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Dienstag, 18. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Flugbegleiter Neue Streiks bei Lufthansa

 ·  Die Gewerkschaft der Flugbegleiter bei Lufthansa hat neue Streiks angekündigt - aber nicht an diesem Sonntag. Das Unternehmen geht von einem Schaden in Millionenhöhe aus. Auch am Samstag wurden 18 Flüge gestrichen.

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© dapd Die Leidtragenden des Streiks: Zur Geduld gezwungene Flugreisende

Fluggäste von Lufthansa müssen in den kommenden Tagen mit abermaligen massiven Flugausfällen rechnen. Nachdem die Fluggesellschaft ein neues Tarifangebot an die Flugbegleiter abgelehnt hatte, kündigte die Gewerkschaft neue Arbeitsniederlegungen an. Sie schloss sie nur für diesen Sonntag aus. „Wir werden einen Tag vorher sagen, an welchem Tag wir streiken, und sechs Stunden vorher, wo und zu welcher Uhrzeit“, sagte Gewerkschaftschef Nicoley Baublies.

Der nächste Streik werde länger als der erste achtstündige am Freitag dauern und andere Flughäfen neben Frankfurt einbeziehen. Betroffene Passagiere können kostenlos umbuchen, stornieren oder mit der Bahn reisen. Dafür erhalten sie online oder an den Lufthansa-Automaten einen Gutschein. Hilfe gibt es unter 0800-8 50 60 70 und auf der Lufthansa-Seite im Internet. In Gewerkschaftskreisen hieß es, die Arbeitnehmer hätten in den Verhandlungen sogar eine Schlichtung angeboten, was von der Lufthansa aber abgelehnt worden sei.

Die Gesellschaft geht von einem Millionenschaden durch den Flugbegleiterstreik aus. Unternehmenssprecher Michael Lamberty sagte am Samstag, genaue Zahlen seien noch nicht bekannt. Die Kosten liefen an verschiedenen Orten auf. Aber durch den Dominoeffekt, den der Streik ausgelöst habe, sei das „eine Größenordnung, die man ansetzen muss“.

Auch am Samstag musste die Lufthansa noch 18 Flüge streichen, obwohl die Stewards und Stewardessen ihren Ausstand am Rhein-Main-Flughafen am Freitag um 13.00 Uhr MESZ beendet hatten.

Im Transit gestrandet

Die Zahl der Gäste, die die Nacht im Flughafen auf Feldbetten verbringen mussten, korrigierte die Lufthansa nach unten. Es habe sich um rund 350 Passagiere gehandelt. Ursprünglich war von 1000 die Rede. Diese Fluggäste hatten keine Visa für Deutschland und saßen im Transitbereich des Flughafens fest. „Wir haben sie mit Getränken und Essen versorgt“, sagte Lamberty. Andere Passagiere seien in Hotels untergebracht worden.

Wegen des Tarifstreits waren in Deutschland und Europa Hunderte Flüge ausgefallen, Tausende Passagiere saßen fest. Der Arbeitskampf des Bordpersonals wirkte sich auch auf Flughäfen in Europa aus. Die Lufthansa meldete rund 190 Ausfälle.

Die Gewerkschaft hatte die Lufthansa am Freitag zum ersten Mal für acht Stunden bestreikt - zunächst nur am Frankfurter Flughafen. Ufo hatte am Dienstag nach dem Scheitern langwieriger Verhandlungen den Streik ausgerufen, dem die Mitglieder schon vorab zugestimmt hatten. Ein Ufo-Sprecher hatte von einem „Riesenerfolg“ gesprochen und „sehr bald weitere Streikmaßnahmen“ angekündigt. „Und zwar so lange, bis die Lufthansa sich eines Besseren besinnt.“

Die Verhandlungen dauern schon 13 Monate. Nach drei Jahren Nullrunden fordert Ufo neben fünf Prozent höheren Entgelten auch das Ende der Leiharbeit und Schutz gegen die Auslagerung von Jobs. Lufthansa plant mittelfristige Einsparungen bei den Personalkosten und will dafür unter anderem die Beförderungsstufen strecken.

Der Plan der Gewerkschaft sieht vor, zunächst nur an einzelnen Standorten in Deutschland zu streiken, die wegen der Vernetzung des Flugverkehrs schnell andernorts Auswirkungen haben könnten. Die Hoffnung: Lufthansa soll ein verbessertes Angebot vorlegen. Anderenfalls hatte Gewerkschaftschef Nicoley Baublies mit einer härteren Gangart gedroht: „Sollte das nicht passieren, haben wir auch flächendeckende und dauerhafte Streiks in der Schublade.“

Die Lufthansa hatte die Gewerkschaft bereits am Freitag aufgefordert, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Das von der Airline vorgelegte Angebot sei dafür eine ausreichende Grundlage. Die Lufthansa AG habe 3,5 Prozent mehr Gehalt und den Verzicht auf Leiharbeit und betriebsbedingte Kündigungen angeboten, sagte ein Lufthansasprecher. „Wir denken, das ist eine gute Basis, zu verhandeln.“

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