Home
http://www.faz.net/-gqe-ox6j
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Mittwoch, 15. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Forbes-Liste In Rußland wächst die Zahl der Dollar-Milliardäre

14.05.2004 ·  Die Zeitschrift „Forbes“ zählt 36 russische Dollar-Milliardäre. Zwei Drittel von ihnen sind durch Geschäfte mit Öl, Gas und Metall reich geworden. Die Nummer eins sitzt immer noch in Haft.

Von Markus Wehner
Artikel Bilder (3) Lesermeinungen (0)

Rußland hat heute 36 Dollar-Milliardäre - zumindest nach Version der Zeitschrift "Forbes", die in ihrer russischen Ausgabe vom Donnerstag die hundert reichsten Russen aufführt. Zwei Drittel von ihnen sind durch Geschäfte mit Öl, Gas und Metall zu ihrem Reichtum gelangt. Sie besitzen 24 Prozent des Bruttoinlandsprodukts - bei den 277 amerikanischen Milliardären macht dieser Anteil nur sechs Prozent aus.

Die Liste der reichsten Russen führt immer noch der ehemalige Chef des Ölkonzerns Yukos, der 40 Jahre alte Michail Chodorkowskij, an. Sein Vermögen schätzt die Zeitschrift auf 15,2 Milliarden Dollar. Chodorkowskij, dem die Justiz Steuerhinterziehung und Betrug vorwirft, sitzt seit seiner Verhaftung Ende Oktober in Untersuchungshaft und muß nach einer Entscheidung des Moskauer Gerichts vom Dienstag auch nach dem Beginn der zweiten Amtszeit von Präsident Putin dort bleiben. Der Prozeß gegen den Unternehmer, dessen Verhaftung allgemein als politisch motiviert gilt, soll im Sommer beginnen. Indes kursieren schon seit Wochen Gerüchte, daß Chodorkowskij nicht der letzte "Oligarch" sein wird, der in die Mühlen der Justiz gerät. Viele russische Milliardäre sind über ihre Nennung in der Liste der Reichsten denn nicht recht froh.

„Spekulativer Charakter"

"Wenn ein Unternehmer in so einer Liste auftaucht, kann er zur Zielscheibe der Justizorgane werden", sagte ein Milliardär, der namentlich nicht genannt werden will, der Moskauer Zeitung "Wedomosti". Ein anderer bekennt, daß jede öffentliche Diskussion seines Privatvermögens in Rußland bei ihm "nichts als Bluthochdruck" auslöse. Einige Milliardäre sind zudem nicht einverstanden mit den Angaben der Zeitschrift.

Die Liste habe "einen völlig spekulativen Charakter", beschwert sich etwa ein Sprecher des Ölkonzerns Sibneft. Dessen 37 Jahre alter Besitzer Roman Abramowitsch, im Westen als Eigentümer des Londoner Fußballklubs Chelsea berühmt geworden, wird bei "Forbes" mit 12,5 Milliarden Dollar auf Platz zwei geführt - mit weiteren Einkäufen internationaler Spitzenkicker für Chelsea muß gerechnet werden.

Deutlich weniger als Abramowitsch besitzt Viktor Wekselberg - 5,9 Milliarden reichen für die Bronzemedaille. Wekselberg, Jahrgang 1957, hält ein Viertel des russisch-britischen Ölkonzerns TNK-BP und die Hälfte der Aluminiumholding Sual. Dieselben Anteile nennt sein Partner Leonard Blawatnik sein eigen - doch da er einen amerikanischen Paß hat, taucht Blawatnik, wie andere milliardenschwere "Auslandsrussen", in der Liste nicht auf.

Keine Stellungnahme

Mit jeweils 5,4 Milliarden Dollar Vermögen folgen auf den Plätzen vier und fünf die Mehrheitsbesitzer des Metallgiganten Norilsk Nickel, der 38 Jahre alte Generaldirektor Michail Prochorow und der Präsident der Holding Interros, Wladimir Potanin. Der 46 Jahre alte Potanin hält sich seit Wochen im Ausland auf und ist nicht mehr in der Öffentlichkeit aufgetaucht, seitdem glaubhafte Gerüchte über ein Verhör der Staatsanwaltschaft kursieren. Auch Prochorow hat bisher keine Stellung zu den Gerüchten genommen, obwohl die Kurse des Metallgiganten erheblich gefallen sind und der Konzern zwei Milliarden Dollar Marktkapitalisierung verloren hat.

Ebenfalls im Ausland, nämlich in Israel, halten sich die mit Haftbefehl in Rußland gesuchten Yukos-Milliardäre Leonid Newslin, Michail Brudno und Wladimir Dubow auf. Newslin und Brudno sind israelische Staatsbürger. Ein anderer Yukos-Milliardär, Platon Lebedjew, sitzt seit Juni vergangenen Jahres in Moskau in Untersuchungshaft.

