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Finanzmarkt Zinsen auf historischem Tief

09.02.2005 ·  Die Renditen deutscher Bundesanleihen sind vorübergehend auf einen historischen Tiefstand gefallen. Zehnjahresrendite werfen nur noch 3,44 Prozent Zins ab. Grund: niedrige Inflation und viel Liquidität.

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Die Renditen deutscher Bundesanleihen sind zur Wochenmitte vorübergehend auf einen historischen Tiefstand gefallen. Zehnjährige Staatspapiere warfen zeitweise nur noch 3,44 Prozent Zins ab - so wenig wie nie zuvor seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Auch Bundesanleihen mit dreißigjähriger Laufzeit verzeichneten mit einer Rendite von zeitweilig nur noch 3,82 Prozent ein Rekordtief.

An den Finanzmärkten hat der Zinsverfall ein gemischtes Echo ausgelöst: Unternehmen, die Kredit aufnehmen müssen, freuen sich über die einmalig günstigen Finanzierungskonditionen. Demgegenüber stöhnen institutionelle Daueranleger. Für Lebensversicherer wird es zusehends schwierig, den vorgeschriebenen Garantiezins von 2,75 Prozent zu erwirtschaften.

Globalisierung engt Unternehmen ein

Fachleute bieten ganz unterschiedliche Erklärungen für den Zinsrückgang. Jose Manuel Gonzalez-Paramo vom Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB) hat unlängst argumentiert, daß es den Notenbanken rund um den Globus gelungen sei, die Inflationserwartungen niedrig zu halten. Das zahle sich nun in niedrigen Zinsen hierzulande, aber auch in Amerika, Japan und anderen Ländern aus. Hinzu komme, daß die Globalisierung den Wettbewerb verschärft habe. Das hat den Spielraum der Unternehmen und Gewerkschaften eingeengt, Preiserhöhungen und Lohnsteigerungen durchzusetzen.

Demgegenüber erklärt Christoph Balz, ein Volkswirt bei der Commerzbank, den Rückgang der Renditen damit, daß viel Liquidität an den Märkten sei, die nach Anlage suche. Hintergrund ist, daß die großen Notenbanken seit Platzen der Aktienhausse zu Beginn des Jahrzehnts ihre Leitzinsen auf historisch niedriges Niveau heruntergeschleust haben, um einer Deflation vorzubeugen. Zudem haben asiatische Notenbanken zur Stabilisierung ihrer Wechselkurse in letzter Zeit dreistellige Milliardenbeträge an Dollar aufgekauft, was die umlaufende Liquidität ebenfalls erhöht hat. Anleger wie zum Beispiel Hedgefonds nutzen die niedrigen kurzfristigen Zinsen, um Kredite aufzunehmen und diese Beträge in höher rentierlichen Anlageformen anzulegen. Das hat unter anderem auch die Kurse der Staatsanleihen nach oben getrieben - und deren Renditen nach unten.

„Kursrisiken werden unterschätzt“

Auf der „Jagd nach Rendite“ fragten Pensionskassen und Versicherer verstärkt zehn- und dreißigjährige Bundesanleihen nach, da diese etwas höhere Zinsen böten als Papiere mit kürzerer Laufzeit, hat Kornelius Purps beobachtet, ein Anleiheexperte bei der Hypo-Vereinsbank. Das Risiko für eine baldige Anhebung des Euro-Leitzinses und einen allgemeinen Zinsanstieg werde wegen der eher umwölkten Konjunkturaussichten im Euro-Raum weithin als gering eingeschätzt. Purps erwartet, daß die Zehnjahresrendite in nächster Zeit noch auf 3,30 bis 3,25 Prozent fällt, zur Jahresmitte aber wieder bei 3,75 bis 4 Prozent liegt.

Vielfach würden die Kursrisiken unterschätzt, warnt Balz. Würde der Marktzins nur um 0,5 Prozentpunkte auf 3,94 Prozent steigen, hätte dies für die zehnjährige Bundesanleihe einen Kursverlust von 4,1 Prozent zur Folge - mithin würde dann der Kursverlust die Jahreszinseinnahme übersteigen. Wilfried Hauck, Chef des Beratungsunternehmens Allianz Global Investors Advisory, spricht vor diesem Hintergrund von einer „definitiv schwierigen Situation“ für Anleger mit dauerhaftem Anlagebedarf. Ein Ausweg bestehe darin, auf höher verzinsliche - aber auch riskantere - Anlageformen auszuweichen, zum Beispiel in CDO-Wertpapiere, in denen Banken Unternehmenskredite gebündelt und verbrieft haben. Die Suche der Anleger nach höheren Renditen nutzend, erwägt die französische Regierung, eine Staatsanleihe mit fünfzigjähriger Laufzeit aufzulegen.

Quelle: bf., F.A.Z., 10.02.2005, Nr. 34 / Seite 13
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