01.07.2009 · Auch in guten Jahren hat die Frankfurter Herbstmesse stetig an Zuspruch verloren. Jetzt, in der Krise, beschleunigt sich der Niedergang der traditionsreichen Veranstaltung. Auch die Verlegung von Ende August auf Anfang Juli hat nicht geholfen.
Von Manfred KöhlerBis ins 13. Jahrhundert reicht die Geschichte der Herbstmesse zurück – sie ist die älteste der Frankfurter Messen überhaupt. Und ausgerechnet diese Schau erlebt nun ihre spezielle Krise in der Krise. Nur noch 2081 Unternehmen haben sich zu der am Freitag beginnenden Veranstaltung angemeldet – vor einem Jahr waren es noch 2879 gewesen. Damit hat die weltweite Rezession einen Abwärtstrend beschleunigt, der schon vor Jahren einsetzte. Kaum noch vorstellbar, dass sich Anfang des Jahrzehnts mehr als doppelt so viele Unternehmer entschieden hatten, ihre neue Ware während der Herbstmesse in Frankfurt zu präsentieren (siehe Grafik).
Michael Peters, der für Konsumgütermessen zuständige Geschäftsführer der Messe Frankfurt GmbH, nannte mehrere Gründe für das Ausbleiben der Unternehmen. Der wichtigste: Den meisten reicht es anders als in früheren Jahren, einmal im Jahr nach Frankfurt zu kommen. Die Porzellanhersteller etwa haben sich nach und nach nahezu vollständig von der Herbstmesse abgewandt, sie zeigen Neuheiten nur noch während der Frühjahrsmesse im Februar. Tatsächlich leidet diese Schau, die als „Ambiente“ firmiert, weitaus weniger unter der Rezession als die „Tendence“, das ist seit einigen Jahren der zeitgeistige Name für die Herbstmesse.
Andauernde Krise der Konsumgüterindustrie
Zur diesjährigen Frühjahrsmesse waren zwar auch 114 Unternehmen weniger gekommen als im vergangenen Jahr. Doch ist das kein Vergleich zum Minus von 788 bei der Herbstmesse. Und sowieso fiel selbst die geschrumpfte Frühjahrsmesse mit immer noch 4466 Aussteller mehr als doppelt so groß aus. So leidet die Messe Frankfurt in diesem hauseigenen Wettbewerb unter einer Entwicklung, von der sie sonst eher profitiert – der Konzentration der Branche auf die jeweilige Leitmesse.
Weiter nannte Peters die seit Jahren andauernde Krise der Konsumgüterindustrie als Grund für das Ausbleiben von Ausstellern. Bekanntlich waren jedenfalls in Deutschland die Umsätze im Einzelhandel auch in den guten Jahren bis 2008 nicht gestiegen. Schließlich, so der Messegeschäftsführer, seien manche Aussteller früherer Jahre schlicht nicht mehr am Markt. Er tröstete sich damit, dass trotz der Rezession 317 Unternehmen erstmals vertreten sind.
„Design Annual“ ausgesetzt
Stillschweigend ausgesetzt wurde die Messe „Design Annual“, die 2006 mit großen Hoffnungen gestartet war. Die kleine Schau in der Festhalle sollte designorientierte Produkte herausstellen, das Design der Messestände selbst war aufwendig, und anders als die Herbstmesse durfte sie nicht nur vom Fachpublikum, sondern von jedermann besucht werden. Schon 2008 war die ambitionierte Schau, mit der sich Frankfurt auch in den Möbelmarkt vorwagte, nur noch ein Anhängsel der Herbstmesse, dieses Jahr ist sie gar nicht mehr vorgesehen. 2010 werde neu überlegt, hieß es vage.
An der Vorverlegung der Herbstmesse von Ende August auf Anfang Juli soll festgehalten werden. 2009 findet die „Tendence“ zum zweiten Mal so früh statt, womit die Messe dem geänderten Orderverhalten des Einzelhandels Rechnung tragen will – das Weihnachtsgeschäft beginnt eben immer früher. Mitten in der Herbstmesse findet sich auch weiterhin eine Schau mit Frühjahrs- und Sommerartikeln, die sich an die besonders weit vorausplanenden Kaufhäuser richtet.
42 Nachwuchsdesigner präsentieren sich
Peters zeigte sich wenigstens damit zufrieden, dass die ausbleibenden Unternehmen nicht auf anderen Messen auftauchten – der Wettbewerb der Standorte ist härter, als man glauben mag. Besonders stark ist der Rückgang der Aussteller aus den Vereinigten Staaten. Hatten sich 2008 noch 22 Unternehmen präsentiert, so sind es in diesem Jahr gerade noch fünf. Aus Thailand kommen 36 nach 100 im vergangenen Jahr, aus Taiwan 63 von 112, während China mit 286 Unternehmen vertreten ist nach 299 2008. Allerdings hatte es im Frühjahr anders als sonst nicht gleichzeitig mit der „Ambiente“ die Schau „Asian Living“ in Offenbach speziell für chinesische Aussteller in diesem Jahr nicht gegeben.
Platz ist also genug auf der „Tendence“, und so werden sich auch dort mitten in der Krise einige Inseln des Aufbruchs finden: Unentgeltlich dürfen sich 42 hoffnungsfrohe Nachwuchsdesigner von Schmuck und Wohnaccessoires präsentieren, und drei von ihnen kommen sogar aus Rhein-Main.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3195 | −0,67% |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |