Der weltgrößte Flugzeugbauer Boeing hat sich angesichts der veränderten Nachfrage in der krisengeschüttelten Branche vom geplanten Bau seines Top-Modells Sonic Cruiser verabschiedet. Boeing kündigte stattdessen den Bau eines mittelgroßen und Energie sparenden Flugzeugs an. Mit einem Anstieg seiner Produktion rechnet der amerikanische Konzern erst 2005.
Die Fluggesellschaften wollen Modelle, die weniger Energie verbrauchen und die Anforderungen an die wachsende Nachfrage nach Kurzstreckenflügen erfüllen, teilte der in Chicago ansässige Konzern am Freitag (Ortszeit) mit. Das noch namenlose, neue Modell soll 2004 vorgestellt werden und in etwa 2008 den Flugverkehr aufnehmen. Dies entspricht im Prinzip dem Zeitplan für den ursprünglich geplanten Sonic Cruiser, der deutlich schneller fliegen sollte als die zivile Boeing-Flotte - allerdings bei höheren Kosten.
Weiter auf niedrigem Niveau
2004 würden angesichts der anhaltenden Nachfrageschwäche nur etwa so viele Flugzeuge ausgeliefert wie voraussichtlich im nächsten Jahr, sagte Alan Mulally, Chef des Bereichs der zivilen Luftfahrt bei Boeing. Für 2003 hatte Boeing bereits die Lieferung von 275 bis 285 Flugzeugen prognostiziert. Das wären nur rund halb so viele wie noch vor zwei Jahren. Erst 2005 rechnet Boeing wieder mit einem Anstieg der Produktion. „Hoffentlich sind wir nun am Boden des Zyklus", sagte er.
Zu den geänderten Modell-Plänen sagte er: „Wir sprechen über einen gewaltigen Markt, nicht nur mit Blick auf das Wachstum, sondern auch im Hinblick auf das Ersetzen von älteren mittelgroßen Flugzeugen. Wir könnten leicht einen Markt von 2.000 bis 3.000 Flugzeugen dieser Größe haben.“ Die rückläufigen Bestellungen für die Boeing 747 und die konstante Nachfrage nach den kleineren 737- und 777-Reihen sowie die Verluste bei den meisten Fluggesellschaften hätten die Notwendigkeit von mehr Wirtschaftlichkeit statt Größe und Geschwindigkeit verdeutlicht.
Zu den erwarteten Kosten und dem Produktionsstandort für das neue Modell machte Boeing keine Angaben. Analysten schätzen die Kosten auf mindestens zehn Milliarden Dollar.