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Veröffentlicht: 06.01.2016, 06:51 Uhr

Finanzinvestoren „Heuschrecken“ in Australien unter Beobachtung

Vor der Pleite der Elektronikkette Dick Smith machte der Finanzinvestor Anchorge Capital mit der Firma 480 Millionen Dollar Gewinn in zwei Jahren. Ging dies mit rechten Dingen zu?

von , Singapur
© dpa

Wer die gelben Gutschein-Karten zu Weihnachten geschenkt bekommen hat, schaut nun in die Röhre: Der große Elektronikhändler Dick Smith mit mehr als 400 Geschäften in Australien und Neuseeland ist pleite. Gutscheine für Fernseher, Toaster oder Handys werden nicht mehr bedient. Die Pleite aber reicht weit über Australien hinaus. Ist sie doch ein Lehrstück über die Unzuverlässigkeit von „Heuschrecken“.

Christoph Hein Folgen:

Dick Smith notierte erst seit zwei Jahren an der Börse in Sydney. Zuvor hatte sich ein privater Kapitalanleger den Löwenanteil am Unternehmen gesichert, und dieses dann mit riesigem Gewinn auf das Parkett gebracht. Genau dies sorgt nun für Aufruhr. Im Fall von Dick Smith Electronics war es der private Investor Anchorage Capital Partner, der das Unternehmen dem Anschein nach börsenreif machte und damit richtig Geld verdiente – während die Privatanleger, die auf die Dick-Smith-Aktie hereinfielen, nun in die Röhre schauen.

Rasche Pleite nach Börsengang kein Einzelfall

Es ist bei weitem nicht das erste Mal, dass private Kapitalgesellschaften bekannte Unternehmen aufkaufen, sie aufpolieren, und sie dann mit hohen Margen über die Börse abstoßen, wo sie rasch in die Krise trudeln. Ähnliches passierte schon bei Australiens großer Einzelhandelskette Myer Holdings, beim Reinigungsunternehmen Spotless Group Holdings und dem Fernsehsender Nine Entertainment Co Holdings. In jedem Fall hatten die Kleinaktionäre kurze Zeit nach dem Börsengang das Nachsehen.

Die Handelsgruppe Woolworths hatte Dick Smith 2012 für 20 Millionen Australische Dollar (13,3 Millionen Euro) an Anchorage verkauft. Sie passte nicht länger ins Woolworth Sortiment. Zu den Anchorage-Eigentümern zählt unter anderem der frühere Vorstandsvorsitzende der Investmentbank Macquarie, Alan Moss. Er sitzt heute im Rat der Australischen Notenbank. Mit dem günstigen Einkauf und dem teuren Börsengang im September 2014 machte Anchorage innerhalb von zwei Jahren rund 500 Millionen Dollar Gewinn. Zehn Monate vor der heutigen Pleite verließ der letzte der Anchorage-Manager Dick Smith.

  DICK SMITH HLDGS
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Im Juni 2014 hatte Dick Smith noch keinerlei Schulden, heute haben sie sich auf rund 340 Millionen Australische Dollar aufgetürmt. Als die National Australia Bank und HSBC den Geldhahn nun zudrehten, war das Ende besiegelt. Aber reagierten die Banken zu spät? War es pures Missmanagement, welches das Unternehmen innerhalb weniger Monate vom Börsenstar zur Pleitefirma werden ließ? Und welche Schuld hat der Bilanzprüfer Deloitte, der noch im August ohne jede Warnung alle Berichte freistempelte?

Derzeit weisen die Finger in Australien vor allem auf Anchorage, deren manchem Australier obszön erscheinende Bereicherung, und die Unterstellung, die „Heuschrecken“ hätte Dick Smith weich gezeichnet, um sich die Taschen voll zu machen und dann das sinkende Schiff zu verlassen. Beim Börsengang von Dick Smith halfen Goldman Sachs und, ja, Macquarie. Auch dies bekommt nun ein „Geschmäckle“.

Vorgewarnt

Auffällig ist ein Blog, den der Analyst Matt Ryan von Forager Funds Management zum Zeitpunkt des Börsengangs verfasst hatte: Er hatte sich damals öffentlich verwundert über die große Differenz zwischen dem Kaufpreis, den Anchorage gezahlt hatte, und dem, nur ein paar Monate später erzielten, enormen Verkaufspreis geäußert. „Entweder hat Woolworths Dick Smith verschleudert und sollte sich schämen. Oder Investoren werden bald merken, dass sie in eine mit Zucker bestäubte Zitrone gebissen haben. Denn die Anchorage-Manager können (in ihrer Zeit als Eigentümer) nicht viel mehr getan haben, als sich gerade mal mit dem Management zu treffen.“

Bewiesen allerdings ist bislang nichts. So leidet Macquarie als größter Aktionär von Dick Smith mit unter der Pleite. Der Wert der Anteile der Investmentbank schmolz von 104 Millionen Australischen Dollar beim Börsengang auf nur noch 16 Millionen Dollar, als die Aktie vom Handel ausgesetzt wurde. Hatte der Ausgabepreis im Herbst 2014 bei 2,20 Dollar gelegen, notierte sie Ende vergangener Woche noch bei 35,2 Cent. Das Management fuhr eine aggressive Wachstumsstrategie noch bis zum Sommer, setzte dann im Oktober aber plötzlich eine erste Gewinnwarnung ab. Derzeit durchforstet der Insolvenzverwalter die Bücher. Während die Beschenkten erkennen, dass ihre Weihnachtsgutscheine wertlos sind.

Quelle: FAZ.NET

 

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