Höhenflug russischer Aktien

Der Vorstandsvorsitzende der Alfa-Gruppe, der 40 Jahre alte Michail Fridman, ist einer der wenigen, der in den letzten Monaten nach Angaben von Forbes um einige hundert Millionen ärmer geworden ist. Nur noch 5,2 Milliarden bescheren ihm den sechsten Platz. Zu dem Konsortium gehört die Alfa-Bank, die größte russische Privatbank, deren Vorstandsvorsitzende Pjotr Awen (2,1 Milliarden) einen Mittelplatz in der Liste einnimmt.

Seit Februar um eine Milliarde reicher geworden sind die Metallkönige Rußlands: die Besitzer der Unternehmen "Russkij Aluminium" (Rusal) und "Sewerstal", der 36 Jahre alte Oleg Deripaska und der zwei Jahre ältere Alexej Mordaschow, der im Kreml gut gelitten ist. Vor ihnen rangiert noch auf Platz 7 ein weiterer Metallmagnat, der bisher wenig bekannte Wladimir Lissin. Er hält 80 Prozent am Stahlkombinat Nowolipezk.

Im Februar hatte "Forbes" noch 25 russische Dollar-Milliardäre gezählt. Den raschen Anstieg auf 36 binnen zweier Monate erklärt die Zeitschrift unter anderem mit dem Höhenflug der russischen Aktien von Februar bis Mitte April um mehr als zwanzig Prozent. Allerdings hat der vielbeachtete RTS-Index seitdem schon wieder 25 Prozent verloren. Zudem habe man, so sagt Forbes-Sprecher Paul Klebnikow, erst in den letzten Wochen mehr Klarheit über die Vermögensverhältnisse einiger Reicher aus dem Kreis der russischen "Goldenen Hundert" erhalten.

Eine einzige Frau

Einige "Oligarchen" sehen sich falsch, nämlich als zu reich, bewertet. Gazprom ließ wissen, daß ihre ehemaligen Topmanager Rem Wjachirew und Wjatscheslaw Scheremet ihre Aktien unter Preis verkauft hätten. Sie waren durch die großzügige Versorgung ihrer Familienmitglieder ins Gerede gekommen. Der einzige "Oligarch", der sich als zu arm eingeschätzt sieht, ist Boris Beresowskij, heute entschiedener Putin-Gegner im Londoner Exil. Sein Vermögen hatte "Forbes" Mitte der neunziger Jahre auf 3 Milliarden Dollar veranschlagt. Jetzt sollen es nur noch 620 Millionen sein. "Entweder habe ich zweieinhalb Milliarden Dollar ausgegeben, oder die Zahlen sind nicht korrekt", so Beresowskij, der zu seinem Vermögen keine Angaben macht, gegenüber "Wedomosti".

Nur eine einzige Frau taucht unter den 36 aufgeführten Milliardären auf, und zwar auf Platz 35: Elena Baturina, Chefin des Baukonzerns Inteko, kann sich mit geschätzten 1,1 Milliarden Dollar Vermögen als reichste russische Unternehmerin fühlen. Frau Baturina ist die Ehefrau des Moskauer Oberbürgermeisters Jurij Luschkow.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.05.2004, Nr. 112 / Seite 26
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Zu ausgeklügelt

Von Kerstin Schwenn

Das System des Mautbetreibers Toll Collect ist eine tolle deutsche Erfindung, aber leider nicht wirtschaftlich. Eine Maut lässt sich auch mit einem weniger ausgeklügelten System erheben. Mehr 1 7

15.02.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.757,94 +0,44%
 OK
Umfrage

Sollen Kinderlose einen „Solidarzuschlag" zahlen?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.

15.02.2012
Name Kurs Prozent
DAX 6.757,94 +0,44%
FAZ-INDEX 1.508,12 +0,49%
TecDAX 780,92 +0,91%
MDAX 10.353,00 +0,97%
SDAX 5.020,82 −0,06%
REX 421,24 −0,10%
Eurostoxx 50 2.493,96 +0,23%
F.A.Z. EURO INDEX 80,55 +0,36%
Dow Jones 12.785,70 −0,72%
Nasdaq 100 2.566,61 −0,34%
S&P500 1.350,50 −0,09%
Nikkei225 9.260,34 +2,30%
EUR/USD 1,3087 −0,30%
Rohöl Brent Crude 118,43 $ +0,76%
Gold 1.722,00 $ 0,00%
Bund Future 139,23 € +0,51%