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Ford Ford macht mit Autos noch mehr Verlust als General Motors

19.10.2004 ·  In Europa zumindest zeichnet sich jedoch eine Verbesserung ab. Die am Dienstag veröffentlichten Konzernzahlen übertrafen die Erwartungen der Analysten.

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Der zweitgrößte amerikanische Autohersteller hat die Rolle des Prügelknaben der Branche vorerst an den Marktführer General Motors (GM) abgegeben. Die am Dienstag veröffentlichten Zahlen von Ford sind vom Markt besser aufgenommen worden als diejenigen des Wettbewerbers. GM hatte in der vergangenen Woche die Gewinnerwartungen an der Wall Street klar verfehlt und ein massives Restrukturierungsprogramm für Europa angekündigt. Die Aktie hatte daraufhin deutlich an Wert verloren.

Das Papier von Ford notierte am Dienstag im Handelsverlauf weitgehend unverändert. Ford hat die Erwartungen von Analysten im dritten Quartal übertroffen und seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr erhöht. Wie GM hat allerdings auch Ford seinen Gewinn allein der Finanzdienstleistungssparte zu verdanken. Das Autogeschäft steckt noch tiefer in der Verlustzone als bei GM. Dafür scheint sich bei Ford die Lage in Europa allmählich zu verbessern, der Verlust wurde gegenüber dem Vorjahr deutlich reduziert. Bei GM sind im Gegensatz dazu die Verluste klar angestiegen.

Mit Bill Ford auf Erholungskurs

Ford ist zwar nach der Schieflage im Jahr 2001 auf Erholungskurs, von einer gelungenen Sanierung kann indessen noch keine Rede sein. Auf dem Höhepunkt der Krise hat Ford für 2001 einen Rekordverlust von 5,45 Milliarden Dollar ausgewiesen. In jenem Jahr rückte Bill Ford, der Enkel des Unternehmensgründers, in einem Überraschungscoup an die Spitze des Unternehmens.

Er löste Jacques Nasser ab, der sich mit Service- und Internetinitiativen verzettelt hatte, während die Produktionskosten stiegen und die Qualität sank. Ford hat danach ein massives Restrukturierungsprogramm mit Fabrikschließungen und einem Stellenabbau auf den Weg gebracht.

Schmerzhafte Einschnitte in Europa

Im Gesamtkonzern haben sich die Ergebnisse zwar recht schnell verbessert, allerdings hat sich die Lage in einzelnen Unternehmensteilen zwischenzeitlich verschlechtert. Wie bei GM wurde auch bei Ford das Europa-Geschäft zum Sorgenkind. Im vergangenen Jahr haben die Kölner Ford-Werke einen überraschend hohen Verlust von 1,12 Milliarden Euro ausgewiesen, nach 340 Millionen Euro im Jahr 2002.

Schmerzhafte Einschnitte, wie sie nun GM angekündigt hat, hat Ford gerade erst hinter sich gebracht. Vor rund einem Jahr kündigte das Unternehmen den Abbau von 6700 Stellen an, wovon vor allem die Werke in Köln und im belgischen Genk betroffen waren. Ford hat außerdem schon im Jahr 2002 ein großes Werk in Großbritannien geschlossen.

Problemkind Jaguar

Erst vor wenigen Wochen mußte Ford bei seiner Marke Jaguar, die Teil der Luxussparte Premier Automotive Group (PAG) ist, die Notbremse ziehen. Die PAG, zu der neben Jaguar Land Rover, Aston Martin und Volvo gehören, hat im dritten Quartal einen Verlust von 171 Millionen Dollar ausgewiesen. Ford kündigte an, ein englisches Werk mit 2200 Mitarbeitern zu schließen und das Engagement in der Formel 1 aufzugeben.

Bill Ford sagte unlängst in diesem Zusammenhang: "Vor drei Jahren haben wir über die Sanierung des gesamten Autogeschäfts gesprochen. Heute sprechen wir über die Sanierung von Jaguar. Das ist ein großer Unterschied."

Gleichwohl steckt das Autogeschäft in seiner Gesamtheit tief in der Verlustzone: Für das traditionell schwache dritte Quartal wies Ford im Autobereich einen Vorsteuerverlust vor außerordentlichen Positionen wie der Jaguar-Restrukturierung von 609 Millionen Dollar aus - noch einmal 61 Millionen Dollar mehr als im Vorjahr. Bei GM betrug der Verlust mit Autos 130 Millionen Dollar.

Bilanzierung der Pensionspläne geprüft

Gerade auf dem amerikanischen Markt hat sich die Lage für Ford deutlich zugespitzt. Ford hat in den vergangenen zwölf Monaten an Marktanteil verloren. Im September betrug er 19,7 Prozent, vor einem Jahr waren es 20,9 Prozent. Bei GM schwankte der Marktanteil stark, im September konnte das Unternehmen dank guter Verkaufszahlen wieder klar die Marke von 28 Prozent überspringen.

Analysten sehen sowohl bei Ford als auch bei GM einen Mangel an attraktiven neuen Fahrzeugen als Hauptproblem. Hier hat der Wettbewerber Chrysler in jüngster Zeit Boden gutgemacht. In Europa wies Ford im dritten Quartal einen Verlust von 33 Millionen Dollar aus, nach 400 Millionen Dollar im Vorjahr. Das Unternehmen macht dafür Kostensenkungen sowie verbesserte Verkaufszahlen verantwortlich. Der Umsatz stieg hier gegenüber dem Vorjahr von 4,6 auf 5,9 Milliarden Dollar.

Unterdessen prüft die amerikanische Börsenaufsicht SEC die Bilanzierung der Pensionspläne bei Ford und General Motors. Es werde der Frage nachgegangen, ob die Gewinne künstlich aufgebläht wurden, indem bei der Kalkulation der Verpflichtungen der Rentnerkrankenversicherungen irreführende Annahmen zu Grunde gelegt worden seien, bestätigte ein Ford-Sprecher. Sein Unternehmen kooperiere mit der SEC.

Quelle: lid., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.10.2004, Nr. 245 / Seite 14
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