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Frankreich Politiker reden bei Übernahmen mit

28.06.2007 ·  Frankreich macht immer wieder Schlagzeilen durch unverhohlenen Protektionismus. Doch ein differenzierter Blick zeigt, dass die meisten von Politikern lancierten Schutzaktionen den großen Unternehmen gelten. In den Ebenen darunter gehen viele Firmen unbemerkt in ausländische Hände über.

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Die zweite Kammer des französischen Parlaments, der Senat, befürchtet, dass Frankreich „die Schlacht um die Entscheidungszentren“ verliert. Die Unternehmen bauten Forschung und Entwicklung sowie andere „produktive Aktivitäten“ eher dort aus, wo die Entscheidungsträger säßen. Dies sei immer häufiger im Ausland, berichtete jetzt eine Senats-Kommission unter Vorsitz des Abgeordneten Philippe Marini von der Regierungspartei UMP. 29 Vorschläge sollen gegensteuern. Frankreich macht immer wieder Schlagzeilen durch unverhohlenen Protektionismus.

Doch ein differenzierter Blick zeigt, dass die meisten von Politikern lancierten Schutzaktionen den Aushängeschildern der Unternehmen im Börsenindex CAC-40 gelten. In den Ebenen darunter gehen viele Unternehmen unbemerkt in ausländische Hände über. Nach Angaben des Statistikamtes Insee arbeitet einer von sieben Beschäftigten in Frankreich in einem ausländischen Unternehmen – mehr als in Deutschland, Großbritannien und den Vereinigten Staaten. Frankreich nutzt auch nicht alle Schutzklauseln der EU-Übernahmerichtlinie. Die Globalisierung wird in Frankreich stärker als Bedrohung empfunden als in vielen anderen Ländern. Daher baut das Land neue Wälle auf.

Schutz von elf „sensiblen“ Branchen

2006 hat die Regierung ein Dekret zum Schutz von elf „sensiblen“ Branchen erlassen – von Rüstungsfirmen über Hersteller von Abhörgeräten, Giftstoffen, Krankheitserregern und Verschlüsselungstechnologie bis zu privaten Sicherheitsfirmen und Kasinos. Wollen ausländische Investoren mehr als ein Drittel der Anteile kaufen, brauchen sie die Genehmigung des Finanzministeriums, wobei europäische Investoren in vier Branchen keine Sondererlaubnis benötigen. Die EU-Kommission prüft noch die Zulässigkeit dieser Regeln, im Sommer soll das Ergebnis bekannt werden.

Französischer Widerstand basiert häufig auf politischen Drohgebärden, die abschrecken sollen. Im Sommer 2005 erklärten Regierungspolitiker selbst die Nahrungsmittelindustrie zum schutzwürdigen nationalen Gut, denn der amerikanische Konzern PepsiCo zeigte scheinbar Interesse an Danone. Zuvor hatten die Politiker den Erhalt der Pharmaindustrie unter französischer Flagge für unverzichtbar erklärt. Der französische Hersteller Sanofi griff damals nach Aventis. Aventis hoffte auf eine Gegenofferte von Novartis aus der Schweiz. Abgeschreckt vom politischen Getöse gaben die Schweizer kein Angebot ab – so wie auch PepsiCo. Daher wurde aus dem deutsch-französischen Aventis-Konzern nach der Übernahme von Sanofi ein rein französischer Konzern.

Politiker als industrielle Bastler

Französische Politiker sehen sich gerne als industrielle Bastler, um Ausländer fern zu halten. Staatspräsident Nicolas Sarkozy, der bei Sanofi-Aventis mitmischte und den Alstom-Konzern durch eine staatliche Kapitalerhöhung vor Siemens „rettete“, dürfte diese Tradition fortsetzen. Die einzige ausländische Übernahme eines großen französischen Konzerns ist bis heute der Kauf des Aluminium-Produzenten Pechiney durch den Kanadier Alcan geblieben. Für viele Franzosen ist die Transaktion ein abschreckendes Beispiel, auch wenn die Kanadier in Pechiney investierten und zumindest einen Teil der Entscheidungszentren in Frankreich ließen.

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