02.01.2006 · Zuerst hat sich Frank St. geschämt. Dann ist er doch mitgekommen. Die Kinder haben ihn dorthin geschleppt, wo Kinder aus armen Familien eine warme Mahlzeit essen können. Jetzt ist er dort Hausmeister.
Zuerst hat sich Frank St. geschämt. Dann ist er doch mal mitgekommen in die "Arche" im Berliner Bezirk Hellersdorf-Marzahn. Die Kinder haben ihn dorthin geschleppt, wo Kinder aus armen Familien mittags einfach eine warme Mahlzeit essen können. Das jedenfalls war die Grundidee der "Arche", inzwischen gibt es dort nicht nur warme Mahlzeiten, sondern auch Nachhilfe und andere Betreuungsangebote, die die Kinder von Frank St. gerne annehmen.
Der Vater dreier Kinder (13, 9 und 4 Jahre alt), dessen arbeitslose Lebensgefährtin noch ein weiteres Kind mit in die "Patchwork-Familie" gebracht hat, arbeitet inzwischen auch in der "Arche", auf Ein-Euro-Job-Basis, das Ganze allerdings befristet. Seine Zeit ist fast abgelaufen. Zweieinhalb Jahre hat er vorher "ehrenamtlich" mitgeholfen, weil er - seit Jahren arbeitslos - eh nur zu Hause saß.
Erst gezickt, jetzt macht er den Hausmeister
Frank St. ist Gleisbauer, handwerklich nicht ungeschickt. "Erst habe ich noch gezickt, wollte dort nicht hin, weil doch alle wissen, daß die Armen da zu essen bekommen", sagt er. Dann aber hat er sich einspannen lassen und ist geblieben. Jetzt macht er den Hausmeister.
Knapp 2000 Euro hat die Familie im Monat, 1300 Euro Hartz IV einschließlich Mietzuschuß, 462 Euro Kindergeld (sein ältestes Kind lebt derzeit bei der Mutter, die für sie das Kindergeld von 154 Euro erhält) und 180 bis 200 Euro durch den Job bei der Arche.
Das tägliche Leben gerät zur Zitterpartie
"Zum Leben bleiben uns 800 Euro im Monat", sagt er. Ende des Monats ist der Kühlschrank oft leer. Gekocht wird nur an Wochenenden, unter der Woche essen alle in der "Arche". Wie knapp es wird, merkten sie in den Ferien, wenn die Münder jeden Tag zu Hause gestopft werden müßten. "Die Kinder werden jeden Tag damit konfrontiert, was sie alles nicht bekommen können", sagt Frank St. "Ich habe meine Wünsche zu Weihnachten noch erfüllt bekommen" - er zuckt mit den Schultern.
Ein bißchen Geld müßten sie für alle Eventualitäten auf der hohen Kante haben. Unlängst streikte die Waschmaschine. 80 Euro kostete die Reparatur - auf einen Schlag. Das tägliche Leben gerät dann zur Zitterpartie: "Wehe, es kommt etwas zwischendurch", sagt Frank St. Ein anderes Bespiel sind die Klassenfahrten. Da muß dann regelmäßig "Arche" helfen, sonst wären die Kinder ausgegrenzt.
Da ist kein Fehler in der Rechnung...
Martin Rostek (ksbodensee)
- 03.01.2006, 19:01 Uhr
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