13.07.2008 · In Amerika spricht man vom größten Banken-Crash seit 1984, nachdem am Freitagabend eine Bausparbank zusammenbrach. Schlimmer noch ist, dass dort gerade zwei riesige Hypothekenbanken vor dem Kollaps stehen - und dass es der Staat war, der ihre Kunden geradezu ins Schlamassel lockte.
Von Rainer HankEs gab schon schönere Zeiten für Anleger. Zum Beispiel genau vor einem Jahr, am 13. Juli 2007. An diesem Tag notierte der Deutsche Aktienindex Dax mit über 8000 auf dem höchsten Stand aller Zeiten. Davon sind heute gerade einmal gut 6000 Punkte übrig geblieben.
„Hypothekenkrise“ nennt man - reichlich abstrakt - den Schurken, der den Wertverfall in den Depots der Anleger auf der ganzen Welt zu verantworten hat. Was das konkret bedeutet, lehrt einmal mehr ein Blick nach Amerika.
Größter Banken-Crash seit einem Vierteljahrhundert
Dort spricht man vom größten Banken-Crash seit einem Vierteljahrhundert, nachdem in der Nacht zum Samstag eine kalifornische Bausparbank zusammenbrach. Schlimmer noch ist, dass dort gerade Fannie Mae und Freddie Mac, zwei riesige, hierzulande völlig unbekannte Hypothekenbanken, vor dem Kollaps stehen, die mit einer Summe über fünf Billionen Dollar die Hälfte aller amerikanischen Hypothekenkredite garantieren.
Die Ansicht ist in Amerika weit verbreitet, der Staat dürfe Fannie und Freddie nicht pleitegehen lassen und müsse notfalls deren Schulden selber stemmen. Diese Erwartung ist der Grund, warum so viele Häuserbauer derart sorglos - ohne Eigenkapital und ohne Sicherheit - unabsehbare Risiken eingegangen sind.
Die nächste Blase wird schon vorbereitet
Der Staat hat sie dorthin gelockt. Jetzt soll er dafür haften und sie rauspauken. Damit wird die nächste Blase an den Märkten schon vorbereitet. Solch verantwortungsloses Gebaren der Amerikaner könnte dem Rest der Welt herzlich egal sein, bewiese nicht der Sturz der Aktienbörsen auf der ganzen Welt, dass es in globalen Zeiten keine lokalen Finanzkrisen mehr gibt.
So muss die Lehre für künftige Zeiten heißen: Niemand soll ein finanzielles Risiko eingehen dürfen, der nicht bereit ist, dafür auch mit eigenem Geld zu haften.
Rainer Hank Jahrgang 1953, verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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