21.11.2012 · Die „Financial Times Deutschland“ soll nur noch bis zum 7. Dezember erscheinen. Der Rückzug des Verlags Gruner + Jahr aus den Wirtschaftsmedien geht mit einem weitreichenden Personalabbau einher.
Von Johannes Ritter, HamburgRichtlinien für Lesermeinungen
Die FAZ.NET-Redaktion bietet allen registrierten und eingeloggten Nutzern die Möglichkeit, sich mit den aktuellen Beiträgen auf FAZ.NET konstruktiv und kritisch auseinanderzusetzen und eigene Leser-Kommentare zu veröffentlichen. Für jede Meinungsäußerung stehen 1000 Zeichen zur Verfügung. Voraussetzung für eine Veröffentlichung ist, dass die Verfasser und Verfasserinnen ihren wirklichen Namen nennen, d.h. in ihrer FAZ.NET-Registrierung den korrekten Vor- und Nachnamen eingetragen haben. Im Falle der Veröffentlichung des Leser-Kommentars weisen wir am Beitrag sowohl den Klarnamen als auch den Nickname des Lesers aus. Unter Pseudonym oder anonym verfasste Texte können nicht berücksichtigt werden.
Veröffentlicht werden nur Beiträge, die auf den jeweiligen Artikel und sein Thema seriös und sachbezogen eingehen. Links- und rechtsradikale, pornographische, rassistische, beleidigende, verleumderische sowie ruf- und geschäftsschädigende Inhalte können nicht berücksichtigt werden, ebenso wenig sachlich falsche oder in angemessener Zeit nicht nachprüfbare Behauptungen. Links sind in den Leser-Kommentaren von FAZ.NET nicht gestattet. Die Redaktion behält sich vor Leser-Kommentare zu kürzen oder zu modifizieren. Jeder verfasste Beitrag wird von der Redaktion geprüft und schnellstmöglich veröffentlicht, sofern er diesen Richtlinien für FAZ.NET-Lesermeinungen nicht zuwiderläuft. Nutzern, die wiederholt versuchen, den Richtlinien nicht entsprechende Beiträge zu veröffentlichen, kann die Registrierung entzogen werden.
Für veröffentlichte Meinungsbeiträge gewähren Sie uns das unentgeltliche, zeitlich und örtlich unbegrenzte und nicht ausschließliche Recht, diese Aussagen ganz oder teilweise zu nutzen, zu vervielfältigen, zu modifizieren, anzupassen, zu veröffentlichen, zu übersetzen, zu bearbeiten, zu verbreiten, aufzuführen und darzustellen, Dritten einfache Nutzungsrechte an diesen Aussagen einzuräumen sowie die Aussagen in andere Werke und/oder Medien zu übernehmen.
Wir möchten Sie ausdrücklich darauf hinweisen, dass der gesamte Auftritt von FAZ.NET von verschiedenen Suchmaschinen intensiv ausgewertet wird und die Inhalte dort auch gelistet werden. Das schließt die Leser-Kommentare automatisch ein, so dass diese auch über FAZ.NET hinaus im Internet jederzeit recherchierbar sind.
Wenn man dem Kapital nicht nach dem Munde redet, bekommt man eben keine Anzeigen mehr von ihm - so läuft's. Dabei war es ja gerade die Werbewirtschaft, die beim Verlag für eine Konkurrenzzeitung zum Handelsblatt geworben hatte, weil deren Forderungen für Anzeigen zu hoch waren. Daraus kann man als Leser auch den Schluss ziehen: Eine Zeitung, der das Anzeigengeschäft noch ein Überleben erlaubt, ist nicht ernstzunehmen denn von seinen Anzeigenkunden nicht unabhängig. Ein Grund weniger, noch eine renditeorientierte Zeitung zu kaufen. Warum soll ich noch dafür bezahlen, mich verdummbeuteln zu lassen?
Im und wegen dem Internet ist in den Printmedien nicht mehr viel Geld zu
verdienen. Berichterstattung, Meinungen und Anzeigen gibt es dort im
Überfluss - scheinbar umsonst.
Wenigstens wissen die Kollegen selbst schon alles über Hartz IV -
so viel wie im Printbereich drüber geschrieben wird (Ironie)!
Solange Verleger eindimensional nur in den Kategorien "Anzeigen" und "Käufern" denken, werden noch viele Redaktionen aufgelöst werden. Das Abschreiben oder Nachplappern von Agenturmeldungen schafft keine Werte - im Gegensatz zu fundierter Recherche und Analyse. Wer das begreift und intelligent umsetzt, kann auch einen Markt erschliessen, der bereit ist, für Qualität angemessen zu zahlen. Das Modell der Zeitung als Anzeigenträger mit redaktionellem Beiwerk hat schon lange keine Zukunft mehr. Nur haben das die meisten Verleger noch nicht begriffen. Denn sie sind noch nicht in der Informationsgesellschaft angekommen. Klassischer Fall von verpassten Chancen.
Konsequent an der Zielgruppe vorbei geschrieben
Im Wahljahr 2009 empfahl die Redaktion ihren Lesern, die GRÜNEN zu
wählen. Allerspätestens da war klar, daß sie die
Entfremdung zwischen schrumpfender Leserschaft und Redaktion nicht mehr
aufzuhalten gewesen ist.
Die "rosa ZEIT" agitierte zunehmend auch außerhalb der
Kommentare bei den redaktionellen Artikeln im Sinne gewerkschaftsnaher
Wirtschaftsinstitute und auch im heutigen Leitartikel wird das Lob des
großen Opposionsführers Steinbrück in der
Haushaltsdebatte gesungen.
Das ist gut für das gutmenschelnde Gewissen der Redakteure, aber
von (noch) linken BWL-Studenten, die dann auf das Online-Angebot
zurück greifen, kann eine Börsenzeitung nicht leben.
In den Jahren nach der Abnabelung vom brittischen Mutterblatt war die
Zeitung eine Bereicherung, in den letzten Jahren ist man dem Linkstrend
der Öffentlich-Rechtlichen nachgehechelt und wunderte sich dabei,
warum immer weniger im Monat knapp 50 Euro für grünen
Einheitsbrei berappen wollten.
Das HANDELSBLATT wird's freuen.
"Warum verkauft die Bundesbank,
die schließlich uns allen gehört, nicht mal 100 Tonnen und
investiert dafür in die Jugend Südeuropas?“
(FTD 25.10.2012, Operation Fort Knox)
Auf so was sollen wir nun verzichten?
Aber Alternativen gibt es zum Glück. Wenn die Kopie eingestellt
wird, müssen wir sie in Zukunft eben im Original lesen, die Rote Fahne.
Schade um die FTD. Welch ein Mut. Praktisch das weltweit einmalige Projekt einer Finanztageszeitung
in der kaum jemand in der Redaktion den Hauch einer Ahnung von
Betriebswirtschaft oder Volkswirtschaft oder Sprache oder den Interessen
der Zielgruppe hat. (Kaderschmiede: Friedrich Ebert-Stiftung und
Journalistenschulen – es gibt nichts sichereres um herrliche,
formbare, junge, begeisterte Menschen zu bekommen). Diejenigen die
Ahnung hatten, beließen es bei der Ahnung.
Und jetzt?
Völlige inhaltliche und sprachliche Inkompetenz, stramme
(Partei-)Hauptstromtreue – all das wird vom Leser und
Anzeigenkunden nicht mehr mit Phantastilliarden für die
Tycoon-Familien Mohn und Jahr honoriert?
Allein die Prognosen zum Euro in der FTD in den letzten 10 Jahren. Alles
komplett falsch, grotesk, dilettantisch. Wenn das als „Mission
Statement“ (Fachsprache Unternehmensverfassungslyrikabteilungen)
und Geschäftsmodell nicht mehr funktioniert – was dann?
Ich werde sie jedenfalls vermissen, die rosa ZEIT.
Wunderbarer Kommentar ....
Lieber Herr Klier, ein wunderbare Kommentar. Ich habe mich selbst immer
gefragt, wer für den Mist, der in der FTD drin stand, eigentlich
Geld ausgibt. Wie sich zeigt, waren es immer weniger Leser und wie so
häufig müssen sich alle Traumtänzer irgendwann einmal den
Realitäten stellen .... zuweilen sollen solche Konfrontationen mit
der Realität ja einhergehen mit deftigen Aufschlaggeräuschen.
Willkommen also, liebe FTD, in der Realität von Markt und Wirtschaft.
Wieder weiß die Gewerkschaft, wie man ein Unternehmen führt.
Warum übernehmen die Gewerkschaften nicht alle darniederliegenden
Betriebe?
Wenn man liest, es handele sich bei der Entscheidung des Verlages um
eine gegen "Qualitätsjournalismus," dann muß die
Nachricht von aufgelaufenen Verlusten in Höhe von rund 250 Mio eine
Lüge sein und der Verlag so dumm, eine potentiell ertragreiche
Zeitung einzustellen.
Also bleibt nur die Gewerkschaft als Retter.
Traurige Meldungen dieser Tage - für Journalisten und Leser.
...
Gentests machen Aussagen über das Risiko künftiger Krankheiten. Wollen Sie Ihr Risiko kennen?
Sollen Ein- und Zwei-Cent-Münzen abgeschafft werden?
| Name | Wert | Änderung | |
|---|---|---|---|
| F.A.Z.-Index | -- | -- | |
| Dax | -- | -- | |
| Dow Jones | -- | -- | |
| Euro in Dollar | -- | -- | |
| F.A.Z.-Anleih… | -- | -- | |
| Gold | -- | -- | |
| Rohöl Brent | -- | -- | |
| Bund Future | -- | -- | |
Soll die Selbstanzeige für Steuerhinterzieher abgeschafft werden?