Home
http://www.faz.net/-gqe-76eef
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 09.02.2013, 08:09 Uhr

Freihandelsabkommen Der lange Weg zum freien Handel

Ein weltweites Freihandelsabkommen liegt in weiter Ferne. Stattdessen verhandeln nur einzelne Regionen miteinander - vor allem über den Abbau von Bürokratie.

© AFP Zur nächsten Verhandlungsrunde zum Freihandel treffen sich die Beteiligten auf der Insel Bali.

Am Anfang stand eine Vision. Als unter dem Dach der Welthandelsorganisation (WTO) im Jahr 2001 die Gespräche über ein internationales Freihandelsabkommen begannen, einte die beteiligten Länder die Vision von einem weltumspannenden Warenverkehr ohne Zölle und andere Handelsbarrieren. Doch aus den hehren Zielen der sogenannten Doha-Runde wurde nichts, stets verhinderten die Interessen Einzelner ein gemeinsames Abkommen. Offiziell will keiner der Beteiligten das Vorhaben begraben. Doch Fachleute glauben schon lange nicht mehr an einen erfolgreichen Abschluss. „Doha ist einfach zu komplex geworden“, sagt Gabriel Felbermayr, Experte für internationalen Handel im Münchner Ifo-Institut.

Julia Löhr Folgen:

So kommt es, dass sich seit einiger Zeit die Bemühungen auf bilaterale Abkommen konzentrieren - Abkommen, die einzelne Wirtschaftsregionen untereinander aushandeln. Vor zwei Jahren schloss die Europäische Union nach langem Ringen ein Freihandelsabkommen mit Südkorea ab, im vergangenen Jahr wurden Verträge mit Singapur, Kolumbien und Peru vereinbart. Ende November fiel der Startschuss für Verhandlungen mit Japan. Die größten Hoffnungen richten sich gleichwohl auf das geplante transatlantische Freihandelsabkommen („Tafta“) zwischen der EU und den Vereinigten Staaten.

Viele Fürsprecher

An Befürwortern eines solchen Abkommens, das auch als „Wirtschafts-Nato“ bezeichnet wird, mangelt es nicht: Die scheidende amerikanische Außenministerin Hillary Clinton, der britische Premierminister David Cameron, die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel - sie alle sprechen sich dafür aus. Wirtschaftsverbände wie der BDI reihen sich in den Chor ein. „Sowohl Amerika als auch Europa haben Anteile auf dem Weltmarkt verloren“, sagt Ifo-Ökonom Felbermayr. „Sie müssen gemeinsam ihre Position gegenüber China stärken.“ Mit Spannung wird nun die Rede des amerikanischen Präsidenten Barack Obama am 12.Februar erwartet, in der er sich zur Lage der Nation und auch - so wird es vermutet - zum Freihandel äußern wird. Dies könnte den Beginn von Verhandlungen markieren.

Ein Abkommen mit Amerika hätte angesichts der Größe der beiden Wirtschaftsräume eine gewaltige Strahlkraft. Die zu erwartenden Vorteile aus dem Abbau von Zöllen werden auf 180 Milliarden Dollar geschätzt, die Ersparnisse durch die Angleichung von Standards auf weitere 200 Milliarden Dollar. Doch Fachleute warnen vor zu viel Optimismus. Schon die Verhandlungen mit Südkorea zogen sich über vier Jahre hin. Ein Mammut-Abkommen wie das mit Amerika auszuhandeln, dürfte im Vergleich damit eher länger als kürzer dauern.

Vorerst kein Abkommen mit Japan

„Bis zu einem Abschluss der Vertragsverhandlungen werden einige Jahre vergehen“, verlautet es aus dem Bundeswirtschaftsministerium. Während mit Amerika verhandelt werde, gelte es, bereits begonnene Vertragsverhandlungen fortzusetzen und abzuschließen, vor allem mit den aufstrebenden Ländern Asiens. Die Gespräche mit Malaysia und Vietnam etwa könnten in der Zwischenzeit zum Abschluss gebracht werden, auch Thailand und Indonesien stehen auf der Wunschliste weit oben.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Freihandelsabkommen Angst vor TTIP und den Folgen

Das transnationale Freihandelsabkommen sorgt auch im Römer für Bedenken. Mehrere Sozialverbände und die Grünen sehen durch TTIP die kulturelle Vielfalt und soziale Standards in Gefahr. Mehr Von Hans Riebsamen und Christian Palm, Frankfurt

28.01.2016, 08:51 Uhr | Rhein-Main
Amerika Trump vergleicht Hillary Clinton mit Hund

Auf einer Wahlkampfveranstaltung erlaubte sich der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump einen Witz auf Kosten seiner Konkurrentin Hillary Clinton von den Demokraten. Während seiner Rede verglich er die ehemalige First Lady mit einem Hund. Mehr

19.01.2016, 17:49 Uhr | Politik
Abkommen unterzeichnet China bleibt bei Freihandelszone TPP außen vor

Rund um den Pazifik soll die größte Freihandelszone der Welt entstehen. Zur Transpazifischen Partnerschaft - kurz: TPP - gehören die Vereinigten Staaten und Japan sowie zehn weitere Länder, nicht aber China. Mehr Von Christoph Hein, Canberra

04.02.2016, 15:29 Uhr | Wirtschaft
Südkorea in Alarmbereitschaft Nordkorea will Satelliten ins All schießen

Nordkorea betonte, das Land habe das souveräne Recht, ein eigenes Weltraumprogramm zu verfolgen. Amerika und andere Regierungen vermuten, dass es sich bei solchen Vorhaben um verdeckte Raketentests handelt Mehr

05.02.2016, 12:22 Uhr | Politik
Freihandelsabkommen TTIP Die erstaunliche Leere im TTIP-Leseraum

Das Freihandelsabkommen zwischen USA und EU sorgt für europaweite Proteste. Schuld daran ist auch mangelnde Transparenz: Die Verhandlungstexte sind für die Öffentlichkeit geheim. Aber in der Politik scheint sich niemand dafür zu interessieren. Mehr Von Constanze Kurz

27.01.2016, 15:18 Uhr | Feuilleton

Deutsche Bank im Sturz

Von Holger Steltzner

Um das Ausmaß der Wertvernichtung der Deutschen Bank zu begreifen, muss man weit zurückgehen - bis in die achtziger Jahre. Die Boni-Banker haben sehr viel Geld verjubelt. Mehr 32 87


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“