http://www.faz.net/-gqe-741r1
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 01.11.2012, 13:30 Uhr

Folgen von „Sandy“ Wirbelsturm gefährdet amerikanisches Wachstum

Die Konjunktur in Amerika schwächelt ohnehin, jetzt drohen die Folgen von Wirbelsturm „Sandy“ noch weiter aufs Wachstum zu drücken. Experten fürchten, dass ein halber Prozentpunkt deshalb im vierten Quartal fehlen könnte.

© REUTERS Mit riesigen Baggern wird die Ocean Avenue in Sea Bright, New Jersey, vom angespülten Sand befreit.

Der Wirbelsturm „Sandy“ droht das ohnehin schwächelnde Wachstum der amerikanischen Wirtschaft noch weiter zu drücken. Etwa ein halber Prozentpunkt könnte im vierten Quartal fehlen, sagen Experten voraus. Allein die Stadt New York kosten die Folgen der Naturkatastrophe täglich etwa 200 Millionen Dollar.

„Wir werden wahrscheinlich einen halben Prozentpunkt im vierten Quartal verlieren“, schätzte der Wissenschaftler Peter Morici von der Universität Maryland. „Das kann das Wirtschaftswachstum bis auf rund ein Prozent drücken.“ Gemessen an der Gesamtlage sei ein halber Prozentpunkt eine Menge, fügte er hinzu. Zuletzt lagen die Schätzungen von Experten für das vierte Quartal im Schnitt bei einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 1,8 Prozent.

Überschwemmungen, Stromausfälle, zerstörte Häuser

„Sandy“ war am Montag auf einer Breite von mehreren Hundert Kilometern auf die Ostküste der Vereinigten Staaten geprallt. Überschwemmungen, Stromausfälle und zerstörte Häuser waren die Folge. Mehr als 60 Menschen kamen ums Leben. Die Auswirkungen auf die Wirtschaft könnten gravierend sein, schrieb auch Paul Ashworth von der Londoner Beratungsfirma Capital Economics in einer Analyse. Der Wiederaufbau dürfte dann aber im kommenden Jahr die Wirtschaft wieder ankurbeln. Dennoch werde unter dem Strich ein Verlust von zehn bis 20 Milliarden Dollar stehen, erwarten die Analysten von Eqecat.

Mehr zum Thema

Dagegen blieben die Ökonomen von JP Morgan bei ihrer Prognose, dass das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal um 2,0 Prozent zulegt. Die Fachleute verwiesen darauf, dass der verheerende Hurrikan „Katrina“ im Jahr 2005 das Wirtschaftswachstum zwar erheblich verlangsamte, vor allem weil Ölraffinerien ausfielen und zwei Monate lang das Benzin deutlich teurer war. Allerdings erholte sich damals die Konjunktur auch wieder sehr rasch. „Sandy“ habe zwar auch einige Raffinerien in Mitleidenschaft gezogen, schrieben die Analysten. Aber die Auswirkungen auf den Benzinpreis seien vermutlich nur kurzfristig.

Wiederaufbau wirkt positiv auf Konjunktur

Wie hoch die Schäden sind, die „Sandy“ hinterlassen hat, ist derzeit nur schwer abzuschätzen. Unzählige Wohnhäuser, Fabriken, Kraftwerke und Verkehrswege im besonders betroffenen Bundesstaat New Jersey und in New York müssen instand gesetzt werden. Auf die Konjunktur werden sich diese Wiederaufbauarbeiten aber wohl erst 2013 positiv auswirken.

Der Leiter des Rechungswesens der Stadt New York, John Liu, sagte,  in den vergangenen Tagen sei die Wirtschaftstätigkeit in New York auf etwa 20 Prozent des normalen Wertes gesunken. „Und sie wird noch für einige Zeit nicht auf 100 Prozent zurückkehren.“ Allerdings sei nicht alles dauerhaft verloren, sondern nur aufgeschoben. „Wir glauben nicht, dass der dauerhafte Schaden am Ende die Marke von einer Milliarde Dollar überschreiten wird“, sagte Liu.

Quelle: Reuters

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Anschlag in München Wir wollen ja nicht spekulieren

Das Fernsehen zeigt bei der Berichterstattung zu dem Massenmord im Olympia-Einkaufszentrum, wozu es in der Lage ist. Es erklärt Dinge, ohne zu wissen, was vor sich geht. Nur einer tritt beiseite und erklärt, was das Wesen von Terror und Gewalt ist. Mehr Von Michael Hanfeld

23.07.2016, 03:21 Uhr | Feuilleton
Entlegene Regionen Facebook testet Drohnen für bessere Internet-Verbindung

Mit Hilfe von unbemannten Drohnen will Facebook die Internet-Qualität besonders in entlegenen Regionen verbessern. Der Name dieses Prototyps lautet Aquila. Wie die Firma verkündete, sei nun in Yuma im amerikanischen Bundesstaat Arizona ein 96-minütiger Testflug gelungen. Mehr

22.07.2016, 15:16 Uhr | Wirtschaft
Hillarys Neuer Clinton zeigt ihren langweiligen Vize-Kandidaten

Hillary Clinton ist zum ersten Mal ihrem Kandidaten für das Amt des amerikanischen Vize-Präsidenten aufgetreten. Eines hat das demokratische Duo den Republikanern voraus. Mehr

23.07.2016, 21:58 Uhr | Politik
Marktstart in Japan Pokémon Go erreicht das Mutterland

Rund zwei Wochen nachdem der Hype um das Spiel weltweit für große Aufregung gesorgt hat, startet das Computerspiel auch in Japan. Wie sich Pokémon Go auf den japanischen Markt auswirkt, bleibt abzuwarten. Das Land gilt traditionell als verrückt nach Videospielen. Mehr

22.07.2016, 15:16 Uhr | Wirtschaft
Geldpolitik Noch keine Leitzinserhöhung der Fed

Analysten sehen die Septembersitzung als frühesten Termin für eine Leitzinserhöhung der Fed – sie haben jedoch einen anderen Zeitraum im Blick. Mehr Von Gerald Braunberger

23.07.2016, 11:45 Uhr | Finanzen

Terror, virtuell und real

Von Carsten Knop

Innenminister Thomas de Maizière klagt über das „unerträgliche Ausmaß von gewaltverherrlichenden Spielen im Internet“. Viele vernünftige Menschen sehen das anders. Mehr 62

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden