http://www.faz.net/-gqe-75bce
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 23.12.2012, 16:51 Uhr

Führungskräfte Führung ist BWL, Bildung und Charakter

Der Unternehmer herkömmlichen Typs mit seiner Intuition wurde abgelöst von Managern, die auf Modelle und Techniken setzen. Das führte zur Finanzkrise. Jetzt sind aber wieder gebildete Führungskräfte gefragt.

von
© Peter von Tresckow

Ohne betriebswirtschaftliche Kenntnisse geht es nicht. „Aber Deckungsbeitragsrechnung allein reicht zur Führung eines Unternehmens nicht aus“, sagt Helmut Maucher überzeugt. Maucher spricht aus Erfahrung: Er stand fünf Jahre an der Spitze von Nestlé Deutschland und anschließend zwanzig Jahre an der Spitze der Nestlé International im schweizerischen Vevey. „Führung“, so Maucher, „ist Betriebswirtschaftslehre plus Charakter plus Bildung.“ Die Betriebswirtschaftslehre stelle das Handwerkszeug zur Verfügung. Er selbst habe durchaus von seinem Studium der BWL profitiert. Man lerne zu systematisieren, systematisch zu denken und bekomme Analysewerkzeuge an die Hand. „Ich habe viel gelernt von der Deckungsbeitragsrechnung über Bilanztheorien bis hin zu Gutenbergs Absatz, aber das reicht nicht.“ Man brauche umfassende Bildung und Erfahrung. Bildung verstehe er dabei vor allem als Neugier auf Neues. Eine Führungskraft dürfe nicht nur Spezialist sein, sondern müsse Anregungen aus allen Richtungen und Gebieten aufnehmen.

Georg Giersberg Folgen:

Hinzu komme Charakter, auf den es bei vielen Entscheidungen ganz entscheidend ankomme. Zwar würde er nicht so weit gehen wie eine Unternehmerin, von der überliefert ist, dass sie auch den qualifiziertesten Bewerber nicht einstellen würde, der vergesse, sich für eine Tasse Kaffee zu bedanken, die ihm von der Sekretärin gereicht wird. „Ich würde ihm eine zweite Chance geben“, sagt Maucher. „Bei einem Blick in die Augen erkennen Sie dann, ob der junge Bewerber nur nervös und damit ,ein noch ungeschliffener Diamant‘ ist oder ob der einen mangelhaften Charakter hat. Charakter und Persönlichkeit sind für Führungskräfte die alles entscheidenden Eigenschaften.“ Das werde von der Theorie unterschätzt.

Forderung nach breit angelegter Bildung

Dieses Fazit zog Maucher in Frankfurt anlässlich der Vorstellung des gemeinsam mit dem Wissenschaftler und Managementforschers Fredmund Malik und Farsam Farschtschian (Strategieberater der Deutschen Bank) herausgegebenen Buches „Maucher und Malik über Management. Maximen unternehmerischen Handelns“ (Campus-Verlag). Mit der Forderung nach einer breiter angelegten Bildung steht Maucher nicht allein. Ein zweites Buch (Burkhard Schwenker/Mario Müller-Dofel: Gute Führung. Brunomedia Verlag) kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Schwenker, lange Jahre Vorstandsvorsitzender und Aufsichtsratsvorsitzender der Strategieberatung Roland Berger, fordert darin ein wirtschaftswissenschaftliches Studium, das „auf Breite setzt, philosophische Grundlagen legt, Werte einbezieht und Bildung vermittelt“.

Die Verkürzung von Management auf Kennziffern sei ein Fehler, beklagt der St.Gallener Wissenschaftler Malik. Solange man Zahlen habe, sei sogar alles ganz einfach. „Wirkliche Führung beginnt dort, wo das Rechnen aufhört.“ Management - er spreche statt von Führung und Führer lieber von Management und Leader - sei eine gesellschaftliche Funktion, die alles andere zum Funktionieren bringe. „Führung oder Management macht aus Ressourcen Ergebnisse“, sagt Malik. Führung bediene sich dafür der Betriebswirtschaftslehre, benötige darüber hinaus aber auch Ethik und naturwissenschaftliche Erkenntnisse, eben Bildung in einem weitesten Sinn. „Führung bedarf der Generalistenperspektive“, betont Malik wie auch Maucher. „Es gibt Dinge, die man nur versteht, wenn man nicht Fachmann ist“, gehört zu dem Management-Repertoire von Maucher. Gute Experten seien nämlich in der Regel keine guten Führungskräfte - ohne Kenntnis des Geschäfts könne man aber auch nicht gut führen. Man brauche schon Sachkenntnis; von den sogenannten Jobhoppern, die alle paar Jahre das Unternehmen wechseln, hält Maucher nichts. Eine künftige Führungskraft müsse auch einmal beweisen, über einen längeren Zeitraum einen Bereich oder ein Unternehmen erfolgreich zu führen, müsse auch mal Durchhaltevermögen zeigen. Personalführung sei immer der Spagat zwischen Erfahrung halten und frischem Blut zuführen.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Mainzer Gutenbergmuseum Wachstumsschub für Weltmuseum

Die Umbaupläne für das Gutenberg-Museum beschäftigen die Mainzer. Einige sehen den Liebfrauenplatz und seine Atmosphäre gefährdet, eine Unterschriftenaktion findet zahlreiche Unterstützer. Mehr Von Markus Schug, Mainz

28.04.2016, 09:28 Uhr | Rhein-Main
Amerika Obama sieht IS in der Defensive

Die von Amerika angeführte Militärallianz habe den sogenannten Islamischen Staat in die Defensive gedrängt, sagte Obama nach einem Treffen mit seinen Sicherheitsberatern im CIA-Hauptquartier am Mittwoch. Mehr

14.04.2016, 15:37 Uhr | Politik
Crowdworking Geldverdienen per Smartphone

In der digitalen Arbeitswelt können Crowdworker im Internet oder mit dem Handy kleinere Aufträge verrichten. Etwa bei Appjobber. Manch ein Nutzer soll so in zwei Tagen 1000 Euro verdient haben. Mehr Von Daniel Schleidt, Darmstadt

30.04.2016, 08:05 Uhr | Rhein-Main
Israel Mehrere Verletzte bei Bombenanschlag auf Bus in Jerusalem

Die Explosion in einem Bus in Jerusalem am Montag ist nach Behördenangaben von einer Bombe verursacht worden. Es habe sich eindeutig um eine Bombe gehandelt, sagte eine Sprecherin des Jerusalemer Bürgermeisters Nir Barkat. Bei der Explosion sollen mindestens 16 Menschen verletzt worden sein. Ein zweiter Bus sei in Brand geraten. Mehr

19.04.2016, 07:56 Uhr | Politik
Produkttest beim TÜV Teddybären in der Brennkammer

Beim TÜV Süd in Fechenheim werden Schuhe auf Schadstoffe und Bohrmaschinen auf Langlebigkeit getestet. Das ist viel Aufwand. Die meisten Produkte sind danach nicht mehr zu gebrauchen. Mehr Von Sven Ebbing

22.04.2016, 14:07 Uhr | Rhein-Main

Euro-Alchemisten

Von Holger Steltzner

Nachdem die EZB das Aus für den 500-Euro-Schein beschlossen hat, versucht der für Bargeld zuständige EZB-Direktor die Kritiker zu beruhigen. Was er sagt, ist redlich. Aber leider stieß er innerhalb der EZB bislang auf taube Ohren. Mehr 19 74


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Staatsfinanzen Was tun mit noch mehr Steuer-Milliarden?

Deutschland wird wegen der guten Wirtschaftslage wohl noch viel mehr Steuern einnehmen als gedacht. Schon beginnt der Streit, was damit geschehen soll. Mehr 17

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“