Am kommenden Mittwoch ist es so weit: Nach knapp sechs Jahren Planungs- und Bauzeit wird auf dem Frankfurter Flughafen die rund 700 Millionen Euro teure Erweiterung des Terminal 1 in Betrieb genommen. Der neue Flugsteig auf dem größten Drehkreuz in Deutschland steht exklusiv der Lufthansa AG und ihren Service-Partnern aus der „Star Alliance“ zur Verfügung. Er ist zudem auf die Abfertigung von Großraumflugzeugen wie dem A380 oder Boeings neuem Jumbojet 747-800 ausgelegt.
Der Neubau soll helfen, das geplante Wachstum des Flughafens zu ermöglichen. Allein durch die Erweiterung erhöht sich die Kapazität um rund sechs Millionen Passagiere im Jahr. Bis 2020 erwartet der Flughafenbetreiber Fraport AG bis zu 88 Millionen Passagiere im Jahr. Derzeit sind rund 65 Millionen. Anders als beim Großflughafen in Berlin, wo man nach einer Serie von Pannen hofft, den Eröffnungstermin im Herbst 2013 halten zu können, ist man in Frankfurt stolz darauf, mit nur einem halben Jahr Verzögerung zu eröffnen - und das skandalfrei.
Auch die Brandschutzanlagen, in Berlin ein großes Problem, wurden im ersten Anlauf abgenommen. Ein Grund dafür seien die rechtzeitige Planung und der enge Kontakt mit Bauaufsichtsbehörde und Branddirektion. Nach Durchläufen mit Testpassagieren im September kamen weitere Hinweisschilder hinzu, Techniker widmeten sich abermals der Stabilität von Rolltreppen, die Belastungstests nicht standgehalten hatten. Um eine Panne wie am Londoner Flughafen Heathrow zu vermeiden, wo beim Start des „Terminal Five“ im Jahr 2008 die Gepäcklaufbänder den Dienst versagten, sind diese in Frankfurt schon seit Ende 2011 fertig und seit acht Wochen in Betrieb.
Frankfurt schließt mit seiner Erweiterung zu europäischen Flughäfen wie London und Paris auf, die sich in den vergangenen Jahren deutlich vergrößert haben. Allerdings nicht immer störungsfrei, wie die Panne in London zeigte. 19 Jahre brauchte der dortige Betreiber BAA von der Idee bis zur Fertigstellung, unter anderem wegen langwieriger öffentlicher Anträge und technischen Verzögerungen.
Zusätzliche Kapazität von sechs Millionen Fluggästen im Jahr
Die Lufthansa, die sich mit rund 40 Millionen Euro am Bau der Lounges beteiligt hat, und Bauherr Fraport nennen den neuen Flugsteig „eine neue Dimension des Luftverkehrs“. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier sprach während der feierlichen Eröffnung am vergangenen Dienstag von einem Meilenstein: „Er sichert langfristig die Entwicklungschancen des Frankfurter Flughafens auf einem umkämpften Wachstumsmarkt.“
Die zusätzliche Kapazität von sechs Millionen Fluggästen im Jahr entspricht dem kompletten Passagieraufkommen des Flughafens Hannover. Durch den Einsatz von umweltfreundlichen Materialien und Technologien sollen 28 Prozent weniger CO2 ausgestoßen und 40 Prozent weniger Energie verbraucht werden. Für den Bau wurden 100000 Kubikmeter Beton verwendet - so viel wie für den Bau der Münchner Allianz-Arena. Mit seiner Bruttogeschossfläche von 185400 Quadratmetern ist der Gebäudekomplex so groß wie 25 Fußballfelder. Ein deutliches Signal an die Konkurrenz: Frankfurt soll „Einflugstor nach Europa“ sein.
Der neue 800 Meter lange Terminalbereich A-Plus bietet vier Ebenen: Im ersten Geschoss befinden sich das Vorfeld und die Gepäckabfertigung, die zweite Ebene ist für Ankunft und Abflug der Schengen-Flüge eingerichtet. Flüge aus Nicht-Schengen-Gebieten fliegen in Ebene 3 ab und kommen auf Ebene 4 an. Mit der Zusammenlegung aller Amerika-Flüge soll die Umsteigezeit von derzeit 60 auf 45 Minuten reduziert werden.
„Einkaufszentrum mit Landebahn“
Der Flugsteig A-Plus vervollständigt nun die im Oktober 2011 eröffnete Landebahn Nordwest. Mit den Erweiterungen sollen bis zu 126 Flugbewegungen je Stunde möglich sein. Unentbehrlich dafür sind die sieben zusätzlichen Abfertigungspositionen am neuen Flugsteig. Vier davon sind für Großraumflugzeuge wie den Airbus A380 ausgelegt, die anderen drei für Maschinen wie die Boeing 747-8 oder der A340. Das Besondere ist, dass alternativ zwei Kurzstrecken-Flugzeuge gleichzeitig an einer Position andocken können, falls eine der vier A380-Positionen nicht für die entsprechenden Maschinen genutzt wird.
Mit mehr als 60 Geschäften und Restaurants auf rund 12.000 Quadratmetern wird deutlich, warum der Fraport-Vorstandsvorsitzende Stefan Schulte den Flughafen als „Einkaufszentrum mit Landebahn“ bezeichnete. Die Läden befinden sich gerade in der für die Betreiber lukrativsten Zone, dem Airside-Bereich hinter den Kontrollen, in denen außereuropäische Flüge umsteigen. Eine Studie des Außenwerbers JCDecaux zeigt, dass 62 Prozent der Lufthansa-Gäste im Flugsteig A zu den sogenannten „Entscheidern“ gehören, 40 Prozent verfügen über ein durchschnittliches Haushaltsnettoeinkommen von mehr als 4000 Euro im Monat. Die Planer setzen darum auf eine klare Trennung zwischen den Ebenen: Während im Schengen-Bereich bekannte Marken für den Durchschnittsgeldbeutel angesiedelt wurden, sollen hochpreisige Luxusmarken vor allem Kunden aus Ländern wie Russland, Amerika und China zum Kauf animieren. Neu in Frankfurt ist der „Walk-Through Duty Free“: Unmittelbar hinter der Sicherheitskontrolle wird jeder Passagier auf dem Weg zu den Gates „zwangsweise“ durch den Duty-Free-Shop geleitet.
Mit der Vermietung von Laden- und Gastronomieflächen macht Fraport ein prächtiges Geschäft: Dieser Bereich sorgt zusammen mit den Parkeinnahmen für mehr als 60 Prozent des Gewinns - und macht dabei nur 20 Prozent des Umsatzes aus.
Danke ...
Peter Klopf (Buergermeinung)
- 05.10.2012, 10:40 Uhr
Kaum zuglauben das gegen sowas wird vor Gereicht verklagt
Gerard Ryan (Irishexiled)
- 03.10.2012, 21:19 Uhr