26.09.2006 · Die digitale Fotografie bietet allerlei technische Spielereien - und wirklich nützliche Extras. Dabei haben Handys den Digitalkameras schon fast den Rang abgelaufen. Ein Rundgang über die Photokina in Köln.
Von Christine Scharrenbroch, KölnSie muß einiges aushalten, die blau-silberne Fotokamera. Gunnar Bellstedt wirft sie zuerst heftig auf den Boden, danach landet sie noch in einem Pool, der zusammen mit Cocktails und Strandkorb Urlaubsgefühle inmitten des Messetrubels vermitteln soll. „Wie oft läßt man etwas fallen, oder die Kinder laufen am Meer mit dem Fotoapparat weg?“ fragt der Olympus-Manager in die Runde. Alles kein Problem für die „µ 725 SW“. Sie überlebt Stürze aus drei Meter Höhe und eine Wassertiefe von fünf Metern. Auch unter Wasser fotografieren kann sie dank eines speziellen Programms. Wer tief runter will, benötigt zusätzlich ein Kunststoffgehäuse. Dann lassen sich auch 60 Meter unter der Wasseroberfläche noch Aufnahmen machen, so die Lichtverhältnisse es zulassen. Ein bißchen Zuwendung braucht der Apparat aber auch: „Wenn Sie damit im Salzwasser baden, sollten Sie die Kamera abspülen und reinigen“, rät Bellstedt.
Die Aussteller auf der Photokina lassen sich etwas einfallen, um die Verbraucher zum Kauf einer Digitalkamera zu bewegen. Jeder zweite Haushalt in Deutschland besitzt ein solches Gerät. Erstmals geht der Absatz in diesem Jahr leicht zurück - auf immerhin noch 7 Millionen Stück. Die neuen, jetzt in Köln präsentierten Modelle können nicht nur mehr wegstecken, sie bieten auch mehr Funktionen als ihre Vorgänger.
„HP-Blitzdiät“ macht „mindestens zehn Pfund leichter“
Darunter finden sich allerlei Spielereien: So hat Hewlett-Packard (HP) die Slimming-Funktion entwickelt - gedacht für Liebhaber, die sich auf Fotos immer furchtbar - weil zu dick - finden und die ihr Gesicht wegdrehen oder die Arme hochreißen, sobald eine Kamera auftaucht. Sprecherin Barbara Wollny nennt es die „HP-Blitzdiät“. Nach der Aufnahme wird die Slimming-Taste gedrückt, und die abgelichtete Person wird von einer Sekunde zur anderen „mindestens zehn Pfund leichter“.
Er habe zuerst an einen Scherz geglaubt, sagt ein Journalist. Aber ein großes Poster am HP-Stand zeigt einen eindrucksvollen Vorher-nachher-Vergleich anhand einer Dame im blauen Pulli, die einmal rundlich, einmal schlank aussieht. „In den Vereinigten Staaten ist das ein Hit“, sagt die Sprecherin. Auch hierzulande würden sich Anhänger finden, prophezeit sie. In umgekehrter Richtung funktioniert die Taste freilich nicht.
Integriertes Reinigungssystem verhindert Staub
Daß 70 Prozent aller Fotos Menschen zeigen, hat sich auch Fuji zunutze gemacht. Vor einem großen Würfel mit Leinwand demonstriert ein Moderator die „Gesichtserkennung“, die auch andere Hersteller anbieten. Während er eine japanische Besucherin mit der Kamera fokussiert, wird im Display um ihren Kopf ein Kästchen gelegt. Das Programm sorgt beim Auslösen dafür, daß das Gesicht scharf gestellt und richtig belichtet wird. „Wie oft hat man das Problem, daß die Kamera sich auf den Hintergrund einstellt und die Gesichter dunkel oder unscharf sind“, sagt Sprecherin Petra Fujiwara. Bis zu zehn Gesichter können auf einer Aufnahme erkannt werden.
Daneben setzen die Hersteller ihre Anstrengungen darauf, auch in schwierigen Situationen gute Bilder zu ermöglichen. So bietet Pentax einen Modus an, der im Dämmerlicht für scharfe Aufnahmen sorgt. Fast schon Standard bei digitalen Kompakt- wie Spiegelreflexkameras sind Bildstabilisatoren, die ein Verwackeln des Fotos verhindern sollen. Sensoren erkennen ein Verwackeln, und ein System gleicht dieses aus. Der Pflege der besonders wachstumsträchtigen digitalen Spiegelreflexkameras hat sich Canon verschrieben: Die EOS 400D besitzt ein integriertes Reinigungssystem, das verhindern soll, daß beim Wechseln des Objektivs Staub auf den Sensor gelangt.
„Und telefonieren kann man auch damit“
Größter Hersteller von Digitalkameras auf der Welt ist aber weder Canon noch Sony oder Minolta - sondern Nokia. Rund 100 Millionen Handys mit Kamerafunktion hat der finnische Hersteller im vergangenen Jahr verkauft. Insgesamt wurden 350 Millionen Kamerahandys nachgefragt, das Vierfache des Digitalkamera-Absatzes. Mit einer Empfindlichkeit von 3,2 Megapixeln, dreifachem optischem Zoom und Autofokus lassen sich qualitativ hochwertige Aufnahmen machen, wie der Nokia-Mitarbeiter anhand der zahlreichen rosa- und pinkfarbenen Blumen am Stand demonstriert.
Auch Videofilme kann man damit drehen und später am PC oder Fernseher anschauen. „Das ist eigentlich ein Multimedia-Computer“, stellt Marketingmanager Thomas Knops fest. Das Handy besitzt neben Kamera- und Videofunktion einen MP3-Player zum Musikhören, den UMTS-Zugang zum Internet und einen Kalender. „Und telefonieren kann man auch damit“, sagt Knops, aber das stehe nicht mehr an erster Stelle.
Nicht nur auf dem Computerbildschirm angucken
Ob mit Handy oder Kamera aufgenommen - immer mehr Hobbyfotografen wollen ihre Fotos auch auf Papier in der Hand halten. Der Absatz von Fotodruckern legt rasant zu. Für den Ausdruck zu Hause sind sowohl die kompakten, mobilen Fotodrucker für das 10 × 15-Format als auch All-in-one-Geräte beliebt, die Drucken, Scannen, Kopieren und Faxen können.
Noch stärker als die Herstellung von Fotos zu Hause würden in den kommenden Jahren Online-Bestellungen bei Großlaboren und der Ausdruck an Kiosksystemen zunehmen, zitiert HP-Sprecherin Wollny entsprechende Studien. Diese Fotodruckstationen, an denen man in kürzester Zeit seine Bilder erhält, bringt HP Anfang 2007 auf den deutschen Markt. Sie sollen bei großen Elektronikmärkten, an Flughäfen und Bahnhöfen stehen.
Daß sich die Hobbyfotografen ihre vielen Digitalfotos nicht nur auf dem Computerbildschirm angucken wollen, setzt auch der Oldenburger Fotodienstleister Cewe Color voraus, der zum ersten Mal in Köln dabei ist. Vorstandsmitglied Wulf Schmidt-Sacht zeigt anhand seiner privaten Urlaubsbilder aus Australien, wie sich per Software in 16 Sekunden ein Fotoalbum erstellen läßt, das dann zum Druck in Auftrag gegeben werden kann. Zweimal ist seine Tochter mit einem Känguruh zu sehen, das Programm wählt automatisch ein Bild aus. 15.000 Fotobücher zu Preisen zwischen 7 und 50 Euro verkaufe Cewe Color in der Woche, sagt Schmidt-Sacht. „Und zu Weihnachten geht die Sache erst richtig los.“
| Name | Kurs | Prozent |
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| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.587,00 | +1,06% |
| EUR/USD | 1,2501 | −0,32% |
| Rohöl Brent Crude | 106,68 $ | −0,54% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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