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„Finanzsektor maßlos aufgebläht“ Das „Wunder“ der Banker

Durch riskantes Vorgehen erreichten Banker rasendes Wachstum und steigende Renditen. Dies kritisieren Ökonomen in einer neuen Studie der Bank of England. Der wirkliche Beitrag des Sektors zum Wohlstand werde demnach weit überschätzt.

© AFP Vergrößern In vielen Metropolen, so auch in London, beherrschen heute die Wolkenkratzer der Hochfinanz die Skyline

Als die Bank von England, damals die private Bank des britischen Königs, im frühen achtzehnten Jahrhundert ein erstes eigenes Gebäude in der Threadneedle Street errichtete, war dies zwar stattlich, mit einer tempelartigen Fassade, doch keineswegs dominant in der City. Das überragende Gebäude blieb die nahe St.-Paul's- Kathedrale. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg war die Kirche mit 111 Metern das größte Gebäude der Stadt. Erst in den sechziger Jahren wurden höhere Bürowolkenkratzer errichtet. Inzwischen überragen ein Dutzend Geschäfts- und Bankentürme die Kathedrale. In vielen Metropolen beherrschen heute die Türme der Hochfinanz die Skyline.

Philip Plickert Folgen:    

Woher kommt das enorme Wachstum des Finanzsektors, das sich auch architektonisch zeigt? Was ermöglicht die angeblich so starke Wertschöpfung? „Wunder oder Illusion?“ Unter diesem Titel haben drei Ökonomen der Bank of England, darunter Andrew Haldane, der oberste Fachmann für Finanzstabilität, soeben eine Studie veröffentlicht, die sich äußerst kritisch mit dem volkswirtschaftlichen Beitrag des Finanzsektors beschäftigt. Ihre These: Der Finanzsektor sei maßlos aufgebläht. Es gab kein „Produktivitätswunder“, wie vielfach behauptet, sondern eine systematische Unterschätzung von Risiken. Daraus folgten Scheingewinne ohne volkswirtschaftlichen Wert.

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Rasender Wachstum des Finanzsektors

Die Zahlen zum raschen Wachstum der Banken in den vergangenen drei Jahrzehnten, die Haldane präsentiert, beeindrucken: Während sich die Wirtschaftsleistung im Vereinigten Königreich zwischen 1980 und 2008 verdoppelte, schaffte der Finanzsektor eine Verdreifachung. Sein Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg von 5 auf 8 Prozent. Von den späten vierziger bis in die siebziger Jahre machten die Bruttogewinne des Finanzsektors durchschnittlich 1,5 Prozent aller Gewinne aus, 2008 waren es 15 Prozent.

Bank of England © AP Vergrößern Die Bank von England in London - drei Ökonomen, die hier arbeiten, erstellten die neue Studie „Wunder oder Illusion”

In den Vereinigten Staaten gab es eine ähnliche Entwicklung: Dort wuchs der Anteil des Finanzsektors von 2 auf heute 8 Prozent des BIP. Nach Daten des „Banker Magazine“ berichteten die tausend größten Banken der Welt 2007/2008, kurz vor der großen Krise, insgesamt fast 800 Milliarden Dollar Gewinne - 150 Prozent mehr als zur Jahrtausendwende.

Was wertvoll schien, war oft Illusion

Doch was ist Gold, was ist Katzengold in den Bilanzen? Viele „Werte“ entpuppten sich in der Krise als Illusion. Und auch der volkswirtschaftliche Beitrag der Banken, ihre „Bruttowertschöpfung“, sei nach der gängigen Messung grob überzeichnet, meint Haldane. Theoretisch kann man das BIP auf drei Arten berechnen: über die Entstehung, die Verwendung oder die Verteilung. Bei der letzten Methode wird von den Gehältern und Boni sowie den Gewinnen im Finanzsektor auf seinen volkswirtschaftlichen Beitrag geschlossen. Das ist aber recht trivial und ökonomisch wenig aussagekräftig.

Anspruchsvoller ist eine Berechnung über die Entstehungsseite des BIP. Dabei kommt es auf die Wertschöpfung an. Bei vielen Bankgeschäften, etwa einer Überweisung oder eine Beratung, ergibt sich die Wertschöpfung aus den Gebühren, die der Kunde zahlt, abzüglich der Kosten der Bank für Personal, Mieten, IT-Infrastruktur und andere Ausgaben.

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