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Besonders Führungskräfte bekommen viele E-Mails. Bild: Picture-Alliance

Flut im Postfach : Jeder Dritte ruft E-Mails mehrmals pro Stunde ab

Sitzen bleiben und mailen, statt mit den Kollegen persönlich zu sprechen: Das ist nicht nur ein Fluch für die Konzentration, sondern auch für die Innovationskultur, heißt es in einer neuen Studie.

          Mails im Minutentakt gehören im Berufsleben schon lange zum Alltag, in den vergangenen Jahren sind aber weitere digitale Kanäle hinzugekommen – die viele mit einer Flut zusätzlicher Nachrichten konfrontiert. Die Vielfalt digitaler Kommunikationsformen entwickelt sich laut einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY für Fach- und Führungskräfte zunehmend „vom Segen zum Fluch“. 43 Prozent der Befragten gaben an, durch die zunehmende Digitalisierung der Arbeitswelt sei für sie der Stress im Beruf gestiegen, nur 5 Prozent sprachen von einer Erleichterung. Die restlichen Befragten gaben an, für sie hielten sich Vor- und Nachteile die Waage, ihre Stressbelastung sei insgesamt gleich geblieben.

          Tillmann Neuscheler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Für die Untersuchung wurden im Sommer 800 Fach- und Führungskräfte interviewt. Etwa ein Drittel der Befragten unterbricht die Arbeit mehrmals pro Stunde, um E-Mails abzurufen. Vor allem Jüngere neigten dazu neigen, sich „ständig durch elektronische Post ablenken zu lassen“, heißt es in der Studie. Bei den unter 30-Jährigen ruft jeder zweite seine E-Mails mehrmals pro Stunde ab, jeder zwanzigste sogar mindestens alle 10 Minuten. „Bei diesem Rhythmus ist es nicht möglich, tief in ein Thema einzutauchen“, mahnt Studienautor Nelson Taapken.

          Nur jeder Vierte nehme sich häufiger bewusste digitale Auszeiten. Dafür sei auch die Chefetage verantwortlich. Gerade in Konzernen sei der Vorstand oft selbst sehr aktiv in den sozialen Netzwerken, die Untergebenen würden daher Medienpräsenz mit Erfolg verbinden, wobei sie dabei vergessen würden, dass die Vorstände dieses Pensum oft nur mit einem eigenen Stab an Mitarbeitern bewältigen könnten, sagt Laura Jacob, Personal-Fachfrau bei dem Beratungsunternehmen.

          Berufliche Mails nach Feierabend und an Wochenenden beantworten rund 18 Prozent der Befragten häufig oder sehr häufig, die Mehrheit von 57 Prozent aber selten oder nie, die restlichen 25 Prozent gelegentlich. Vor allem in kleinen Unternehmen werden berufliche Mails außerhalb der Arbeitszeit noch beantwortet.

          Kritisch sehen die Studienautoren auch, dass Digitalnachrichten zunehmend das persönliche Gespräch verdrängen würden. Das sei gefährlich und gehe zu Lasten der Innovationskultur. Persönliche Treffen sind für 32 Prozent der befragten noch immer das beste Format zur Ideenfindung, gefolgt vom schnellen Austausch auf dem Flur oder im Großraumbüro (17 Prozent). Gerade die hochinnovativen Tech-Unternehmen im Silicon Valley hätten das schon lange begriffen und legten daher größten Wert auf räumliche Nähe und persönlichen Austausch. Statt „permanent neue digitale Tools einzuführen“ sollten Unternehmen die analoge Kommunikation wieder fördern, heißt es in der Studie „Renaissance des Analogen“. Zwar empfinden auch zwei Drittel der Befragten persönliche Sitzungen als Zeitfresser, der gleiche Anteil sieht die Treffen aber auch als gute Möglichkeit, Ideen zu erarbeiten. Erstaunlich dabei: Mitarbeiter, die besonders viel Zeit in Sitzungen verbringen, halten das Format für besonders geeignet, Ideen zu entwickeln.

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