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François Villeroy de Galhau : Ein Deutschland-Kenner für die EZB

François Villeroy de Galhau Bild: AFP

Frankreichs Präsident will François Villeroy de Galhau als künftigen Gouverneur der französischen Zentralbank berufen. Der frühere BNP-Manager ist mit dem Nachbarland bestens vertraut - und macht aus seiner politischen Orientierung kaum einen Hehl.

          Mario Draghi wird sich freuen: Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) erhält einen neuen Verbündeten. Frankreichs Staatsoberhaupt François Hollande hat am Dienstag François Villeroy de Galhau als künftigen Gouverneur der Banque de France vorgeschlagen. Dies kommt einer Ernennung gleich. Denn drei Fünftel der Abgeordneten in der französischen Nationalversammlung sowie in der zweiten Kammer, dem Senat, müssten sich gegen Villeroy de Galhau aussprechen, um die Nominierung zu verhindern. Das ist äußerst unwahrscheinlich. Der 56 Jahre alte Franzose, ehemaliger Bankier von BNP Paribas sowie ein Spross der Familie Villeroy und Boch, wird somit aller Voraussicht nach die Nachfolge des französischen Notenbankpräsidenten Christian Noyer antreten. Ende Oktober gibt Noyer nach zwölf Jahren sein Amt aus Altersgründen ab.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Der Wettbewerb der Kandidaten um das Gouverneursamt war spannend gewesen, doch galt Villeroy de Galhau als Favorit, seit sein Interesse an dem Amt im April bekannt geworden war. Denn der Mann steht nicht nur mit dem Präsidenten auf gutem Fuß, er hat vor allem das Vertrauen des Generalsekretärs im Elysée-Palast, Jean-Pierre Jouyet, der in vielen Personalfragen ein Weichensteller ist. Villeroys Konkurrent war ein Ökonom von Gewicht, der jedoch in Paris politisch weniger gut verdrahtet ist: Benoît Coeuré, das französische Mitglied im Direktorium der EZB. Seine Ernennung hätte aus Sicht des Elysée-Palastes einige Nachteile mit sich gebracht. Einer davon: Im EZB-Direktorium würde eine Lücke gerissen, um deren französischen Neubesetzung die Regierung erst wieder kämpfen müsste.

          Kein Freund der Positionen von Jens Weidmann

          So sitzen im EZB-Rat künftig zwei Männer, die hinter der lockeren Geldpolitik von Draghi stehen. Villeroy de Galhau hat im kleinen Kreis bis zuletzt keinen Hehl daraus gemacht, dass er kein Freund der Positionen von Jens Weidmann ist. In einem im vergangenen Herbst erschienenen Buch („Die Hoffnung eines Europäers“) begrüßt der Franzose auch offen die EZB-Politik. Draghi habe „meisterhaft“ gesprochen, als er im Sommer 2012 die unbegrenzte Stützung des Euro ausrief und damit nur durch Worte praktisch das Gleiche erreichte wie die amerikanische Zentralbank mit ihren massiven Interventionen, schreibt Villeroy. Auch die umfangreiche, quasi kostenlose Liquiditätsausstattung europäischer Banken durch die EZB sei der richtige Weg. „Sagen wir es klar: Die deutschen Inflationssorgen sind sehr übertrieben, sogar irrational. Zwischen dem theoretischen Risiko, die Hyperinflation von 1923 wieder zu erleben, und dem realen Risiko einer Stagnation in Europa im Jahr 2014, muss die EZB klar das zweite dieser Risiken bekämpfen“, notierte Villeroy.

          Der künftige Gouverneur kennt die Deutschen gut, nicht nur der Sprache wegen, die er perfekt beherrscht. Geboren ist er in Straßburg, ein Großteil seiner Familie lebt seit mehreren Generationen im Saarland. Seine politische Orientierung entstand in den jungen Jahren, als er eine jener typisch französischen Eliten-Karrieren einschlug: Nach dem Gymnasium absolvierte er die ingenieurwissenschaftlich orientierte École Polytechnique und dann die Verwaltungs-Kaderschmiede ENA, von der er in den einflussreichen Beamtenkorps „Inspection générale des finances“ wechselte – so wie auch der Elysée-Chefmanager Jouyet oder etwa der Wirtschaftsminister Emmanuel Macron. In den frühen neunziger Jahren war Villeroy Europa-Berater des Finanzministers und späteren Premierministers Pierre Bérégovoy, später hatte er verschiedene Posten im französischen Schatzamt sowie in der französischen Vertretung in Brüssel inne. Ende der neunziger Jahre trat er unter dem sozialistischen Premierminister Lionel Jospin wieder in die Regierung ein – diesmal als Kabinettsdirektor von Finanzminister Dominique Strauss-Kahn sowie dessen Nachfolger Christian Sautter.

          Elysée-Palast sieht keinen Interessekonflikt

          So hat sich mit Villeroy de Galhau ein Mann durchgesetzt, der den Regierenden in Paris gut ins Konzept passt. Er würde diese Beschreibung weit von sich weisen, doch seine Kandidatur war in Notenbankkreisen – selbst in Paris – durchaus als „politisch“ kritisiert worden, anders als jene von Coeuré. Auch dass er bis März ein Spitzenmanager des französischen Marktführers BNP Paribas war – einer Bank, die heute von der EZB überwacht wird – war aufgefallen. Im Elysée-Palast hat man die Bedenken wegen möglicher Interessekonflikte beiseitegewischt. Die Bankenaufsicht – unter Aufsicht der Französin Danièle Nouy – sei strikt getrennt vom Geschäft des EZB-Rates, heißt es.

          Villeroy selbst sieht sich als Mann des „Terrains“, der viel unternehmerische Erfahrung einbringe. Besonders im Geschäft mit Verbraucherkrediten hat er gewirkt. Bei der BNP Paribas haben ihn seine Aufgaben auch oft nach Italien gebracht und damit seinen europäischen Horizont erweitert. Dass sein Herz politisch eher links der Mitte schlägt, weist er nicht von sich, doch er betont, dass es nicht weit von der Mitte entfernt sei. In der Tat hat Villeroy die sozialistische Regierung häufig zu beherzteren Reformen zugunsten der Wirtschaft aufgerufen. Besonders engagiert hat er sich auch in Ausbildungsfragen, wo er zu Anleihen aus dem deutschen System der Dualen Berufsausbildung aufrief. Seit dem Frühjahr schrieb Villeroy im Auftrag der Regierung einen Bericht über die Finanzierung von Unternehmensinvestitionen. Das 50 Seiten lange Werk plädiert für den Abbau von Grenzen im privaten Kapitalverkehr Europas. Die Erarbeitung war auch ein Warteposten auf die neue Aufgabe bei der Banque de France. Bald hat das Warten ein Ende. Anfang November dürfte Villeroy sein Büro an die alterwürdige Adresse 31 Rue Croix des Petits Champs im ersten Arrondissement von Paris verlegen.

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