http://www.faz.net/-gqe-6u7wn
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 09.10.2011, 12:48 Uhr

Fluglotsenstreik An deutschen Flughäfen droht turbulente Woche

Wer in dieser Woche eine Flugreise plant, sollte sich auf Verzögerungen einstellen. Schon am Montag drohen lange Schlangen an den Abfertigungsschaltern, ab Mittwoch könnten die Fluglotsen streiken.

© Eilmes, Wolfgang Ab Montag drohen lange Schlangen an den deutschen Flughäfen

Den Passagieren an deutschen Flughäfen droht in dieser Woche eine nervenaufreibende Geduldsprobe. Bereits am Montag könnten sich an den Schaltern lange Schlangen bilden, weil Mitarbeiter der Bodenabfertigung an mehreren Airports Betriebsversammlungen planen. Ab Mittwoch droht dann ein Streik der Fluglotsen, der womöglich den gesamten Luftverkehr über Deutschland lahmlegt. Die Tarifkommission der Gewerkschaft der Flugsicherung will nach einer gescheiterten Schlichtung am Montagmittag tagen und über das weitere Vorgehen beraten. Die Fluggesellschaften blicken mit Sorge auf die nächsten Tage.

Der Ausstand würde nur unbeteiligte Dritte treffen, sagte eine Sprecherin der Lufthansa am Wochenende der Nachrichtenagentur dpa. „Alle entstehenden Kosten würden an die Fluggesellschaften weitergereicht werden.“ Der Arbeitgeber der Fluglotsen, die Deutsche Flugsicherung (DFS), könne als Monopolist durch einen Streik der Gewerkschaft wirtschaftlich nicht geschädigt werden. „Wir halten das Verhalten der Tarifpartner vor dem Hintergrund der gesamtwirtschaftlichen Lage für besonders verantwortungslos und völlig unverhältnismäßig“, empörte sich der Chef von Air Berlin, Hartmut Mehdorn. „Dieser Dissens muss am Verhandlungstisch gelöst werden.“

Mehr zum Thema

Zu einer einstündigen Betriebsversammlung des Bodenpersonals werden am Montag allein am größten deutschen Airport Frankfurt rund 2000 Teilnehmer erwartet. Die Lufthansa rechnet mit Störungen. Die Sprecherin empfahl Reisenden, sich vor dem Flug auf dem Internetportal der Fluggesellschaft über mögliche Verzögerungen zu informieren. Hintergrund ist ein Vorschlag der EU-Kommission für mehr Wettbewerb in der Bodenabfertigung. Die Gewerkschaft Verdi befürchtet dadurch Nachteile für die Beschäftigten.

„Schwarzer Tag“

Am Freitagabend hatten die Gewerkschaft der Flugsicherung und die DFS ihre Tarifgespräche für die rund 5000 Beschäftigten, darunter 1900 Fluglotsen, nach mehrwöchigen Schlichtungsversuchen abermals abgebrochen. Beide Seiten schoben sich anschließend gegenseitig die Schuld in die Schuhe. Nach Angaben der DFS scheiterten die Verhandlungen an den Gewerkschaftsforderungen nach umfangreichen Beförderungsmöglichkeiten für die Lotsen. Ein Gewerkschaftsvertreter erklärte hingegen, die Arbeitgeberseite habe zum Teil das Schlichtungsergebnis wieder infrage gestellt.

Das Aus für die Tarifverhandlungen bezeichnete die Lufthansa-Sprecherin als „schwarzen Tag“ vor allem für Passagiere und Fluggesellschaften. „Für uns wäre ein Streik unverhältnismäßig, und wir fordern die Tarifparteien auf, weiter gemeinsam am Verhandlungstisch nach Lösungen zu suchen.“ Die Fluglotsen-Gewerkschaft will bei einem Streik in der kommenden Woche nur für einige Stunden die Arbeit niederlegen. „Es wird hier keinen 24-Stunden-Streik wie in Griechenland geben“, sagte ein Gewerkschaftssprecher am Samstag. Beschlossen sei aber noch nichts. „Es gibt keine Abmachung, wann jetzt irgendetwas gemacht wird“, erklärte er. „Möglich wäre es am Mittwoch.“

Die Friedenspflicht nach Abbruch der Tarifgespräche endet am Montagabend, die Gewerkschaft kann dann Streiks mit einem Vorlauf von 24 Stunden ankündigen. „Dadurch wird die Welt nicht aufhören, sich zu drehen“, sagte der Gewerkschaftssprecher über mögliche Arbeitsniederlegungen der Fluglotsen. „Wie sollen wir unseren Forderungen sonst Nachdruck verleihen?“ Die Gewerkschaft geht davon aus, dass die Deutsche Flugsicherung wieder probieren wird, den Gerichtsweg einzuschlagen, sollte es zum Streik kommen. Arbeitsgerichte hatte jedoch bereits im August einen damals angekündigten Streik für rechtmäßig erachtet. Zu dem Ausstand war es aber nicht gekommen, weil ein Schlichter eingeschaltet wurde.

Quelle: DPA

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Tarifstreit mit Lufthansa Flugbegleiter nehmen Schlichtungsergebnis an

Der Tarifstreit zwischen der Lufthansa und ihren Flugbegleitern ist beigelegt. Ein anderer Konflikt schwillt aber weiter. Mehr

24.08.2016, 11:54 Uhr | Wirtschaft
Havanna Castro trifft iranischen Außenminister

Der kubanische Staatspräsident Raul Castro hat am Montag den Außenminister von Iran, Mohammad Javad Zarif, empfangen. Der Besuch in Havanna soll die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den beiden Staaten fördern. Kuba war die erste Station einer Südamerikareise, die Zarif auch nach Chile, Nicaragua, Bolivien und Venezuela führen wird. Mehr

23.08.2016, 14:09 Uhr | Politik
Finanzplanung Mitte fünfzig Wer sich den vorzeitigen Ruhestand leisten kann

Wann ist man alt genug für die Rente? Einige simple Kalkulationen zeigen, auf welche wichtigen Entscheidungen es wirklich ankommt. Damit der Ruhestand nicht teuer zu stehen kommt. Mehr Von Markus Frühauf

23.08.2016, 10:41 Uhr | Finanzen
Kulinarische Integration Koch dich türkisch!

Integration mal anders: Wie zwei Deutsch-Türken den Deutschen Köfte und andere Köstlichkeiten näher bringen. Mehr Von Canan Topçu

24.08.2016, 12:55 Uhr | Stil
Unternehmen bestätigt Volkswagen einigt sich im Streit mit Zulieferern

Nach gut 20 Stunden hat Volkswagen sich mit seinen Lieferanten geeinigt: Die Lieferanten wollen kurzfristig für Nachschub sorgen. Sonst ist Stillschweigen vereinbart. Eine andere brisante Konsequenz ist nun aber abgewendet. Mehr Von Carsten Germis, Hamburg

23.08.2016, 10:43 Uhr | Wirtschaft

Verbunden auf Gedeih und Verderb

Von Martin Gropp

Der Konflikt bei VW zeigt: Die Verbindung zwischen Zulieferern und Autoherstellern ist fragil – und kann sich im Streitfall zur Abhängigkeit entwickeln. Doch beide stehen gemeinsam in der Verantwortung. Mehr 2

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden

Grafik des Tages Welches Land wirtschaftet am besten?

Deutschland erzielt im ersten Halbjahr einen stattlichen Haushaltsüberschuss. Das können auch andere Länder. Mehr 4