Home
http://www.faz.net/-gqe-6y1kj
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Frankfurter Flughafen Gericht verbietet Fluglotsenstreik

Flugreisende können aufatmen. Ein Gericht stoppt den für diesen Mittwoch angekündigten Fluglotsenstreik am Frankfurter Flughafen. Trotzdem mussten am Morgen 235 Flüge wegen des Streiks der Vorfeldmitarbeiter gestrichen werden, bei 40 Maschinen kam es zu Verspätungen.

© dpa Vergrößern Das Arbeitsgericht Frankfurt hat den Lotsenstreik am Frankfurter Flughafen gestoppt.

Das ganz große Chaos am Frankfurter Flughafen bleibt den Passagieren an diesem Mittwoch erspart. Doch wegen des Streiks der 200 Vorfeldmitarbeiter mussten am Morgen 235 Flüge gestrichen werden, bei 40 Maschinen kam es zu Verspätungen. Insgesamt waren für den Mittwoch 1260 Verbindungen geplant. „Bei den Verspätungen handelt es sich um Langstreckenflüge, die wegen des befürchteten Streiks der Fluglotsen an ihren Ausgangsflughäfen später gestartet sind“, sagte ein Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport am Morgen.

Der befürchtete Unterstützungsstreik der Towerlotsen war am Dienstagabend in letzter Sekunde vom Arbeitsgericht Frankfurt gekippt worden. Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) hatte nahezu den gesamten Flugverkehr auf dem größten deutschen Drehkreuz für sechs Stunden lahmlegen wollen.

Richter Matthias Kreutzberg-Kowalczyk rügte die Unverhältnismäßigkeit des angedrohten Streiks, der zu einem Stillstand des Flughafens geführt hätte. Er erließ auf Antrag des Flughafenbetreibers Fraport, der Lufthansa und der Deutschen Flugsicherung (DFS) eine Einstweilige Verfügung gegen die Gewerkschaft und drohte ein Zwangsgeld von 250.000 Euro an.

Trotzdem drohen Flugausfälle

Obwohl der Streik abgesagt wurde, droht an diesem Mittwoch auf dem größten deutschen Flughafen eine Vielzahl von Flugausfällen. „Zahlreiche Interkontinentalverbindungen sind längst abgesagt worden“, sagte der DFS-Arbeitsdirektor Jens Bergmann. Die Flugsicherung hatte am Tag internationale Warnungen herausgegeben, dass Frankfurt am Mittwochmorgen bestreikt werden könne. Er sei aber froh, dass das Gericht in der Sache entschieden habe, sagte Bergmann.

Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) hatte die Lotsen für diesen Mittwoch zu einem sechsstündigen Unterstützungsstreik für die seit knapp zwei Wochen streikenden Vorfeldmannschaften am Frankfurter Flughafen aufgerufen. Die Lotsen sind Beschäftigte der bundeseigenen Deutschen Flugsicherung GmbH in Langen bei Frankfurt, während die Vorfeldmannschaften beim Flughafenbetreiber Fraport beschäftigt sind. Sie waren bislang trotz mehr als 1500 Flugausfällen mit ihren Forderungen nach mehr Gehalt und besseren Arbeitsbedingungen nicht durchgedrungen.

Streik am Flughafen Frankfurt © dpa Vergrößern Um die Schlagkraft des Streiks zu erhöhen, erwägt die GdF, weitere Mitarbeiter aus dem bundeseigenen Unternehmen DFS einzubinden

Der Streik auf dem Vorfeld sollte nach der juristischen Schlappe weitergeführt werden, kündigte GdF-Sprecher Matthias Maas. Die GdF kündigte an, in die Berufung zu gehen. Ein Termin stand aber noch nicht fest. Falls man in der zweiten Instanz Recht bekomme, könne man den Unterstützungsstreik gleich an einem der nächsten Tage starten, sagte Maas.

Nach zunächst zwei Streikwellen waren die Tarifgespräche zwischen Fraport und der GdF über die Vorfeldbeschäftigten am vergangenen Freitag gescheitert. Der Vorfeldstreik ist zunächst bis Donnerstagfrüh befristet.

Ramsauer lehnt Vermittlerrolle ab

Lufthansa hat hohe Schäden in Folge der Streiks beklagt. Personalvorstand Stefan Lauer sprach am Dienstag von einer neuen Dimension, die das Unternehmen nicht hinnehmen werde. „Wir sind in dieser Auseinandersetzung mit großer Klarheit der Hauptgeschädigte“, sagte Lauer. Passagiere machten im Moment einen regelrechten Bogen um Europas größte Airline.

Die Fluglotsen wollen am Mittwoch von 5 bis 11 Uhr streiken © dapd Vergrößern Die Fluglotsen wollten eigentlich am Mittwoch von 5 bis 11 Uhr streiken.

Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) hatte vom Bund verlangt, den Lotsen den Streik zu untersagen. Sie seien Mitarbeiter des Bundesunternehmens DFS und übten hoheitliche Funktionen aus. „Deshalb sprengt ihre Beteiligung am Arbeitskampf der 200 Vorfeldarbeiter jeden Rahmen“, erklärte BDL-Präsident Klaus-Peter Siegloch in Berlin. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) lehnte eine direkte Weisung an die DFS-Lotsen ab. Als Minister könne er keinen Einfluss auf laufende Tarifauseinandersetzungen nehmen.

