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Frisches Geld für Griechenland : Draghis linke und rechte Tasche

Mario Draghi und die Europäische Zentralbank haben dafür gesorgt, dass Athen zahlungsfähig bleibt Bild: dapd

Um nächste Woche seinen Verbindlichkeiten nachzukommen, hat sich Griechenland an diesem Dienstag in einer Anleiheauktion frisches Geld beschafft. Dies gelingt nur im Zusammenspiel mit der Europäischen Zentralbank.

          Dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, Taschenspielertricks vorzuwerfen ginge dann doch zu weit. Und doch verwendet mancher geldpolitische Beobachter in den Frankfurter Bankentürmen diesen Vergleich - natürlich hinter vorgehaltener Hand. Anlass gibt die kommenden Montag fällig werdende Staatsanleihe Griechenlands über 3,13 Milliarden Euro. Davon halten die EZB und die ihr angeschlossenen Notenbanken 3,07 Milliarden Euro, den Rest Europäische Investitionsbank und Europäische Union.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Um die Anleihe tilgen zu können, hat Griechenland an diesem Dienstag Geldmarktpapiere im Volumen von 3,125 Milliarden Euro und einer Laufzeit von 13 Wochen versteigert. Als Käufer kommen nur griechische Banken in Frage. Ob diese zeichnen, wäre vor Wochen noch eine heikle Frage gewesen. Denn Mitte Juli entschied der EZB-Rat, dass griechische Staatsanleihen oder vom Staat garantierte Bankanleihen nicht mehr von den Banken als Pfand für Notenbankkredite eingereicht werden können.

          Um aber die Tilgung der selbst gehaltenen Anleihe sicherzustellen, hat der EZB-Rat in seiner Sitzung Anfang August der griechischen Notenbank erlaubt, ihre Notkredite für die Banken, die sogenannte Emergency Liquidity Assistance (ELA), von 3 auf 7 Milliarden Euro auszuweiten. Die griechischen Banken können also die Geldmarktpapiere bei der Notenbank einreichen und erhalten dafür die dringend benötigte Liquidität. Kritiker sprechen von einer monetären Staatsfinanzierung. Wie ein EZB-Sprecher betonte, trägt das Risiko der ELA-Kredite alleine die griechische Notenbank. Doch das setzt voraus, dass Griechenland zahlungsfähig bleibt.

          Insolvenz im Herbst?

          Wenn die Euro-Finanzminister den Geldhahn nicht wieder aufdrehen, dürfte der griechische Staat spätestens im Herbst insolvent sein, erwartet die Commerzbank. Doch Draghi und die EZB haben dafür gesorgt, dass Athen nächsten Montag zahlen kann. In der linken Tasche erhöhen sich die Risiken gegenüber griechischen Banken, damit in der rechten Tasche der griechische Staat seine Verbindlichkeiten tilgen kann. Ohne das Plazet der EZB könnte Griechenland die Anleihe nicht tilgen.

          Vom griechischen Schuldenschnitt in diesem Frühjahr blieben öffentliche Gläubiger wie die EZB verschont. Private Anleger, im Wesentlichen Banken und Versicherer, mussten auf mehr als die Hälfte ihrer Forderungen verzichten. Hinzu kommen Abschreibungen auf die neuen, nicht zu Marktkonditionen verzinsten Staatsanleihen, so dass sich die Verluste auf 76 Prozent belaufen.

          Die EZB und die Euro-Notenbanken haben ihre am Markt erworbenen griechischen Staatsanleihen rechtzeitig mit neuen Wertpapierkennnummern versehen lassen, so dass sie im Schuldenschnitt außen vor blieben. Dazu zählt auch die nun fällig werdende Anleihe. Die EZB soll alleine griechische Staatsanleihen im Nennwert von 55 Milliarden Euro halten und die Euro-Notenbanken weitere 15 Milliarden Euro.

          Quelle: F.A.Z.

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