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Finanzmarkt Je reicher, desto moralischer

20.08.2005 ·  Die Erfahrgung sagt: Je reicher der Anleger, desto ethischer das Investment. Allerdings liegt der Anteil von Kunden mit moralischen Ansprüchen beim Investment im Promillebereich.

Von Patrick Bernau und Bettina Weiguny
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Je reicher der Anleger, desto ethischer das Investment. Diese Erfahrung hat zumindest Markus Hampel gemacht. Mit seinen Partnern bei Portfolio Consulting verwaltet er die Vermögen von rund 90 Kunden, pro Mandant im Durchschnitt rund 30 Millionen Euro. Doch nur die reichsten stecken ihr Geld in ethisch korrekte Anlageformen. Seine Erfahrung: „Je größer das Vermögen eines Investors ist, desto eher hat er die Freiheit, auch mal in ein Investment zu gehen, bei dem die Ethik und nicht die Rendite im Vordergrund steht.“

Die Brenninkmeijers können sich das leisten, denn sie gehören zu den reichsten Familien der Welt. Über fünf Generationen haben die Textilerben einen Weltkonzern aufgebaut, der viel mehr ist als „nur“ C&A. Seit zwanzig, dreißig Jahren mischen sie auch im Private-Equity-Geschäft mit. Und da „Verantwortungsbewußtsein gegenüber anderen“ bei der streng katholischen Familie großgeschrieben wird, wie Stephen Brenninkmeijer betont, gibt es einen „Entrepreneurs-Fonds“.

Vernünftige Rendite muß sein

Diese Beteiligungsgesellschaft knüpft ihre Investitionen an soziale und ökologische Bedingungen. Marcel Brenninkmeijer beispielsweise investiert bei seinem „Good Energies“-Fonds in erneuerbare Energien, vor allem in Unternehmen, die sich auf Solar- und Windenergie spezialisiert haben. Stephen Brenninkmeijers „Andromeda“-Fonds fördert Projekte in der Dritten Welt. Er vergibt beispielsweise Kleinstkredite an Menschen in Entwicklungsländern, die wegen mangelnder Sicherheiten bei keiner Bank Geld bekommen.

Von Brenninkmeijer erhalten sie ein Startkapital für ein Unternehmen. Meist handelt es sich nur um ein paar hundert Dollar. „Nur durch ein starkes Unternehmertum können diese Märkte wachsen“, sagt der 48jährige. Brenninkmeijer will mit der Kreditvergabe aber auch Geld verdienen. „Ich bin nicht der Weihnachtsmann“, sagt er. „Wir achten auf eine vernünftige Rendite bei unseren Geschäften.“ Sein Ziel sind „15 Prozent Return on Investment im Jahr“.

Stifter als Vorstand

Für reine Wohltätigkeit haben die Textilerben zahlreiche Stiftungen eingerichtet, von denen besonders die katholische Kirche und ihre Einrichtungen sowie Forschung und Wissenschaft profitieren. Beim Deutschland-Besuch von Papst Johannes Paul II. beispielsweise hat die Familie Brenninkmeijer für die Sicherheitsvorkehrungen gespendet.

Wie die Brenninkmeijers arbeiten auch andere Menschen, die viel Geld anzulegen haben. Davon können Manager von „Family Offices“ erzählen, die wohlhabenden Familien die Vermögensverwaltung abnehmen - zum Beispiel Maximilian Werkmüller von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Viele Kunden zielten beim Investieren auf eine hohe Rendite und steckten das Gewonnene nachher in wohltätige Projekte. Stiftungen seien dabei ein gerne gewähltes Mittel: „Darin ist der Stifter dann typischerweise Vorstand und kann darauf achten, daß sein Geld so verwendet wird, wie er es möchte.“

Was ist moralisch korrekt?

Damit für solche Stiftungen möglichst viel bleibt, rät Werkmüller zur Vorsicht, wenn seine Kunden bestimmte Anlagen aus dem Depot ausschließen wollen. Meist basierten solche Anforderungen ohnehin nicht auf guter Moral, sondern auf schlechten Erfahrungen: „Der Anteil von Kunden mit ethischen Ansprüchen beim Investment liegt im Promillebereich.“

Diese Kunden haben aber ganz unterschiedliche Vorstellungen davon, was moralisch korrekt ist. Der eine will nicht in Staaten investieren, die Kinderarbeit zulassen. Ein anderer möchte, daß keines seiner Unternehmen auch nur eine Schraube für den Waffen- oder Panzerbau liefert. Und der dritte steckt sein Geld nicht in Firmen, die krebserregende Mittel nutzen.

Dabei sind viele Entscheidungen schwierig. Ein „Family-Offices“-Manager hat lange überlegt, ob er den Zweitmarkt für Lebensversicherungen verwerflich finden soll. Das Problem: Auf diesem Markt verkaufen Menschen ihre Altersvorsorge, weil sie dringend Geld brauchen. Der Manager entschied sich dennoch dafür, in diesem Markt Lebensversicherungen zu kaufen. „Natürlich werden dabei Notleidende ausgenützt“, sagt er. „Aber wenn sie ihre Ansprüche an den Versicherer zurückverkaufen müßten, würden sie sich sehr viel schlechter stellen.“

Lege dein Geld an in Aktien von Unternehmen, die

auf Kinderarbeit verzichten

eine hohe Arbeitssicherheit gewährleisten

die Weiterbildung der Mitarbeiter fördern

die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft tolerieren

Kinder in der Werbung nicht zum Rauchen oder Trinken verleiten

energiesparend arbeiten

offen mit der Öffentlichkeit kommunizieren

eine gute Unternehmenskontrolle (Corporate Governance) haben

sich nicht an Korruption beteiligen

nicht an unethischen Produkten wie Rüstung und Waffen, Kernkraft, Alkohol oder Glücksspiel verdienen; und wenn doch, dann nur in die Firmen, die hohe Standards einhalten.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 21.08.2005, Nr. 33 / Seite 47
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