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Finanzmärkte Der Erleichterung folgt der Berlusconi-Schreck

 ·  Der mögliche Wahlsieg des Mitte-Links-Bündnisses in Italien hatte die Finanzmärkten zunächst erfreut. Doch Berlusconi könnte im Senat gewonnen haben. Vor allem der Eurokurs geriet unter Druck.

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Der ersten Erleichterung sich an den Finanzmärkten folgte der Schreck: Jüngste Hochrechungen zufolge droht nach der Wahl in Italien ein Patt. Zwar hat das Mitte-Links-Bündnis von Per Luigi Bersani wohl die meisten Stimmen im Abgeordnetenhaus erhalten,was ihm dank mancher Eigenheit des  Wahlrechts eine absolute Mehrheit geben  würde.

Doch im Senat sahen die Forscher dann das Bündnis des früheren Ministerpräsidenten Berlusconi mit 31 Prozent der Stimmen vorne. Bersani erhielt demnach nur 29,7 Prozent. Fast noch schwere wiegt, dass die Bewegung des Komikers Beppe Grillo 25 Prozent erhalten haben könnte. Dann wieder Hoffnung: Andere Hochrechnungen sehen Bersani vorne. Eine stabile Regierung ist nur garantiert, wenn eines der Lager die Mehrheit in den beiden Kammern des Parlaments erringt.

Aktienmärkte geben Kursgewinne ab

Entsprechend nervös reagierten die Märkte: In der Hoffnung auf stabile politische Verhältnisse und eine Fortsetzung des Reformkurses hatten die Kurse vor Bekanntgabe der Prognosen deutlich zugelegt. Der Dax notierte am frühen Mittag 2,6 Prozent höher. Nach dem „Cavaliere-Schreck“ schmolzen die Kursgewinne auf 1 Prozent zusammen, am Ende ging der Dax mit einem Plus von 1,5 Prozent und 7773 Punkten ins Ziel. Der italienische FTSE-MIB-Index, der ursprünglich bis zu 4 Prozent zugelegt hatte, rutschte ins Minus, bevor auch er mit einem Plus von 0,7 Prozent den Handel beschloss. Weniger extrem aber in der Tendenz ähnlich reagierte die New Yorker Wall Street. Nach leichten Aufschlägen ging es etwas ins Minus, mittlerweile ist der Markt wieder im Plus.

Die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen Italiens, die schon auf 4,20 Prozent gefallen war, stieg nach der Nachricht von der Senatswahl drastisch wieder auf 4,42 Prozent an und damit wieder in etwa auf den Stand vom Freitagabend. Die Stimmung war an den Rentenmärkten gestiegen, nachdem Italien neue Anleihen aufgelegt hatte. Italien sammelte insgesamt 4,068 Milliarden Euro am Markt ein, die Zielspanne hatte zwischen 2,5 und 4,25 Milliarden Euro gelegen.

Hoffen auf Lockerung der EZB

Für den Euro, der im Laufe des Tages bis auf 1,3312 Dollar aufgewertet hatte, und gegen Mittag schon wieder gedreht hatte, gab es indes keine Tendenzwende und kein Halten mehr. Die Gemeinschaftswährung gab ihre gesamten Kursgewinne gegenüber dem Dollar wieder ab und fiel unter den Stand vom Freitagabend bei 1,3171 Dollar zurück. In den kommenden Wochen muss sich zeigen, inwieweit Italien tatsächlich eine Reformpolitik fortsetzen wird. Schon an Bersanis Entschlossenheit gibt es Zweifel, mit einem Patt wäre eine denkbar ungünstige Konstellation erreicht.

Da nützt den Finanzmärkten auch wenig, dass ein geringes Reformtempo dafür spräche, dass Italien vermehrt auf einer Lockerung der Geldpolitik der EZB hinarbeiten könnte. Dies sorgt normalerweise für gute Laune: Heute etwa beflügelten auch zunächst Nachrichten vonseiten der Zentralbanken aus Japan und den Vereinigten Staaten, die auf eine Fortsetzung der lockeren Geldpolitik hindeuten. So soll Haruito Kuroda neuer Chef der japanischen Notenbank werden. Er ist wie Ministerpräsident Shinzo Abe Befürworter starker Konjunkturspritzen für die schwächelnde Wirtschaft. Auch in den Vereinigten Staaten schwanden die Sorgen, dass die Federal Reserve ihr Anleihenkaufprogramm bald einstellen könnte.

Quelle: FAZ.NET, dpa-AFX, Reuters, dpa, AP, AFP, Bloomberg, Dow Jones
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