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Früchte der Liberalisierung Busse vermarkten wie die Billigfluganbieter

Fernbusse machen zunehmend der Bahn Konkurrenz. Zwischen Frankfurt und Berlin pendeln schon mehrmals täglich Busse über die Autobahn. Wird der Fernbus ein Erfolgsmodell wie der Billigflieger?

© dpa Vergrößern Ein Fernbus wartet in Berlin auf Gäste.

Die Liberalisierung des Fernbus-Verkehrs trägt bunte Früchte: Am Donnerstag eröffnete die MeinFernbus GmbH zwei neue Strecken, die auffällig apfelgrünen Busse pendeln seitdem mehrmals täglich von Frankfurt (Main) nach Berlin. Auf der Autobahn dauert die Fahrt zwar spürbar länger als auf der Schiene, nämlich einschließlich dem Halt in Leipzig siebeneinhalb statt der gut vier Stunden mit der Bahn.

Kerstin Schwenn Folgen:    

Nach Ostern wird es auch Direktverbindungen geben, die eine Stunde schneller sind. In der Regel aber wird die Fahrt mit dem Bus, so verspricht das Unternehmen, „mindestens 50 Prozent günstiger als mit der Deutschen Bahn“. Die einfache Fahrt von Berlin nach Frankfurt kostet 49,50 Euro, das ICE-Ticket 120 Euro. Wie bei der Bahn gibt es auch für den Bus Frühbucher- und andere Sonderangebote.

„Bisher war es eine Nische, jetzt können wir an den Speck“

Mein-Fernbus-Geschäftsführer Torben Greve will aber nicht nur mit Preisen argumentieren. „Die Fahrgäste sollen sich an Bord wohl und sicher fühlen. Wir wollen nicht das größte, sondern das beliebteste Busunternehmen werden“, umschreibt er sein Ziel. „Unser Vorteil ist, dass die Deutsche Bahn im Urteil der Kunden oft so schlecht wegkommt.“ Den Kunden will Greve mehr bieten als die Bahn, die Mitnahme von Fahrrädern etwa und einen kostenlosen kabellosen Internet-Zugang im Bus. Dass er damit der Fernverkehrssparte der Bahn, für die er früher selbst gearbeitet hat, entscheidende Marktanteile abjagen kann, glaubt der 37 Jahre alte Kaufmann nicht. Greve hat eher die „Selbstfahrer“, die auf das Auto verzichten wollen, und die Kunden von Mitfahrzentralen im Visier. Gebucht werden kann im Internet und inzwischen auch in vielen Reisebüros; eiligen Kunden verkauft auch der Busfahrer noch einen Fahrschein, sofern er noch freie Plätze hat.

Erste Erfahrungen im Busbetrieb haben Greve und sein Geschäftsführer-Kollege Panya Putsathit, die das Unternehmen 2011 in Berlin gründeten, schon unter der alten gesetzlichen Regelung gesammelt. Seit dem vergangenen Jahr fährt ihr Unternehmen mehrmals täglich mit insgesamt 30 Bussen auf sechs Linien, beispielsweise zwischen Freiburg und München sowie zwischen Zürich, Konstanz und München. Die Auslastung auf der Freiburg-Strecke erreicht nach Greves Angaben 75 Prozent. Nicht nur Studenten nehmen dort den Bus, sondern auch Geschäftsreisende - besonders zwischen Friedrichshafen und München. Im Tourismus vergleicht Greve den Bus mit dem Erfolgsmodell der Billigflieger: „Wer Pisa und Barcelona schon gesehen hat, will jetzt vielleicht ein paar Tage Urlaub mit dem Fahrrad in Deutschland machen.“

Schnell sollen weitere Verbindungen dazukommen, die Anzahl der Busse soll dreistellig werden. Im März will MeinFernbus die Stadt Hamburg in das Streckennetz aufnehmen. Noch vor Ostern will die Gesellschaft acht neue Ziele von Berlin aus ansteuern, langsam soll so ein Netz entstehen. Die Busse gehören nicht zum Inventar. Vielmehr basiert das Geschäft auf einer Partnerschaft mit derzeit elf mittelständischen Busunternehmen, die in den Regionen zuhause sind. Das hält den Investitionsbedarf, den sieben Investoren absichern, in Grenzen. MeinFernbus sorgt dabei für den einheitlichen Markenauftritt, Linienplanung, Preisgestaltung, Marketing, Buchung, Betriebssteuerung und Kundenservice.

Bisher waren Fernbuslinien nur unterstrengen Voraussetzungen erlaubt

Mit der Eröffnung neuer Strecken bewegen sich Greve und Putsathit aus der Nische heraus. „Bisher war es eine Nische, jetzt können wir an den Speck“, sagt Greve, dessen Unternehmen inzwischen 42 Mitarbeiter beschäftigt. „Wir können wachsen, auch wenn wir jetzt selbst den Wettbewerb zu spüren bekommen.“ Bisher waren Fernbuslinien aus historischen Gründen nur unter äußerst strengen Voraussetzungen erlaubt. Zum Schutz der Deutschen Bahn gab es in nennenswertem Umfang nur Fernbusverkehr von und nach Berlin - ein Relikt aus der Zeit der deutschen Teilung.

Beantragten Busunternehmer Konzessionen für Fernlinien, zogen sie bei den Behörden meist den Kürzeren. Nur selten gelang es ihnen nachzuweisen, dass das Verkehrsangebot der Bahn so unzulänglich war, dass es nicht als „befriedigend“ gelten konnte - von der Ausnahme Freiburg-München abgesehen, auf der die Bahn seit einigen Jahren nicht mehr direkt fährt. Meist klagte die Bahn erfolgreich gegen die aufkeimende Konkurrenz. Selbst ein busfreundliches Urteil des Bundesverwaltungsgerichts von 2010 gab kaum Anschub. Erst die Einigung von Bundestag und Bundesrat über die Öffnung des Marktes erlaubte den Startschuss für die Buskonkurrenz.

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Eine Reihe von Unternehmen haben ihre Pläne schon öffentlich gemacht, Neugründer wie MeinFernbus, DeinBus oder Flixbus, die sogar bald 300 Direktverbindungen anbieten wollen, aber auch angestammte Reiseanbieter wie die Deutsche Touring, die seit Jahresbeginn auf sechs Verbindungen fährt und in den kommenden Wochen weitere 35 ins Programm nehmen will. Aus Großbritannien will National Express bald auf dem deutschen Markt reüssieren. Die Deutsche Bahn dagegen, selbst größtes Busunternehmen in Deutschland, überlegt noch, ob sie mit eigenen Bussen ihren Zügen Konkurrenz macht. Auch die Deutsche Post prüft zusammen mit dem Automobilklub ADAC noch einen Einstieg ins Geschäft.

Auch nach der Liberalisierung im neuen Personenbeförderungsgesetz müssen sich die Busanbieter ihre Verbindungen genehmigen lassen. Die Erschließung des Marktes wird dadurch erheblich gebremst, wie Greve berichtet. Dennoch hält er an seinem Ziel fest: Bereits 2014 will er mit den grünen Fernbussen in den schwarzen Zahlen sein.

Quelle: F.A.Z.

 
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