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Veröffentlicht: 12.11.2011, 09:42 Uhr

Frankreichs irrtümliche Herabstufung Standard & Poor’s: Es war ein Computerfehler

Frankreich verliert seine Bonitätsnote AAA und wird von Standard & Poors herabgestuft. Ein Irrtum, wie sich herausstellte. Nun erklärt die Ratingagentur, wie es zu diesem Fehler kommen konnte.

© dapd Die Ratingagentur Standard & Poor’s droht fünfzehn Staaten der Eurozone Herabstufungen der Kreditwürdigkeit an.

Die irrtümliche Herabstufung der Kreditwürdigkeit Frankreichs durch Standard & Poor’s ist nach Angaben der Ratingagentur auf einen technischen Fehler ohne jeden Bezug zur Bonität des Landes zurückzuführen. In dem System für die Bewertung von Risiken in nationalen Bankensektoren sei der Status für Frankreich einige Zeit nicht verfügbar gewesen, teilte die Agentur am Freitag mit. „Das System hat die Veränderung fälschlicherweise als Herabstufung gewertet und automatisch eine Email an eine begrenzte Zahl an Kunden geschickt“, hieß es in einer Mitteilung von Standard & Poor’s.

Genau hing das Problem mit einem Angebot des Unternehmens zur Bewertung der Risiken in den Bankensektoren einzelner Länder (BICRA) zusammen. Demnach wurden die Angaben zum französischen Bankensektor im Dezember 2010 zu Testzwecken auf die Hauptseite von Standard & Poor’s geschaltet, die BICRA-Bewertungen anderer Staaten wurden dann aber nicht auf dieses Portal gestellt.

Frankreichs Finanzminister François Baroin © AFP Vergrößern Auch Frankreichs Finanzminister François Baroin forderte eine Untersuchung der Vorgänge

Als am Donnerstag eine neue BICRA-Bewertung veröffentlicht wurde, wurde für Frankreich automatisch „nicht verfügbar“ angegeben. Das System interpretierte dies irrtümlich als Herabstufung der Kreditwürdigkeit des Landes, woraufhin eine entsprechende Nachricht an einige Abonnenten geschickt wurde. Es seien „umgehend“ Schritte eingeleitet worden, damit sich ein solcher Fehler nicht noch einmal ereignen könne, erklärte Standard & Poor’s. Die Agentur arbeite zudem mit den Behörden zusammen, die den Vorfall untersuchten.

Die Falschmeldung, dass Frankreich die Bestnote „AAA“ verliert, hatte in Frankreich für Empörung gesorgt. Finanzminister François Baroin forderte die Aufsichtsbehörde für die europäischen Finanzmärkte zu einer Untersuchung auf.

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EU-Kommissar Michel Barnier sprach von einem „schwerwiegenden Vorfall“ und drohte mit Sanktionen. „Es ist nun Sache der europäischen Wertpapieraufsicht ESMA, gemeinsam mit der nationalen Aufsichtsbehörde AMF die Fakten zu prüfen und Schlussfolgerungen zu ziehen“, sagte er in Brüssel. Die Panne belege nach Barniers Worten die Notwendigkeit, Ratingagenturen schärfer zu kontrollieren. „All dies stärkt meine Überzeugung, dass Europa striktere und schärfere Regeln braucht.“

EU-Kommissar Michel Barnier © AFP Vergrößern EU-Kommissar Michel Barnier sprach von einem „schwerwiegenden Vorfall“ und drohte mit Sanktionen

Am Dienstag (15. November) wird der Binnenmarktkommissar neue Vorgaben präsentieren. Sie sehen unter anderem vor, Ratingagenturen vorübergehend die Veröffentlichung der Benotung von Euro-Krisenstaaten zu verbieten, der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) eine Kontrolle über die Ratingmethoden zu geben und Auftraggeber zu verpflichten, alle drei Jahre die Ratingagentur zu wechseln. Für fehlerhafte Benotungen sollen Ratingagenturen künftig haften.

Frankreichs Finanzminister François Baroin forderte eine Untersuchung der Vorgänge. Die französische Finanzmarktaufsicht AMF leitete Ermittlungen ein und nahm Kontakt zur ESMA auf.

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