Home
http://www.faz.net/-gqe-6u7wn
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
Digitale Exzellenz

Fluglotsenstreik An deutschen Flughäfen droht turbulente Woche

Wer in dieser Woche eine Flugreise plant, sollte sich auf Verzögerungen einstellen. Schon am Montag drohen lange Schlangen an den Abfertigungsschaltern, ab Mittwoch könnten die Fluglotsen streiken.

© Eilmes, Wolfgang Vergrößern Ab Montag drohen lange Schlangen an den deutschen Flughäfen

Den Passagieren an deutschen Flughäfen droht in dieser Woche eine nervenaufreibende Geduldsprobe. Bereits am Montag könnten sich an den Schaltern lange Schlangen bilden, weil Mitarbeiter der Bodenabfertigung an mehreren Airports Betriebsversammlungen planen. Ab Mittwoch droht dann ein Streik der Fluglotsen, der womöglich den gesamten Luftverkehr über Deutschland lahmlegt. Die Tarifkommission der Gewerkschaft der Flugsicherung will nach einer gescheiterten Schlichtung am Montagmittag tagen und über das weitere Vorgehen beraten. Die Fluggesellschaften blicken mit Sorge auf die nächsten Tage.

Der Ausstand würde nur unbeteiligte Dritte treffen, sagte eine Sprecherin der Lufthansa am Wochenende der Nachrichtenagentur dpa. „Alle entstehenden Kosten würden an die Fluggesellschaften weitergereicht werden.“ Der Arbeitgeber der Fluglotsen, die Deutsche Flugsicherung (DFS), könne als Monopolist durch einen Streik der Gewerkschaft wirtschaftlich nicht geschädigt werden. „Wir halten das Verhalten der Tarifpartner vor dem Hintergrund der gesamtwirtschaftlichen Lage für besonders verantwortungslos und völlig unverhältnismäßig“, empörte sich der Chef von Air Berlin, Hartmut Mehdorn. „Dieser Dissens muss am Verhandlungstisch gelöst werden.“

Mehr zum Thema

Zu einer einstündigen Betriebsversammlung des Bodenpersonals werden am Montag allein am größten deutschen Airport Frankfurt rund 2000 Teilnehmer erwartet. Die Lufthansa rechnet mit Störungen. Die Sprecherin empfahl Reisenden, sich vor dem Flug auf dem Internetportal der Fluggesellschaft über mögliche Verzögerungen zu informieren. Hintergrund ist ein Vorschlag der EU-Kommission für mehr Wettbewerb in der Bodenabfertigung. Die Gewerkschaft Verdi befürchtet dadurch Nachteile für die Beschäftigten.

„Schwarzer Tag“

Am Freitagabend hatten die Gewerkschaft der Flugsicherung und die DFS ihre Tarifgespräche für die rund 5000 Beschäftigten, darunter 1900 Fluglotsen, nach mehrwöchigen Schlichtungsversuchen abermals abgebrochen. Beide Seiten schoben sich anschließend gegenseitig die Schuld in die Schuhe. Nach Angaben der DFS scheiterten die Verhandlungen an den Gewerkschaftsforderungen nach umfangreichen Beförderungsmöglichkeiten für die Lotsen. Ein Gewerkschaftsvertreter erklärte hingegen, die Arbeitgeberseite habe zum Teil das Schlichtungsergebnis wieder infrage gestellt.

Das Aus für die Tarifverhandlungen bezeichnete die Lufthansa-Sprecherin als „schwarzen Tag“ vor allem für Passagiere und Fluggesellschaften. „Für uns wäre ein Streik unverhältnismäßig, und wir fordern die Tarifparteien auf, weiter gemeinsam am Verhandlungstisch nach Lösungen zu suchen.“ Die Fluglotsen-Gewerkschaft will bei einem Streik in der kommenden Woche nur für einige Stunden die Arbeit niederlegen. „Es wird hier keinen 24-Stunden-Streik wie in Griechenland geben“, sagte ein Gewerkschaftssprecher am Samstag. Beschlossen sei aber noch nichts. „Es gibt keine Abmachung, wann jetzt irgendetwas gemacht wird“, erklärte er. „Möglich wäre es am Mittwoch.“

Die Friedenspflicht nach Abbruch der Tarifgespräche endet am Montagabend, die Gewerkschaft kann dann Streiks mit einem Vorlauf von 24 Stunden ankündigen. „Dadurch wird die Welt nicht aufhören, sich zu drehen“, sagte der Gewerkschaftssprecher über mögliche Arbeitsniederlegungen der Fluglotsen. „Wie sollen wir unseren Forderungen sonst Nachdruck verleihen?“ Die Gewerkschaft geht davon aus, dass die Deutsche Flugsicherung wieder probieren wird, den Gerichtsweg einzuschlagen, sollte es zum Streik kommen. Arbeitsgerichte hatte jedoch bereits im August einen damals angekündigten Streik für rechtmäßig erachtet. Zu dem Ausstand war es aber nicht gekommen, weil ein Schlichter eingeschaltet wurde.

Quelle: DPA

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Tarifstreit Bahn will drohenden Streik noch abwenden

Die Lokführergewerkschaft GDL hat neue Streiks angekündigt. Die Deutsche Bahn will die noch abwenden. Ja, wir reden miteinander, sagt Personalvorstand Weber. Mehr

19.02.2015, 13:53 Uhr | Wirtschaft
Sicherheitspersonal-Streik Flughafen-Passagiere müssen lange warten

Der Streik des Sicherheitspersonals hat an deutschen Flughäfen für lange Schlangen mit Wartezeiten von bis zu zwei Stunden gesorgt. Nicht alle Passagiere hatten dafür Verständnis. Mehr

09.02.2015, 16:03 Uhr | Wirtschaft
Tarifstreit Vorerst keine Streiks bei der Bahn

Eigentlich wollte die Lokführergewerkschaft GDL in den nächsten Tagen streiken. Nun ist der Ausstand vorerst abgesagt. Mehr

23.02.2015, 15:11 Uhr | Wirtschaft
Mehr Geld gefordert Sicherheitspersonal an Flughäfen streikt

Die Gewerkschaft Verdi hat zu einem Streik des Sicherheitspersonals an deutschen Flughäfen aufgerufen. Sie fordert mehr Geld für die Beschäftigten der Branche. Viele Fluggäste werden die Sicherheitskontrollen wohl nicht rechtzeitig passieren, um ihren Flug zu erwischen. Mehr

09.02.2015, 10:46 Uhr | Wirtschaft
Bahn Heute entscheiden die Lokführer über Streik

In den nächsten Tagen könnte es wieder losgehen. Die Lokführer drohen mit 100 Stunden Streik - und die ersten Beschlüsse dazu wollen sie heute fassen. Mehr

18.02.2015, 11:48 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 09.10.2011, 12:48 Uhr

Gefühlt belästigt

Von Sven Astheimer

Jeder Zweite hat am Arbeitsplatz schon sexuelle Belästigung erlebt oder beobachtet, sagt die Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Die Arbeitgeber müssen künftig noch sensibler werden. Frauenberatungsstellen sehen die Wirtschaft aber schon auf gutem Weg. Mehr 3


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Was binnen einer Minute im Internet passiert

4 Millionen Suchanfragen bei Google, 277.000 Tweets, 100.000 Freundschaftsanfragen bei Facebook: Hätten Sie gewusst, was binnen einer Minute im Internet passiert? Unsere Grafik des Tages zeigt es. Mehr 6

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden