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Frauen in der katholischen Kirche Die Päpstin

Die katholische Kirche will Frauen stärker fördern. Das klingt wie ein Scherz. Wäre das Karriereprogramm für Frauen mehr als eine PR-Aktion in schwierigen Zeiten, müsste die Kirche zwischen Macht und Weiheamt rigoros unterscheiden.

Vergangene Woche hat uns Lencke Wischhusen in der F.A.S.-Redaktion besucht. Die Dame ist Unternehmerin, 27 Jahre alt und seit vergangenem Herbst Bundesvorsitzende des Verbandes Junger Unternehmer. Wischhusen hat erzählt, wie sie zu ihrem Amt gekommen ist: Eigentlich hatten die Verbandsleute, wie das so üblich ist, längst einen Mann als neuen Chef ausgekungelt. Doch Wischhusen meldete ihren Anspruch an, netzwerkte ordentlich drauflos und obsiegte in einer Kampfkandidatur nach einer brillanten Bewerbungsrede. Dass eine attraktive Jungunternehmerin dem lobbyistischen Unternehmerinteresse in Fernseh-Talkshows nicht abträglich ist, hat sie dabei offensiv - zusätzlich! - ausgespielt.

So also kommen in der „freien Wirtschaft“ Frauen nach oben. Und wie geht das in der katholischen Kirche? Man höre und staune: Dort sollen künftig Frauen noch viel massenhafter Karriere machen als in der Wirtschaft. Das haben die katholischen Bischöfe Deutschlands dieser Tage allen Ernstes angekündigt. Es zeige sich, dass die Förderung von Frauen positive Folgen für das Leben und den Dienst in der Kirche haben werde, so der Vorsitzende Erzbischof Robert Zollitsch. Donnerwetter, denken wir, und können uns den albernen (und in der freitäglichen „heute-show“ hübsch inszenierten) Einfall nicht verkneifen, dass in Rom kommende Woche eine Stelle frei wird, wo eine couragierte Frau einmal die Wischhusen-Nummer ausprobieren könnte.

Tatsächlich, das wird gerne übersehen, ist die katholische Kirche mit 650.000 hauptamtlich Beschäftigten der größte Konzern in Deutschland, deutlich vor Post, Bahn oder Siemens. Höchste Zeit also, gendermäßig nachzuziehen, denken sich die Bischöfe und verkünden stolz, jetzt schon gebe es auf der oberen Leitungsebene der Kirche 13 Prozent Frauen. Moment, haben wir da etwas übersehen? Unter den geistlichen Bischofsherren, die da in Trier vor der Presse ihre neue Frauenfreundlichkeit zu Protokoll gaben, scheint man die 13 Prozent jedenfalls bislang vergessen zu haben. Auch die Caritas, mit 500.000 Beschäftigten die größte Firma unterhalb der bischöflichen Holding, hat einen Priester an der Spitze, und in den Pfarreien in Stadt und Land spenden die Priester nicht nur die Sakramente, sondern sie sitzen dort auch an den Schalthebeln der Macht. Gewiss, es gibt kirchliche Krankenhäuser, die von Frauen geleitet werden, doch die Vorgaben kommen auch dort von den Männern, was nicht zuletzt der Kölner Skandal der verweigerten „Pille danach“ zeigte.

Zwar geben die Bischöfe zu, dass Frauen auf unabsehbare Zeit keinen Zugang zum Weiheamt (etwa als Priester oder Bischöfe) bekommen werden, sie verschweigen aber, dass nach wie vor, wenn es wichtig wird, Weiheamt und Leitungsamt zusammenfallen, einfacher gesagt, die Kirchenmänner die Macht nicht abgeben wollen. „Als Frau kommst du in diesem Junggesellenverein nur mit dem Staubsauger nach oben“, spottet die Theologin Uta Ranke-Heinemann.

Wäre das Karriereprogramm für Frauen mehr als eine PR-Aktion in schwierigen Zeiten, müsste die Kirche zwischen Macht und Weiheamt rigoros unterscheiden: Dann könnte zum Beispiel eine Frau als CEO ein Bistum leiten, die ihrerseits geweihte Männer einstellt, die den Gläubigen Sakramente spenden.

Es mag ja gute theologische Gründe geben, die gegen einen solchen Konzernumbau sprechen. Dann sollen die Herren das aber auch sagen - ansonsten machen sie jungen Frauen falsche Karriereversprechungen, was unaufrichtig und unverantwortlich zugleich ist. Die nackte Realität kommt unbewusst an den Tag, sieht man sich die Begrüßungsformel an, mit der in der vergangenen Woche von einer Nonne das Karriereprogramm dem Kirchenvorstand präsentiert wurde: „Eminenzen, Exzellenzen, sehr verehrte, liebe Bischöfe, meine Damen und Herren“.

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Quelle: F.A.S.

 
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