In Berlin mussten sich die Passagiere wegen eines anderen Streiks auf Flugausfälle einrichten. In Tegel und Schönefeld will die Gewerkschaft Verdi kurzfristig zu spontanen Arbeitsniederlegungen aufrufen. Hintergrund ist hier ein Tarifkonflikt in der Passagier- und Gepäckabfertigung. Abermals fielen am Dienstag in Frankfurt rund 200 Flüge aus, etwa 80 Prozent des geplanten Verkehrs fand statt.

Artikel.Text Video starten $fazgets_pct
© dpa, reuters Vergrößern Frankfurt: Klage gegen Fluglotsenstreik

Der Flughafenbetreiber und die Fluggesellschaft hatten zuvor beim Arbeitsgericht in Frankfurt mehrere einstweilige Verfügungen beantragt. Die Anträge richteten sich sowohl gegen den „Solidaritätsstreik“ von zwölf Fluglotsen wie auch gegen das Vorhaben der Gewerkschaft für Flugsicherung (GdF), den Arbeitskampf der 200 Flugfeld-Kontrolleure bis zum kommenden Donnerstag auszuweiten. Die beiden Vorgänge werden vor dem Arbeitsgericht separat behandelt. Die Gewerkschaft hatte am Abend angeboten, den Streik auszusetzen, sollte sich Fraport zu voraussetzungslosen Verhandlungen bereitfinde. Doch die Fraport lehnte den Vorschlag ab.

Am Mittwoch wird vor Gericht verhandelt

An diesem Mittwoch soll dann über die Ausweitung des Arbeitskampfs der 200 Flugfeld-Kontrolleure bis zum kommenden Donnerstag verhandelt werden. Fraport und Lufthansa begründeten ihren Vorstoß mit der Unverhältnismäßigkeit der Streikaktionen. Durch die Hinzunahme von zwölf Fluglotsen, die in der GdF organisiert und bei der bundeseigenen Deutschen Flugsicherung (DFS) beschäftigt sind, würden sich die Folgen der Arbeitskämpfe für die Passagiere des größten deutschen Drehkreuzes verschärfen.

Wurden am Dienstag in Frankfurt nur etwa 170 der 1200 geplanten Flüge gestrichen, hätten es nach Streikbeitritt der DFS-Fluglotsen bis zu 400 Verbindungen am Tag sein können.

Mehr zum Thema

Quelle: FAZ.NET

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Tarifkonflikt Lufthansa-Piloten fliegen wieder

Nach dem Ende des Pilotenstreiks ist der Betrieb der Lufthansa um Mitternacht wieder angelaufen. Laut dem Unternehmen kommt es aber auch am Mittwoch noch zu Flugausfällen. Mehr

22.10.2014, 05:00 Uhr | Wirtschaft
Pilotenstreik Zwei von drei Flügen annuliert

Nach den Lokführern streiken jetzt die Piloten. In Frankfurt hat die Lufthansa fast alle Flüge gestrichen. Nur in München sieht es etwas besser aus. Kanzlerin Merkel will konkurrierende Gewerkschaften notfalls per Gesetz zur Tarifeinheit zwingen. Mehr

20.10.2014, 15:49 Uhr | Wirtschaft
Vermutlich Landeklappen Wieder Flugzeugteile im Frankfurter Stadtwald gefunden

Zweiter Fund: Im Frankfurter Stadtwald haben Fluglärmgegner am Donnerstag abermals Flugzeugteile gefunden. Jetzt beginnt die Untersuchung danach, von welchem Flugzeug sie stammen. Mehr Von Jochen Remmert, Frankfurt

17.10.2014, 18:20 Uhr | Rhein-Main
Streik der Vereinigung Cockpit Lufthansa bestreikt jetzt auch Langstreckenflüge

Der Pilotenstreik bei der Lufthansa hat zu erheblichen Einschränkungen im Luftverkehr geführt, vor allem am Hauptdrehkreuz Frankfurt starten am heutigen Dienstag erheblich weniger Flieger. Rund 166.000 Passagiere sind vom Ausfall der Flüge betroffen. Mehr

22.10.2014, 14:42 Uhr | Wirtschaft
Piloten und Lokführer Dobrindt warnt vor Dauerblockade durch Streiks

Die ständigen Streiks von Lokführern und Piloten brüskieren auch die Politik. Verkehrsminister Dobrindt zweifelt, ob das alles noch verhältnismäßig ist. Die Lufthansa-Piloten haben derweil ihren Streik auf Langstreckenflüge ausgeweitet und drohen noch mehr an. Mehr

21.10.2014, 09:02 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 29.02.2012, 07:51 Uhr

Geld rettet Japan nicht

Von Carsten Germis

Die japanische Zentralbank überrascht die Märkte mit einer noch weiteren Öffnung der geldpolitischen Schleusen. Doch das rettet das Land nicht. Mehr 5 11

Umfrage

Sparen Sie angesichts der niedrigen Zinsen noch?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Deutschland sticht in See

Das „Traumschiff“ steuert in die Insolvenz: Es erwirtschaftet schlicht zu wenig Geld – obwohl das Interesse an Kreuzfahrten so groß ist wie nie zuvor, wie unsere Grafik des Tages zeigt. Mehr

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden