Für die angeschlagene amerikanische Flugindustrie zeichnet sich keine Erholung ab. Als erste der großen amerikanischen Fluggesellschaften hat am Dienstag Continental Airlines die Zahlen für das erste Quartal vorgelegt und dabei einen hohen Verlust ausgewiesen. Gleichzeitig stimmten die Gewerkschaftsmitglieder der weltgrößten Fluglinie American Airlines über Gehaltskürzungen und damit über das weitere Schicksal des Unternehmens ab. Die Muttergesellschaft AMR hatte einen Insolvenzantrag für den Fall angekündigt, daß nicht sämtliche Gewerkschaften den Einschnitten von insgesamt 1,8 Milliarden Dollar zustimmen. Bis zum Redaktionsschluß dieser Ausgabe haben zwei große Gewerkschaftsgruppen - die Vereinigungen der Piloten und der Mechaniker - den Einsparungen zugestimmt. Die Entscheidung der Flugbegleiter stand noch aus.
Auch bei einer Zustimmung der Gewerkschaften muß ein Insolvenzantrag noch nicht endgültig abgewendet sein. Der AMR-Wirtschaftsprüfer Ernst & Young hat in dem am Dienstag bei der Börsenaufsicht SEC eingereichten Jahresabschluß die Überlebensfähigkeit der Fluglinie wegen signifikanter Verluste und des negativen Cash-flows in Frage gestellt.
Die amerikanische Flugindustrie wird wohl das schwächste Quartalsergebnis aller Zeiten ausweisen. Analysten erwarten für die Branche einen Verlust von insgesamt mehr als 3 Milliarden Dollar. Für den Rest des Jahres ist keine Besserung mehr absehbar. Daran wird auch das Ende des Krieges im Irak wenig ändern, der den Flugverkehr stark belastet hat. Die Branche leidet weiterhin unter ihren Überkapazitäten, hohen Benzinpreisen sowie dem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld. Darüber hinaus hält die Lungenkrankheit SARS viele Menschen vom Fliegen ab. Der Branchenverband Air Transport Association hat der amerikanischen Flugindustrie kürzlich einen Verlust von mehr als 10 Milliarden Dollar in diesem Jahr vorausgesagt. Allein in der ersten April-Woche gingen die Passagierzahlen amerikanischer Fluglinien gegenüber dem Vorjahr nach Angaben des Verbandes um mehr als 17 Prozent zurück. Die Branche hat schon seit den Terroranschlägen im September 2001 einen Verlust von insgesamt 18 Milliarden Dollar aufgehäuft. Die amerikanische Regierung hat der Flugindustrie kürzlich neue Finanzhilfen von 3 Milliarden Dollar zugesagt.
Continental meldete für das erste Quartal einen Verlust von 221 Millionen Dollar, rund ein Drittel mehr als noch vor einem Jahr. Das Unternehmen begründete den Verlust vor allem mit einem deutlichen Anstieg der Benzinpreise aufgrund des Krieges im Irak. Der Umsatzrückgang hielt sich bei 5 Prozent noch in Grenzen.
Unterdessen hat die drittgrößte amerikanische Fluggesellschaft Delta Air Lines am Dienstag ihre Billiglinie Song gestartet. Damit will das Unternehmen erfolgreichen Wettbewerbern wie Jetblue oder Southwest Konkurrenz machen, die im vergangenen Jahr einen Gewinn erzielt haben.