19.09.2008 · Die Finanzkrise erschüttert das Vertrauen in die Marktwirtschaft. Es scheint, als könnte mit den schlechten Nachrichten der Anfang vom Untergang der modernen Welt beschrieben werden. Doch das wäre wahrlich übertrieben. Es ist auch nicht so, dass Investoren immer auf Kosten der Allgemeinheit rausgehauen würden.
Von Holger SteltznerDie Finanzkrise erschüttert das Vertrauen in die Marktwirtschaft. Das Börsenbeben vernichtet von einem auf den anderen Tag Marktwerte in Milliardenhöhe. Die Vereinigten Staaten verstaatlichen Teile ihres Bankenwesens und die größte Versicherung dazu. Die amerikanische Notenbank Fed pumpt gemeinsam mit Zentralbanken aus aller Welt befristete Notkredite in den Markt, damit Banken flüssig bleiben. Das Schatzamt begibt Anleihen nicht mehr mit dem Ziel, den Staatshaushalt zu finanzieren, sondern um die Notenbank mit frischem Geld zu versorgen. Die Fed akzeptiert sogar Aktien als Sicherheit, damit notleidende Banken nicht austrocknen. Die Notenbank übernimmt also zum Teil das Börsenrisiko. Es scheint, als könnte mit solchen Nachrichten der Anfang vom Untergang der modernen Welt beschrieben werden.
Doch das wäre wahrlich übertrieben. Bislang funktioniert das internationale Krisenmanagement von Notenbanken und Finanzministern. Selbst große Schockwellen hat das Weltfinanzsystem aufgefangen, ohne zusammenzubrechen. Es ist auch nicht so, dass Investoren immer auf Kosten der Allgemeinheit rausgehauen würden. Viele Aktionäre, die zuvor von den Übertreibungen profitierten, haben ihr Geld verloren. Wie viel die Rettung der Wall Street den Staat kosten wird, kann man erst nach der späteren Verwertung der enteigneten Vermögen beurteilen.
Die Finanzbranche schrumpft auf Normalmaß
Die Erfahrung zeigt, dass Krisen im Kapitalismus oft eine lange Zeit zu billigen Geldes vorangeht. Diesen Fehler hat die Fed wiederholt gemacht. Sie hat die Technologieblase zur Jahrtausendwende aufgepumpt und auch die Spekulation auf immer weiter steigende Hauspreise befördert. An der Börse ist der Neue Markt verschwunden, geblieben ist von der New Economy das Internet. So wird es nach dieser Krise den verteufelten Finanzinnovationen ergehen. Manche werden verschwinden, die Verbriefung von Krediten wird aber bleiben.
Vergleichsweise stabil verhält sich der Dax bei Handelsbeginn am Donnerstag. Die EZB und andere europäische Zentralbanken hatten zuvor weitere Milliardenspritzen in den Markt gepumpt.
Auch die Wall Street wird sich ändern. Die Investmentbanken gehen unter, die traditionellen Geschäftsbanken kehren zurück. Die Finanzbranche schrumpft wieder auf Normalmaß - das muss man nicht bedauern. Und so mancher Hedge-Fonds, der jetzt eine Bank nach der anderen angreift, indem er Aktien des Opfers verkauft, die er gar nicht besitzt, um auf Kursverluste zu wetten, wird sich wohl ein neues Geschäftsmodell suchen müssen.