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Finanzmärkte Das Schrumpfen hat seinen Preis

 ·  Die Krise im Euroraum beeinträchtigt die Finanzmärkte. Überdimensionierte Banken schrumpfen zu einer gesünderen Größe. Doch alles hat seinen Preis.

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© Schmitt, Felix Bankentürme in Frankfurt

Die derzeit auf eine Schwäche der Konjunktur deutenden Signale in der Welt finden eine Entsprechung in zwei Entwicklungen an den Finanzmärkten, die sich als doppelte Desintegration bezeichnen lassen. Ihre Folgen können für die wirtschaftliche Entwicklung unmöglich vorteilhaft sein. Zum einen ist in der Europäischen Währungsunion eine Renationalisierung der Finanzmärkte trotz gemeinsamer Währung und gemeinsamer Zentralbank unverkennbar. Zum anderen wirft die Reduzierung internationaler und hier vor allem auf Dollar lautender Geschäfte kontinentaleuropäischer Banker Fragen nach der künftigen Finanzierung der Handelsbeziehungen vor allem zwischen Industrienationen und Schwellenländern auf.

In der Währungsunion hat die Renationalisierung der Finanzmärkte vor allem die Geld- und Staatsanleihenmärkte ergriffen, zu einem geringeren Teil auch die Aktienmärkte. Natürlich gibt es immer noch grenzüberschreitende Kapitalbewegungen: So kehrt sich die Kapitalverlagerung vom Norden in den Süden, die vor der Krise zu beobachten war, seit einiger Zeit um. Kapital strömt von Süden nach Norden und trägt damit zur durchaus nicht unwillkommenen Reduzierung der Leistungsbilanzen bei.

Das gegenseitige Misstrauen der Banken ist noch immer erheblich

Auf dem Geldmarkt - das ist der Markt für kurzfristige Kredite und Anlagen zwischen Banken und anderen Großanlegern - sieht es dagegen trostlos aus. Vor der Krise verlief der Ausgleich zwischen Überschüssen und Defiziten einzelner Banken im Geldverkehr in der Währungsunion störungsfrei ab. Im Nachhinein wird man für diese Zeit sogar ein übertriebenes Maß an Sorglosigkeit im Umgang der Banken miteinander konstatieren dürfen. Mit dem Untergang von Lehman Brothers und dem Ausbruch der Krise im Euroraum hat das Misstrauen der Banken untereinander erheblich zugenommen und geradezu extreme Ausmaße angenommen. Vielen Banken vor allem im Süden ist der Zugang zum europäischen Geldmarkt versperrt. Sie hängen am Tropf der Europäischen Zentralbank, die den Banken durch ihre jeweilige nationale Zentralbank Geld zuteilt. Eine dringend notwendige Gesundung des Geldmarkts setzt die Gesundung der Bankbranche voraus. Diese schließt den Marktaustritt überschuldeter Häuser ohne Geschäftsmodell ein.

Die Renationalisierung der Staatsanleihemärkten

Auf den Staatsanleihemärkten ist der Prozess der Renationalisierung vor allem im Süden ersichtlich. Heute werden nur noch rund 20 Prozent der spanischen Staatspapiere von Ausländern gehalten. Noch im vergangenen Jahr lag der Anteil etwa doppelt so hoch. Der Rückzug ausländischer Investoren hat dazu geführt, dass inländische Anleger, und hier nicht zuletzt die mit billigem Geld der Zentralbank aufgepäppelten Banken, ihre Bestände an Staatsanleihen ausgeweitet haben. Dadurch sind die Risiken von Staaten und Banken noch enger miteinander verwoben als früher. Unterstützt wird der Trend zur Renationalisierung der Anleihemärkte auch in anderen Ländern wie Frankreich und Großbritannien durch staatliche Anlagevorschriften, die heimische Großanleger zu Käufen von Anleihen des eigenen Landes veranlassen. Alle diese Eingriffe tragen zur Fehlallokation von Geldern bei.

Während der Trend zur Desintegration in Kontinentaleuropa unverkennbar ist, bleibt er auf globaler Ebene bislang mehr Prognose als Fakt. Sorgen sind jedoch vernehmbar. So hat der Co-Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank Jürgen Fitschen, rückläufige Dollargeschäfte europäischer Banken konstatiert und nachteilige Folgen für Branchen wie den Flugzeug- und Schiffbau sowie internationale Handelsfinanzierungen in Aussicht gestellt.

Euroraum-Banken reduzieren Dollargeschäfte

Im vergangenen Jahrzehnt haben europäische Banken ihr Geschäftsvolumen in Dollar erheblich ausgeweitet und damit an der Dynamik der Weltwirtschaft teilzuhaben versucht. Dies gilt besonders für französische und britische Banken, aber auch für andere europäische Häuser. Refinanziert wurden diese Dollarkredite an Kunden unter anderem durch den Verkauf kurzfristiger eigener Dollar-Wertpapiere an amerikanische Großanleger.

Man kann die Entwicklung sehr gut anhand der französischen Banken zeigen. Sie besaßen im Jahre 2002 Forderungen über 200 Milliarden Dollar gegenüber Kunden in Amerika in ihren Büchern. Als Ergebnis einer ungezügelten Expansionspolitik betrugen die Forderungen im Jahr 2008 schon 800 Milliarden Dollar. Seit dem Ausbruch der Krise sehen sich viele Banken gezwungen, ihre Geschäfte deutlich zu reduzieren. So beliefen sich die Forderungen Pariser Banken Ende 2011 nurmehr auf gut 500 Milliarden Dollar.

Diese Schrumpfungsprozesse sind nicht beendet. Es ist grundsätzlich sehr positiv, wenn ehemals überdimensionierte Banken wieder zu einer gesünderen Größe finden. Aber alles hat seinen Preis. Der Rückzug von Euroraum-Banken aus Dollargeschäften stellt die Frage nach der künftigen reibungslosen Finanzierung des Welthandels. Große Unternehmenskunden können Dollaranleihen ausgeben, amerikanische und asiatische Banken die europäischen Finanziers zumindest zum Teil ersetzen. Friktionen, die gerade in der augenblicklichen Lage der Konjunktur unwillkommen wären, sind aber nicht auszuschließen.

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Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

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