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Finanzzentren Weltstadt am Main

Frankfurt kann London das Wasser nicht reichen - das macht das Hin und Her um die Deutsche Bank wieder klar. Dennoch ist die Stadt eine "Global City".

© Vergrößern Eine Demontage des Finanzplatzes droht nicht

Gerne stellt sich Frankfurt als echte Weltmetropole dar, schließlich stehen hier die höchsten Bankentürme Europas, starten und landen am hässlichen Großflughafen so viele Flieger wie sonst nur noch in Paris oder London. Als seinerzeit der Zuschlag für die Europäische Zentralbank an den Main ging, gab es kein Halten im regionalen Größenwahn. Sogar die Vormacht von London als wichtigster europäischer Finanzplatz schien in Frage gestellt.

Doch seit einiger Zeit ist Ernüchterung eingetreten. Im Geschacher um die europäische Leitbörse der Zukunft ist die Deutsche Börse nach einigen Anfangserfolgen ein wenig ins Hintertreffen geraten und auch die Banken backen wieder kleinere Brötchen. Zwar ist Frankfurt zweifelsohne Deutschlands wichtigster Finanzplatz, doch im internationalen Vergleich kann es London einfach nicht das Wasser reichen. Wo die Musik wirklich spielt, ist in der Diskussion um die Zukunft der Deutschen Bank noch mal schmerzhaft deutlich geworden.

Frankfurt ist doch erste Liga

Just in diesen schwärzesten Stunden des angeknacksten Lokalpatriotismus legt ein deutsch-britisches Forschungsteam eine Studie vor, die wie Balsam für die geschundene Frankfurter Seele wirkt. Denn siehe da, so schlimm ist es um Frankfurt doch nicht bestellt. Immerhin auf den 14. Platz der weltweit am vernetztesten Städte haben die Forscher Frankfurt gehievt - damit gehört die Mainmetropole zur ersten Liga globalisierter Städte und darf sich in einem Atemzug mit Mailand, Tokio, Sydney oder Sao Paulo nennen. Unangefochtene Spitzenreiter und eine Klasse für sich sind freilich London und New York.

Ausgehend von einer Definition der „Weltstadt“ als Teil eines weltweiten Städte-Netzwerkes haben die Forscher um Professor Peter Taylor untersucht, wie präsent die eigentlichen Netzwerk-Schöpfer, die globalen Dienstleistungsunternehmen, in den einzelnen Städten sind. Während in London 99 der von den Forschern ausgemachten Top-100 Firmen aus den Branchen Banken, Versicherungen, Unternehmensberatung, Werbung und Wirtschaftsprüfung vertreten sind, haben immerhin 70 dieser Firmen ihre Büros am Main.

"Der Krieg ist vorbei"

Qualitative Grundlage der Studie bilden zahlreiche Interviews, die in den Jahren 2000 und 2001 parallel in Frankfurt und London mit hochrangigen Entscheidungsträgern dieser Unternehmen und weiteren Institutionen geführt wurden. Dabei kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass aufgrund der Firmen-Netzwerke viel eher eine Kooperation als eine Konfrontation beider Städte besteht. “Gute Nachrichten - der Krieg ist vorbei“, brachte Ray Cunningham von der Anglo-German Foundation, die die Studie in Auftrag gab, die Erkenntnisse auf den Punkt.

Die Stärkung des einen Standortes müsse nicht zwangsweise auf Kosten des anderen erfolgen, es gebe hierbei kein Nullsummenspiel. „Was gut ist für London, ist auch gut für Frankfurt und umgekehrt“, plädierte Taylor für eine entspanntere Sicht der vermeintlichen Rivalität.

Wimbledonisierung Londons

Entgegen den Hoffnungen Frankfurts hat die Einführung des Euro den Wissenschaftlern zufolge nicht zu einem Bedeutungsverlust Londons geführt, die Stadt an der Themse bleibt unangefochten das wichtigste Finanzzentrum Europas. Und das obwohl Großbritannien zumindest im Bankenbereich kaum eigene, also britische „Global Player“ vorweisen kann. Das Phänomen, ohne eigene Star-Player Tummelplatz der Welt-Elite zu sein, bezeichnen die Forscher als „Wimbledonisierung“.

Wie sich London zum europaweit wichtigsten Finanzplatz und zur Weltstadt schlechthin gemausert hat, ist für sie Folge einer Reihe von günstigen Umständen. Dazu gehören Sprache, Geschichte und Kultur, die die Stadt an der Themse den nach Expansion dürstenden amerikanischen Investmentbanken als bevorzugten Ort für ihre Europa-Zentrale erscheinen lassen. Dazu gehört aber auch die Konzentration an hochspezialisiertem Wissen und Netzwerken, das für viele Firmen entscheidender ist, als die geographische Nähe zu Kunden.

Insofern ist es für Taylor nur folgerichtig, dass die Deutsche Bank ähnlich wie die anderen deutschen Banken einen immer größeren Teil ihres internationalen Geschäfts nach London verlegt. Doch als kleinen Trost schickt er hinterher: „Letztlich profitiert davon auch wieder Frankfurt."

Quelle: @mey

 
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