 Milliarden Dollar. Im vergangenen Jahr hatte AIG noch einen Antrag auf den Börsengang der Sparte gestellt.

Aus chinesischer Sicht ist der Erwerb von ILFC sinnvoll, weil die Luftfahrt im bevölkerungsreichsten Land der Welt stark wächst. „Die Transaktion plaziert die Leasinggesellschaft mitten ins zukünftige Wachstum“, sagte Will Horton, Analyst beim CAPA Center for Aviation, der Nachrichtenagentur „Bloomberg“. Die Volksrepublik selbst verfügt bisher über keinen namhaften Flugzeugbauer, versucht aber über Leasinggesellschafen von dem Geschäft zu profitieren. Schon jetzt ist China für ILFC der wichtigste Markt. Hier hat das Unternehmen 180 Maschinen im Einsatz, was der Nachrichtenagentur Reuters zufolge etwa einem Drittel der chinesischen Leasingflotte entspricht. Nach Schätzungen der führenden internationalen Flugzeughersteller, Airbus und Boeing, braucht der Asien-Pazifik-Raum in den kommenden 20 Jahren Passagierflugzeuge im Wert von fast 3000 Milliarden Dollar, darunter stelle China den wichtigsten Einzelmarkt.

Neben New China Trust gehören zum Konsortium auch die Beteiligungsgesellschaft P3 Investments sowie der China Aviation Industrial Fund. Letzteren hatten die staatliche China Construction Bank und das ebenfalls staatliche Luftfahrtkonglomerat Avic 2010 als ersten chinesischen Flugzeugfonds aufgelegt. Das Ziel des Fonds ist es, bei Geldgebern 20 Milliarden Yuan (2,5 Milliarden Euro) für Flugzeugfinanzierungen einzusammeln. Avic ist an dem Airbus-Werk in Tianjin beteiligt und zugleich Miteigentümer des Flugzeugbauers Comac in Schanghai. Dieser entwickelt in Konkurrenz zu Airbus und Boeing das eigene Modell C919.

Sobald die Genehmigungen der Aufsichtsbehörden vorliegen, könnten auch der Versicherungskonzern New China Life sowie ein Zweig der staatlichen Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) zu der Investorengruppe hinzustoßen. Von der Bilanzsumme her ist die ICBC die größte Bank der Welt. Sie unterhält eine eigene Flugzeugleasinggesellschaft, die während des Besuchs von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Peking im August 50 Airbus-Flugzeuge bestellte. New China Life ist der viertgrößte Lebensversicherer in China.

AIG ist in China nicht unbekannt. Kürzlich hat sich die Gruppe als einer von 17 Ankerinvestoren mit 500 Millionen Dollar am Börsengang des staatlichen chinesischen Versicherungskonzerns PICC in Hongkong beteiligt. AIG war während der Finanzkrise in Schieflage geraten und wurde mit Staatshilfen von rund 182 Milliarden Dollar gerettet. Seither trennt sich der Konzern von Sparten, die nicht zum amerikanischen Versicherungsgeschäft gehören, um das Geld an die Regierung zurückzuzahlen. Der amerikanische Staat hält immer noch 16 Prozent der Aktien von AIG.

Quelle: F.A.Z.

 
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