Um ihre Millionenverluste im Europaverkehr zu begrenzen, prüft die Deutsche Lufthansa, Teile ihrer Kurzstrecken-Flotte und den Billigfluganbieter Germanwings in einer neuen Gesellschaft zu bündeln. Das neue Unternehmen mit der Rechtsform einer GmbH soll möglichst 2013 starten und trägt den internen Arbeitstitel „Direct4U“. Das ist eine Kombination aus dem Namen der Geschäftseinheit „Lufthansa Direct Services“, die bislang den Flugverkehr außerhalb der Drehkreuze Frankfurt und München abwickelt, sowie dem Kürzel „4U“, das seit Jahren als internationaler Codename für Germanwings im Einsatz ist.
Die Planspiele zu Germanwings sind ein fester Bestandteil des aktuellen Sparprogramms im Lufthansa-Konzern, wonach die Fixkosten binnen drei Jahren um mindestens 1,5 Milliarden Euro sinken müssen. Angeblich sollen deshalb in der Verwaltung im großen Umfang Stellen gestrichen werden, die Rede ist von 3000 betroffenen Mitarbeitern. Mit 900 Millionen Euro entfällt der Löwenanteil des Sparpakets aber auf das Passagiergeschäft, indem die Personalkosten je Flugstunde um 5 Prozent sinken müssen. Vor allem im Europaverkehr, wo Lufthansa die Konkurrenz von Esayjet oder Air Berlin zu spüren bekommt, fällt nach Schätzungen ein Verlust in mittlerer dreistelliger Millionenhöhe im Jahr an. Gegenwärtig wird geprüft, ob verlustreiche Strecken in Europa gestrichen werden. Dann müssten auch Abstriche bei Flugzeugen und Piloten folgen.
„Durch die Zusammenlegung der beiden Geschäftseinheiten ist die Vereinbarung neuer Tarifverträge für Piloten und Flugbegleiter möglich – die Personalkosten sinken damit wohl um rund 25 Prozent gegenüber dem Gehaltsniveau der Lufthansa“, sagte ein Manager der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der mit dem Projekt befasst ist. Durch die Ausgliederung sei es zudem möglich, die insgesamt 90 Mittelstrecken-Flugzeuge aus der Airbus-Typenfamilie A 320 besser auszulasten und so die Produktivität der Flotte deutlich zu steigern, heißt es weiter. Waren die Kurzstrecken-Maschinen der Lufthansa bislang lediglich 7 Stunden am Tag in der Luft, soll sich dieser Wert möglichst auf bis rund 12 Stunden am Tag erhöhen, lautet das interne Ziel der Projektmanager. Zum Vergleich: Erfolgreiche Billigfluganbieter wie Easyjet oder Ryanair halten ihre Flotten mindestens 14 Stunden am Tag in der Luft.
Die Planspiele, die aus Kreisen des Betriebsrates verbreitet werden, bestätigte ein Sprecher der Lufthansa. Beschlüsse des Aufsichtsrates gebe es dazu jedoch nicht. Eine Entscheidung, ob das Projekt tatsächlich Anfang 2013 beginnen kann, soll in den kommenden Wochen fallen
Eine Zusammenlegung des Geschäftsbereichs „Direct Services“ und Germanwings deutete Lufthansa-Vorstand Carsten Spohr in einem internen Rundschreiben an, das dieser Zeitung vorliegt. Darin macht sich Spohr für eine Standardisierung der Flotte auf die Typen der A 320-Familie stark, um die Betriebs- und Treibstoffkosten zu senken (F.A.Z. vom 21. April). Da der Großteil der Flotte und die Infrastruktur von Germanwings auf die neue Gesellschaft übertragen werden soll, werde der Name der Billigfluggesellschaft keinesfalls verschwinden, sagte ein Sprecher des Konzerns. Vielmehr soll die Stellung der Tochtergesellschaft im Lufthansa-Verbund damit gestärkt werden.
So vergrault LH immer noch weiter die Kunden
Albert Klein (albert2111)
- 27.04.2012, 16:45 Uhr
Auch wenn man kein Luftfahrtexperte ist - kommen einem beim Lesen dieses
Artikels ein paar Zweifel
Rolf-Dirk Maehler (RDMAEHLER1)
- 27.04.2012, 16:43 Uhr