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Frühjahrstagung Internationaler Bankenverband sieht viele Konjunkturrisiken

 ·  Der internationale Bankenverband hat auf seinem Frühjahrstreffen in Kopenhagen sehr skeptisch die Aussichten der Weltkonjunktur eingeschätzt. Die Schuldenkrise und politische Spannungen im Euroraum bedrohen die Weltwirtschaft am meisten.

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Die größte Bedrohung für die Weltwirtschaft stellt gegenwärtig die ungelöste Staatsschuldenkrise im Euroraum dar, aber auch von den Vereinigten Staaten gehen Risiken aus. Der internationale Bankenverband Institute of International Finance (IIF) hat am Mittwoch auf seinem Frühjahrstreffen in Kopenhagen sehr skeptisch die Aussichten der Weltkonjunktur eingeschätzt. Der stellvertretende Geschäftsführer und Chefvolkswirt des IIF, Philip Suttle, erwartet für das laufende Jahr zwar ein Wachstum der Weltwirtschaft von 3 Prozent, gab aber zu bedenken, dass diese Zunahme einer äußerst lockeren Geldpolitik und ungewöhnlich niedrigen Zinsen zu verdanken sei. Während nach den Prognosen des Verbands die amerikanische Wirtschaft um 2,4 Prozent wachsen wird, dürfte die Wirtschaftsleistung im Euroraum um 0,2 Prozent schrumpfen.

Die politischen Entscheidungsträger stünden vor schweren Herausforderungen, so Suttle. Die Strukturprobleme in der Europäischen Währungsunion und im amerikanischen Staatshaushalt seien nur schwer zu lösen. Die schon eingesetzten Instrumente wie etwa der Ankauf von Staatsanleihen durch die Notenbanken seien ausgeschöpft oder wirkungslos. Die quantitative Lockerung, worunter der Ankauf von Staatsanleihen durch die amerikanische oder britische Notenbank verstanden wird, wirft für Suttle die Frage auf, ob dadurch eine Spekulationsblase im letzten verbliebenen sicheren Hafen der Finanzmärkte drohe. Bundesanleihen und amerikanische Staatsanleihen haben in den vergangenen Wochen im Zuge der abermaligen Sorgen um den Euroraum deutliche Kursverluste verzeichnet, entsprechend sanken ihre Renditen auf Rekordtiefs.

Ein weiteres Konjunkturrisiko stellen für den Bankenverband die strengeren Vorgaben der Aufsichtsbehörden für die Banken dar. „Wir müssen den Risikoabbau begrenzen und nicht vorantreiben“, kritisierte Suttle. Im Euroraum verunsicherten die Neuwahlen in Griechenland und der mögliche Austritt aus dem Währungsraum sowie die gegenwärtige Bankenkrise in Spanien. Doch das grundlegende Problem ist seiner Ansicht nach die Wachstumsschwäche in den Euro-Krisenländern wie Italien oder Spanien. „Zinsen von mehr als 6 Prozent auf Staatsanleihen sind für diese Länder deshalb nicht tragbar, weil die Wachstumsraten negativ sind.“ Der Wachstumsrückstand dieser Länder zu Deutschland sowie eine Jugendarbeitslosigkeit von mehr als 40 Prozent in der Euro-Peripherie deuteten auf eine langfristig schwierige Lage mit politischen Spannungen im Euroraum.

Zuvor hatte der Risikovorstand von Swiss Re, David Cole, am Rande der Tagung gegenüber Journalisten eingeräumt, dass der Rückversicherer Szenarien eines Auseinanderbrechens des Euroraums geprüft habe. Ein Austritt Griechenlands würde seine Gesellschaft treffen und eine hohe Belastung für die Konjunktur darstellen. Cole fügte aber hinzu, dass Swiss Re nicht das Auseinanderbrechen der Währungsunion erwarte.

IIF blickt mit Sorge auf Amerika

Der IIF, der die privaten Gläubiger in den Verhandlungen mit der griechischen Regierung vertreten hatte, blickt aber auch auf die Vereinigten Staaten mit Sorge. Das hohe Haushaltsdefizit sei noch immer ausgelöst, so Suttle. Sollten die im vergangenen Jahr im Zuge des Kompromisses im Budgetstreit zwischen Republikanern und Demokraten beschlossenen Ausgabenkürzungen sowie Streichungen von Steuererleichterungen in Kraft treten, könnte dies die Weltkonjunktur deutlich belasten, befürchtet er. Die Kürzungen summieren sich auf mehr als 600 Milliarden Dollar.

Als Problem der europäischen Banken bezeichnete Hung Tran, stellvertretender IIF-Geschäftsführer, die zu hohe Bilanzsumme im Verhältnis zum Eigenkapital. Die europäischen Banken haben seinen Angaben zufolge eine Bilanzsumme von insgesamt 45 Billionen Dollar und ein hartes Eigenkapital (Core Tier-1) von 1,75 Billionen Dollar. Die amerikanischen Institute kommen laut Tran auf Vermögenswerte von insgesamt 14,3 Billionen Dollar und ein Kapital von 0,9 Billionen Dollar. Ein weiteres Problem sei der hohe Anteil der als Sicherheit für Pfandbriefe, für Refinanzierungsgeschäfte der Europäischen Zentralbank oder für den Geldmarkt hinterlegten Kredite oder Wertpapiere. Diese machten mehr als ein Viertel der gesamten Bilanzsumme europäischer Banken aus. Dadurch werden die Institute in ihren Möglichkeiten zur Refinanzierung, aber auch zum Abbau von Risiken eingeschränkt.

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Jahrgang 1967, Redakteur in der Wirtschaft.

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