Home
http://www.faz.net/-gqe-76eef
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Freihandelsabkommen Der lange Weg zum freien Handel

Ein weltweites Freihandelsabkommen liegt in weiter Ferne. Stattdessen verhandeln nur einzelne Regionen miteinander - vor allem über den Abbau von Bürokratie.

© AFP Vergrößern Zur nächsten Verhandlungsrunde zum Freihandel treffen sich die Beteiligten auf der Insel Bali.

Am Anfang stand eine Vision. Als unter dem Dach der Welthandelsorganisation (WTO) im Jahr 2001 die Gespräche über ein internationales Freihandelsabkommen begannen, einte die beteiligten Länder die Vision von einem weltumspannenden Warenverkehr ohne Zölle und andere Handelsbarrieren. Doch aus den hehren Zielen der sogenannten Doha-Runde wurde nichts, stets verhinderten die Interessen Einzelner ein gemeinsames Abkommen. Offiziell will keiner der Beteiligten das Vorhaben begraben. Doch Fachleute glauben schon lange nicht mehr an einen erfolgreichen Abschluss. „Doha ist einfach zu komplex geworden“, sagt Gabriel Felbermayr, Experte für internationalen Handel im Münchner Ifo-Institut.

Julia Löhr Folgen:  

So kommt es, dass sich seit einiger Zeit die Bemühungen auf bilaterale Abkommen konzentrieren - Abkommen, die einzelne Wirtschaftsregionen untereinander aushandeln. Vor zwei Jahren schloss die Europäische Union nach langem Ringen ein Freihandelsabkommen mit Südkorea ab, im vergangenen Jahr wurden Verträge mit Singapur, Kolumbien und Peru vereinbart. Ende November fiel der Startschuss für Verhandlungen mit Japan. Die größten Hoffnungen richten sich gleichwohl auf das geplante transatlantische Freihandelsabkommen („Tafta“) zwischen der EU und den Vereinigten Staaten.

Viele Fürsprecher

An Befürwortern eines solchen Abkommens, das auch als „Wirtschafts-Nato“ bezeichnet wird, mangelt es nicht: Die scheidende amerikanische Außenministerin Hillary Clinton, der britische Premierminister David Cameron, die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel - sie alle sprechen sich dafür aus. Wirtschaftsverbände wie der BDI reihen sich in den Chor ein. „Sowohl Amerika als auch Europa haben Anteile auf dem Weltmarkt verloren“, sagt Ifo-Ökonom Felbermayr. „Sie müssen gemeinsam ihre Position gegenüber China stärken.“ Mit Spannung wird nun die Rede des amerikanischen Präsidenten Barack Obama am 12.Februar erwartet, in der er sich zur Lage der Nation und auch - so wird es vermutet - zum Freihandel äußern wird. Dies könnte den Beginn von Verhandlungen markieren.

Ein Abkommen mit Amerika hätte angesichts der Größe der beiden Wirtschaftsräume eine gewaltige Strahlkraft. Die zu erwartenden Vorteile aus dem Abbau von Zöllen werden auf 180 Milliarden Dollar geschätzt, die Ersparnisse durch die Angleichung von Standards auf weitere 200 Milliarden Dollar. Doch Fachleute warnen vor zu viel Optimismus. Schon die Verhandlungen mit Südkorea zogen sich über vier Jahre hin. Ein Mammut-Abkommen wie das mit Amerika auszuhandeln, dürfte im Vergleich damit eher länger als kürzer dauern.

Vorerst kein Abkommen mit Japan

„Bis zu einem Abschluss der Vertragsverhandlungen werden einige Jahre vergehen“, verlautet es aus dem Bundeswirtschaftsministerium. Während mit Amerika verhandelt werde, gelte es, bereits begonnene Vertragsverhandlungen fortzusetzen und abzuschließen, vor allem mit den aufstrebenden Ländern Asiens. Die Gespräche mit Malaysia und Vietnam etwa könnten in der Zwischenzeit zum Abschluss gebracht werden, auch Thailand und Indonesien stehen auf der Wunschliste weit oben.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Allensbach-Umfrage Das Chlorhühnchen zeigt Wirkung

Wie stehen die Deutschen zum Freihandelsabkommen TTIP, hat das Meinungsforschungsinstitut Allensbach gefragt. Wer die Diskussion näher verfolgt hat, ist eher dagegen. Mehr

02.09.2014, 17:40 Uhr | Wirtschaft
Obama wirbt für das Freihandelsabkommen TTIP

Amerikas Präsident Obama verspracht am Dienstag in Brüssel keine Senkung der der Standards im Umwelt- und Verbraucherschutz. Er warb abermals für eine engere Zusammenarbeit zwischen Europa und Amerika. Mehr

27.03.2014, 09:22 Uhr | Politik
Konflikt mit Russland EU will Freihandel mit Ukraine um 15 Monate aufschieben

Die Europäische Union geht im Ukraine-Konflikt auf Russland zu: Sie will das geplante Freihandelsabkommen mit der Ukraine um 15 Monate verschieben. Mehr

12.09.2014, 22:11 Uhr | Politik
Chlor-Hühnchen, Mega-Fusionen und Genmais

Die Deutschen sehen das Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA kritisch. Die Bundesregierung hält aber an dem Abkommen fest. Es soll Standards internationalisieren, den Handel vereinfachen. Mehr

02.05.2014, 10:09 Uhr | Politik
Bankenstrafen-Ticker HSBC zahlt 550 Millionen Dollar an amerikanische Behörde

Betrug, Geldwäsche, Zinsmanipulationen, Devisenskandal: Banken weltweit müssen für ihre Fehltritte büßen. Jetzt legt die größte europäische Bank HSBC ihren Hypothekenpapier-Streit in Amerika bei. Die wichtigsten Sanktionen im Überblick. Mehr

13.09.2014, 16:54 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 09.02.2013, 08:09 Uhr

Politik im Schlafzimmer

Von Winand von Petersdorff

Eine Schweizer Initiative will durch Familienplanung das Wachstum der Weltbevölkerung senken. Gruselig. Mehr 38 16


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Der Aufstieg smarter Uhren und Brillen

Apple will den Computer am Handgelenk im Alltag der Menschen etablieren. Das Feld ist bereitet - auch für Datenbrillen. Mehr 1