18.02.2002 · Frauen in Führungspositionen sind rar, besonders in Deutschland. Im europäischen Vergleich landen sie immer noch auf den hinteren Rängen.
Nach der Eroberung der Männerdomäne Bundeswehr steht Frauen in Deutschland nun die ganze Palette beruflicher Tätigkeiten offen, die für ihre Kollegen schon lange gilt - so könnte man zumindest meinen. Trotz gesetzlicher Gleichstellung sind dem Berufs- und Karrierestreben von Frauen jedoch weiterhin Grenzen gesetzt: In Deutschlands Führungsetagen ist immer noch Männlichkeit angesagt: Nur rund acht Prozent aller Stellen im Top-Management deutscher Unternehmen sind von Frauen besetzt.
Auch ein Blick in die täglichen Wirtschaftsnachrichten zeigt, dass sich bei den Top-Positionen weiterhin keine Angleichung des Missverhältnisses zwischen Frauen und Männern abzeichnet. Frauen tauchen in den Wirtschaftsschlagzeilen nur selten auf, und wenn, dann stehen sie meist an der Spitze eines weltbekannten Unternehmens amerikanischer Provenienz.
Amerikanerinnen führen
So verzeichnet auch die Liste der 50 mächtigsten Frauen in unternehmerischen Führungspositionen, die das Wirtschaftsmagazin Fortune für die Vereinigten Staaten herausgibt, viele Spitzenunternehmen, die von Frauen geleitet werden. Hewlett Packard mit Carly Fiorina und Ebay mit Meg Whitman sind nur einige der bekannten Namen. Eine solche Liste für Deutschland zu erstellen, würde schwieriger sein - zumindest aber wären die Namen der Unternehmen meist weniger klangvoll.
In der internationalen Top-50-Liste, die Fortune für die übrigen Länder außerhalb der USA erstellt, fallen nur zwei deutsche Namen auf. Barbara Kux, gebürtige Schweizerin, ist Executive Director für Ford Europe mit Sitz in Köln und rangiert auf Platz 14. Britta Steilmann, Vorsitzende der aus einem Familienunternehmen entstandenen Steilmann-Gruppe aus Bochum, ist immerhin auf Rang 40 gelandet. Die Suche nach weiblichen Vorständen deutscher Dax-30-Unternehmen bleibt jedoch erfolglos.
Im europäischen Vergleich ist der Anteil von 27 Prozent von deutschen Frauen in Führungspositionen unterdurchschnittlich, und das, obwohl die Geburtenrate in Deutschland mit nur 1,4 Kindern pro Frau die geringste in Europa ist. Dagegen haben Länder wie Frankreich mit einer höheren Geburtenrate auch einen hohen Führungskräfteanteil von rund 35 Prozent. Die Entweder-Oder-Entscheidung zwischen Kind und Karriere scheint sich den französischen Frauen weniger stark zu stellen.
Deutsche Frauen leben nach Zickzackmuster
Entsprechend unterschiedliche Muster zeigen auch die Erwerbslaufbahnen von Frauen über das ganze Leben: In Deutschland verläuft die Kurve in Zickzackform: zunächst ansteigend, mit der Geburt des ersten Kindes steil abfallend, und mit zunehmendem Alter des Kindes wiederum ansteigend. In den USA, Frankreich und Skandinavien steigt dagegen die Erwerbsquote der Frauen kontinuierlich an, ohne den Knick der kinderintensiven Jahre.
Ob dies nur an unterschiedlichen Mentalitäten liegt, kann bezweifelt werden: Voraussetzung für eine durchgehende Erwerbstätigkeit und damit auch die Erhöhung der Karrierechancen ist eine familienfreundliche Infrastruktur, wie sie in Deutschland eben nicht zu finden ist. Aber vielleicht lassen sich die Deutschen ja inspirieren: Die am 25. und 26. Februar zum ersten Mal veranstaltete internationale World Women Work-Konferenz in Berlin lässt nämlich Expertinnen und Experten zum Thema diskutieren. Innovative Konzepte aus Staaten und Unternehmen werden vorgestellt - und stoßen hoffentlich auf offene Ohren.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.589,30 | +1,08% |
| EUR/USD | 1,2505 | −0,29% |
| Rohöl Brent Crude | 106,70 $ | −0,52% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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