16.10.2008 · In den Bankentürmen liegen die Nerven blank. Kein Geldhaus wird gerne Staatskapital aufnehmen, aber manche werden es tun müssen. In der Finanzwelt fürchtet man, dass Banken zu lange zögern könnten. Jetzt wird heftig diskutiert.
Von Holger PaulDie Frage, welches Kreditinstitut als erstes auf staatliches Eigenkapital zurückgreifen muss und ob eine solche Hilfe anschließend als Zeichen der Schwäche oder der vorausschauenden Stärke gewertet wird, treibt den Puls der Bankmanager zurzeit in die Höhe. Der bange Blick geht dabei auf die Kapitalmärkte: Werden es die Aktionäre oder Anleihebesitzer goutieren, wenn der Staat bei einer Bank plötzlich direkt mitbestimmen darf? Trägt das Institut danach einen Makel mit sich herum und wird an der Börse mit besonders spitzen Fingern angefasst oder kommt eine solche Bank sogar in eine stärkere Position, weil sie wieder mehr Sicherheit ausstrahlen kann?
Sicher ist nur, dass kein Geldhaus gern freiwillig auf die staatliche Hilfe zurückgreifen wird. „Peer Steinbrück im eigenen Aufsichtsrat zu haben, das ist das Letzte, was die Spitzenmanager in den obersten Etagen anstreben“, sagt ein erfahrener Branchenbeobachter. Diese Haltung hat viel mit dem elitären Selbstverständnis der Bankenvorstände zu tun, wird durch die vorgesehenen staatlichen Auflagen aber noch gefördert. Niemand will sich sein Gehalt vom Finanzminister auf 500.000 Euro im Jahr deckeln oder die Dividendenpolitik vorschreiben lassen, heißt es in der Frankfurter Finanzwelt. Hinzu komme, dass die Rahmenbedingungen, die für die Staatshilfe vorgesehen sind, vielerorts als zu restriktiv bewertet werden. Man stört sich vor allem an der Höhe der Gebühr, die der Staat für seine Absicherung des Geldhandels zwischen den Banken verlangen will. Vorgesehen sind 2 Prozent, aber das dürfe noch nicht das letzte Wort sein, heißt es. Die Gebühr sollte vielmehr gestaffelt werden nach dem Risiko und der Größe der jeweiligen Ausleihung, fordern Bankenfachleute - ein Ansinnen, das in der Regierung offenbar nicht sehr gut ankommt.
Finanzspritze als Stigmata
„Unserer Ansicht nach ist die Regierungsvorlage relativ restriktiv“, formuliert es Stefan Bielmeier, ein Ökonom der Deutschen Bank, in einer Analyse. „Wenn Geschäftsbanken die Garantien der Regierung in Anspruch nehmen müssen, dann dürfte sich die Wettbewerbsposition dieser Bank wegen der staatlichen Auflagen signifikant verschlechtern“, urteilt er. So mancher Beobachter wertet solche Zeilen als Beleg dafür, dass die Deutsche Bank unter keinen Umständen zum Empfänger von staatlichem Eigenkapital werden will. Auf der anderen Seite fürchtet man in der Finanzwelt aber auch, dass eine Bank zu lange mit der Inanspruchnahme der Hilfen zögern könnte, wenn das staatliche Eigenkapital als Stigma gewertet wird. Der schlimmste Fall wäre, wenn ein Institut jetzt nicht zugreife und dann in einigen Wochen verkünden müsse, ohne Staatshilfe nicht überleben zu können, heißt es am Markt. Damit wäre das Vertrauen erst richtig geschädigt.
Wohl auch aus solchen Überlegungen heraus drängt der Internationale Währungsfonds (IWF) die Banken auf der ganzen Welt dazu, im Zweifelsfall über ihren Schatten zu springen. Die Kreditinstitute sollten die staatlichen Kapitalspritzen bei Bedarf möglichst schnell in Anspruch nehmen, weil damit auch das Vertrauen schneller in das System zurückkehren könne, sagte Jaime Caruana, der Leiter der IWF-Kapitalmarktabteilung, in einem Interview. Wenn genügend Banken sich vom Staat Eigenkapital besorgen, dann bleibt auch kein Makel bei einem einzelnen Institut hängen, lautet die Devise.
Marktwert offenlegen
Um solche Debatten von vornherein zu vermeiden, haben die Vereinigten Staaten gleich einen radikalen Weg eingeschlagen. Der Staat wird sich dort mit 250 Milliarden Dollar an den neun größten Banken des Landes beteiligen, ob diese Institute das nun wollen oder nicht. Eine solche Zwangssolidargemeinschaft käme in der deutschen Finanzwelt überhaupt nicht gut an. Vor allem die traditionsreichen kleineren Privatbanken sträuben sich gegen diese Form der staatlichen Einflussnahme. Die eigene Glaubwürdigkeit stehe auf dem Spiel, wenn neben der Familie oder den persönlich haftenden Gesellschaftern plötzlich auch der Staat im Eignerkreis auftauche, heißt es. Als sinnvoller wird die britische Variante erachtet. Auf der Insel müssen nur jene Banken den Staat als Eigner aufnehmen, deren Kernkapitalquote bis zum Jahresende nicht mindestens 9 Prozent beträgt. Das Bankensystem Großbritanniens werde damit auf ein solideres Fundament gestellt. „Das essentielle Eingreifen des Staates dürfte für Vertrauen sorgen“, schreiben die Kreditmarktfachleute der Landesbank Baden-Württemberg dazu.
Ob der wichtige Interbankenhandel aber wirklich wieder wie gewünscht in Schwung kommt, wenn die Banken nun Staatshilfen in Anspruch nehmen, gilt unter Marktbeobachtern als keineswegs gesichert. Das Problem, dass man den Bewertungen in den Bilanzen nicht traue, sei damit noch nicht aus der Welt geschafft, heißt es. „Es ist kein Wunder, dass die Banken untereinander kein Geld verleihen möchten. Denn keine Bank kann klar erkennen, welche Überraschungen in der Bilanz der anderen Bank lauert“, sagt Jeff Diermeier, Präsident des internationalen Finanzanalystenverbands CFA Institute. Deshalb lehnen die Analysten auch die vorgesehene Lockerung der Bilanzierungsregeln ab. „Die Finanzinstitute“, fordert Diermeier, „sollten jetzt den aktuellen Marktwert ihrer Hauptvermögenswerte offenlegen.“
Die Hilfe vom Staat spaltet die Bankenwelt
Stephan Jansen (StephanJan)
- 16.10.2008, 22:38 Uhr
Schin wieder perscht die Deutsche Bank voran!
Melita Zimmermann (melitaz)
- 17.10.2008, 00:01 Uhr
Vorsicht Sozialbetrug
Hans Meier (HansMeier555)
- 17.10.2008, 00:14 Uhr
@Frau zimmerman
Christian Bartke (DerBartke)
- 17.10.2008, 00:16 Uhr
Herr Bartke, hier handelt es sich um eine missverständliche
Melita Zimmermann (melitaz)
- 17.10.2008, 00:54 Uhr
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