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Frankreich Breton im langen Schatten der Vergangenheit

29.06.2005 ·  Falsche Bilanzen, falsche Börseninformationen, verschleierte Insidergeschäfte: Seine Rolle als ehemaliges Aufsichtsratsmitglied beim Chemiekonzern Rhodia bringt den französischen Wirtschaftsminister in Bedrängnis.

Von Christian Schubert
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Der französische Wirtschafts- und Finanzminister Thierry Breton ist unversehens in schweres Fahrwasser geraten. Seine Vergangenheit als Leiter und Aufseher französischer Großunternehmen hat ihn eingeholt, denn es sind Zweifel aufgekommen, ob er alle seine früheren Aufgaben gewissenhaft erfüllt hat.

Sie beziehen sich vor allem auf seine Rolle als ehemaliges Aufsichtsratsmitglied beim französischen Chemiekonzern Rhodia. Zwei Ermittlungsrichter haben in dieser Woche in einem höchst ungewöhnlichen Akt die Büros des Finanzministeriums durchsucht, während sich Breton in New York aufhielt, und wenig später auch sein Privathaus nicht verschont. Bei den früheren Managern der ehemaligen Rhodia-Muttergesellschaft Rhone-Poulenc Jean-René Fourtou, Igor Landau und Philippe Langlois sowie am Rhodia-Sitz bei Paris wurden die Richter ebenso vorstellig.

Unangenehm für Breton ist auch, daß sie in diesem Zuge zusätzlich den Sitz von Canal Plus durchsuchen ließen. Hierbei geht es um einen Verkauf einer Tochtergesellschaft an den Thomson-Konzern, den Breton einst führte. Thomson übernahm die Gesellschaft Canal Plus Technologie sehr günstig, um sie wenige Monate später mit einem deutlichen Aufschlag weiterzuverkaufen.

Mit zwei Klagen fing es an

Die Affäre bei Rhodia zieht bisher indes den Großteil der Aufmerksamkeit auf sich. Sie nahm mit Klagen von zwei Rhodia-Minderheitsaktionären ihren Anfang: Hughes de Lasteyrie und der in diesem Jahr ermordete Bankier Edouard Stern. Sie beschuldigten die führenden Managern des Unternehmens, das vor wenigen Jahren nur knapp dem Bankrott entging, der Vorlage von inkorrekten Bilanzen, der Verbreitung von falschen Informationen an der Börse sowie der Insidergeschäfte und ihrer Verschleierung. Im Rhodia-Konzern hatte Rhone-Poulenc Ende der neunziger Jahre alle Aktivitäten gebündelt, die man nicht mehr haben wollte, um sich alleine auf das Pharmageschäft zu konzentrieren und bald darauf mit Hoechst zu Aventis zu verschmelzen.

Rhodia hatte unter anderem zwei zweifelhafte Gesellschaften gekauft, den Phosphate-Anbieter Albright & Wilson sowie das Pharmaunternehmen Chirex. Schon bald nach der Übernahme von Albright & Wilson stellte sich heraus, daß die wirtschaftlichen Aussichten der neuen Tochtergesellschaft deutlich schlechter waren als zuvor gegenüber der Öffentlichkeit beschrieben. Nach französischen Presseberichten hat ein Generaldirektor von Rhodia den Aufsichtsrat mehrfach über die schlechte Lage informiert; so werde die Übernahme den Gewinn je Aktie verwässern, während man nach außen das Gegenteil behauptet hatte. Doch der Aufsichtsrat habe darauf gedrängt, an dem positiven Erscheinungsbild festzuhalten. Auch daß das Betriebsergebnis von Chirex negativ wurde, statt positiv wie ursprünglich in Aussicht gestellt, ließ sich das Unternehmen nicht anmerken.

Kein Widerspruch, keine Nachfragen

Breton leitete als Aufsichtsratsmiglied zwischen 1998 und 2002 das Komitee für das Rechnungswesen. Gerade ihm hätte daher nichts Wesentliches entgehen dürfen. Doch die Protokolle der Aufsichtsratssitzungen weisen weder Widerspruch noch kritische Nachfragen auf. Im Gegenteil wird Breton mit der Aufforderung zitiert, „daß man zeigen muß, welche Wachstumsperspektiven Rhodia hat“.

Auch am Mittwoch morgen beharrte der Minister im französischen Rundfunk auf seiner Unschuld. „Als ich dort war, wurde mir im Aufsichtsrat nichts vorgelegt, was sich an meinem ethischen Verständnis, meiner Strenge oder meiner beruflichen Pflicht stieß“, sagte er. Die Börsenaufsicht AMF hat in einer Untersuchung freilich auch gerügt, daß die Rhodia-Bilanzen zwischen 2000 und 2003 nicht die wahre Vermögenslage wiedergegeben hätten. Unter undurchsichtigen Umständen fehlte die schwere Kritik aber in dem im März veröffentlichten Endbericht. Kritiker mutmaßen, daß man bewußt den frisch zum Minister ernannten Breton schonen wollte. Schließlich stehen er so wie der AMF-Chef Michel Prada Staatspräsident Chirac nahe, bemerkte die französische Presse.

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Jahrgang 1964, Wirtschaftskorrespondent in Paris.

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