06.11.2007 · Am Montag Charles Prince von der Citigroup, in der vergangenen Woche Stan O'Neal von Merrill Lynch und als nächstes? Reihenweise müssen die Bankmanager derzeit ihren Hut nehmen. An der Wall Street scherzt man schon: „Das Feuern von Bankvorständen wird zum Spiel der Woche.“
Von Gerald BraunbergerAn der Wall Street kursiert zur Zeit ein Scherz: „Das Feuern von Bankvorständen wird zum Spiel der Woche.“ Nachdem vor einer Woche Stan O'Neal bei Merrill Lynch seinen Hut nahm und ihm nun Charles Prince von der Citigroup folgte, fragt man sich in New York, wen es als Nächsten erwischen könnte.
Auf der Liste ganz oben steht James Cayne, der 73 Jahre alte Vorstandsvorsitzende der Investmentbank Bear Stearns. Nicht nur hat Bear Stearns wie andere Investmentbanken Blessuren während der Finanzmarktkrise davongetragen. Cayne wird auch ein gelegentlich seltsames Verhalten vorgeworfen. So berichtete das „Wall Street Journal“, der Vorstandschef habe während einer kritischen Phase im Sommer, als zwei Hedge-Fonds der Bank in eine schwere Krise gerieten, lieber außerhalb seines Büros Golf und Bridge gespielt, statt sich um seinen Job zu kümmern.
„Lassen Sie sich von dem Lärm nicht ablenken“
Aus Caynes privatem Umfeld war zu hören, der nicht mehr ganz junge Banker rauche ab und zu Marihuana. Cayne wies die Vorwürfe in einer E-Mail an seine Belegschaft zurück. Als Folge der Krise der vergangenen Monate hatte er das für die Vermögensverwaltung zuständige Vorstandsmitglied Warren Spector gefeuert. Ob er sich selbst noch lange halten kann, bleibt offen. Seinen Mitarbeitern riet Cayne: „Lassen Sie sich von dem Lärm nicht ablenken. Ich tue es jedenfalls nicht.“
An der Wall Street kamen weder der Sturz von O'Neal noch das Scheitern von Prince überraschend. O'Neal wurde schon lange ein außerordentlich robuster Führungsstil nachgesagt, über den man so lange hinwegschaute, bis die Zahlen nicht mehr stimmten. Zuvor hatte der Afro-Amerikaner, der Sohn eines Baumwollbauers und einer Putzfrau aus einem kleinen Nest in Alabama, eine Traumkarriere absolviert. Nach seiner Berufung zum Vorstandsvorsitzenden von Merrill Lynch im Jahre 2002 erzielte die Bank zunächst hohe Gewinne. Doch die mit dieser Strategie verbundenen hohen Risiken, die für das dritte Quartal 2007 Wertberichtigungen über gut 8 Milliarden Dollar notwendig machten, kosteten O'Neal nun seinen Job. Allerdings geht er nicht als armer Mann - seine Abfindung beträgt 160 Millionen Dollar.
Traurige Bekanntheit
Sein Kollege Prince von der Citigroup stand lange im Feuer der Kritik. Zu undurchsichtig sei die Bank, zu hoch die Betriebskosten, lauteten viele Vorwürfe an die Adresse des Amerikaners. Auch ihm wurde ein erheblicher Wertberichtigungsbedarf zum Verhängnis. Prince verlässt die Citigroup mit einem Abschiedspaket von 105 Millionen Dollar.
Ohne einen derartigen „goldenen Fallschirm“ gab Peter Wuffli Anfang Juli den Vorstandsvorsitz der schweizerischen UBS auf. Seinerzeit kam der Ausstieg Wufflis überraschend; später stellte sich heraus, dass unter Führung des Schweizers die Bank hohe Risiken in den Vereinigten Staaten eingegangen war. Mit Wuffli mussten mehrere andere Führungskräfte das Haus verlassen.
Zu trauriger Bekanntheit sind im Verlauf der Finanzmarktkrise auch zwei deutsche Bankmanager gelangt. An erster Stelle ist Stefan Ortseifen zu nennen, der frühere Vorstandsvorsitzende der IKB Deutsche Industriebank. Unter Ortseifens Leitung stürzte sich die Mittelstandsbank in Geschäfte, die ihr zum Verhängnis wurden. Ähnliches gilt für Herbert Süß, der, kurz vor seinem Ruhestand befindlich, unfähig war, die Sachsen LB aus ihrer Misere herauszuführen.
Keine Abschiedsparty?
Sophia Orti (rum)
- 06.11.2007, 17:07 Uhr
Gerald Braunberger Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.
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