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Frankreichs Notenbank-Chef : „Es droht Deflation, nicht Inflation“

  • Aktualisiert am

François Villeroy de Galhau ist Präsident der französischen Notenbank. Bild: Frank Röth

Frankreichs Notenbank-Präsident François Villeroy de Galhau spricht im FAZ.NET Interview über seinen Pessimismus für Europa. Und darüber, warum es für die EZB eine Option ist, noch mehr Staatsanleihen zu kaufen.

          Monsieur Villeroy, Sie haben durch Ihre Familie, die Eigentümer des Porzellanherstellers Villeroy & Boch im Saarland, eine enge Bindung nach Deutschland.

          Ja, ich bin in Paris geboren, aber meine Eltern wohnen jetzt im Saarland, nicht weit von der französischen Grenze. Ich fahre fast jeden Monat einmal dahin. Wir sind wahrscheinlich die einzige französische Familie, die seit zwei Jahrhunderten in Deutschland lebt. Ich spreche deutsch und liebe Deutschland.

          Verstehen Sie, dass die Deutschen Angst haben vor der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank?

          Deutschland hat zwei Hyperinflations-Episoden erlebt. In Frankreich hatten wir das nicht und unsere Erinnerung an Deflation ist wahrscheinlich stärker. Ich habe vollen Respekt vor der deutschen Geschichte und wir sollten das auch berücksichtigen. Aber wenn wir uns Europa im Moment angucken, dann ist die Gefahr, die uns derzeit droht ohne jeden Zweifel Deflation, nicht Inflation.

          Sie fürchten Deflation? Aber wenn man den fallenden Ölpreis aus der Inflation herausnimmt, dann liegt die Inflation bei einem Prozent, weit entfernt davon, negativ zu sein.

          Da haben Sie Recht. Der Ölpreis und die Rohstoffpreise sind die treibenden Faktoren der niedrigen Inflation. Aber die Inflation ohne Energie und Rohstoffpreise liegt immer noch bei einem Prozent, das ist weit unter unserem gemeinschaftlichen Ziel von nahe zwei Prozent. Zudem beeinflusst der niedrige Ölpreis nach einer Weile auch andere Preise. Er macht einige Güter billiger, die Löhne könnten langsamer wachsen. Wenn das passiert, kann man dem Ölpreis nicht einfach vergessen.

          Was wird die EZB tun?

          Wie Sie wissen, prognostizieren wir jedes Quartal Inflation und Wachstum. Die neuen Zahlen kommen Anfang März – dann werden wir sehen, ob wir handeln müssen. Ein zeitweise fallender Ölpreis ist kein ausreichender Grund, um etwas zu tun. Aber wenn die niedrigen Energiepreise Langfristeffekte haben, dann müssen wir handeln. Das scheint der Fall zu sein, aber wir werden es im März genau sehen.

          Wird die EZB noch mehr Staatsanleihen und andere Wertpapiere kaufen als die 60 Milliarden im Monat, die sie jetzt kauft?

          Das ist eine Möglichkeit unter anderen; wir sind bereit zu handeln, aber wir werden zunächst die ökonomischen Daten abwarten müssen.

          Die Deutschen sind besorgt über die Milliarden, die Zentralbanken für Staatsschulden ausgeben.

          Wir müssen erklären, wieso die Zentralbanken Staatsanleihen in großem Stil kaufen – Ökonomen nennen das Quantitative Easing (QE). Es geht darum, die Liquidität zu erhöhen und die Finanzierungskosten für die Wirtschaft zu senken. Wir machen es, weil es sinnvoll ist und nicht gefährlich, denn wir blicken auch genau auf die Finanzstabilität. Sie sollten sich andere Zentralbanken auf der Welt anschauen. Japan, Amerika, Großbritannien – sie alle haben Staatsanleihen gekauft, bevor die EZB damit angefangen hat. Das ist wichtig, weil einige Leute in Deutschland das jetzige Staatsanleihekaufprogramm als irgendeine europäische französisch-italienische Phantasie sehen. Das ist es nicht.

          Die chinesische Zentralbank hat so ein Programm nicht.

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