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Finanzkrise Der Staat hat den Geldmarkt noch nicht wiederbelebt

14.11.2008 ·  Die Rettungspakete für die Banken hatten auch zum Ziel, den Geldmarkt wieder in Schwung zu bringen. Der Erfolg ist bislang ausgeblieben, weil in der Branche immer noch Misstrauen herrscht. Nach Ansicht von Marktbeobachtern wird dieser Zustand wohl noch längere Zeit anhalten.

Von Benedikt Fehr und Marcus Theurer
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Auch Wochen nach Inkrafttreten der umfangreichen staatlichen Hilfspakete für die Banken ist der europäische Geldmarkt noch nicht wieder in Schwung gekommen. Dort, wo sich Banken normalerweise kurzlaufende Kredite gewähren, herrscht nach Angaben von Händlern weiterhin Flaute. Dabei war es eigentlich ein Ziel der staatlichen Rettungspakete gewesen, auf dem Geldmarkt wieder für Beruhigung und Vertrauen zu sorgen. Nach Ansicht von Marktbeobachtern wird dieser Prozess aber wohl noch längere Zeit in Anspruch nehmen.

„Abgesehen von Krediten über Nacht gibt es kaum Umsätze. Bei Krediten mit einwöchiger Laufzeit und länger ist der Markt so gut wie tot“, sagte ein Händler. Zumindest bis zum Ende des Jahres dürfte sich daran auch kaum etwas ändern. Ursache für das Austrocknen des Marktes ist, dass die Banken einander misstrauen und sich deshaIb keine Kredite gewähren. Die politische Garantie der europäischen Regierungen, keine wichtige Bank untergehen zu lassen, habe daran nichts geändert, heißt es. Denn sollte ein Geldhaus in Schwierigkeiten geraten und vom Staat gerettet werden müssen, könne dies den Gläubigern viele Scherereien bringen - auch wenn sie ihr Geld letztlich zurückerhielten.

„Damit kommen wir gut über die Runden“

Die Münchner Hypo-Vereinsbank (HVB) sieht, wie viele andere Institute auch, die Blockade am Geldmarkt mit Sorgen. „Der Markt für Wochen- und Monatsgeld ist praktisch tot“, sagt HVB-Finanzvorstand Rolf Friedhofen. Die deutsche Tochtergesellschaft der italienischen Großbank Unicredit decke ihren Bedarf deshalb von Tag zu Tag mit Übernachtkrediten ab. „Damit kommen wir gut über die Runden“, sagt Friedhofen. Der Vorstandssprecher der Bank, Wolfgang Sprißler, will deshalb auch die Liquiditätsgarantie der Bundesregierung vorerst nicht nutzen. „Die Refinanzierung auf Tagesbasis funktioniert“, sagte er. Allerdings räumte auch der HVB-Chef ein: „Alle Banken müssen ein Interesse daran haben, dass der Geldmarkt wieder funktioniert.“ Zu beobachten sei bislang jedoch allenfalls eine „leichte Stabilisierung“ des Interbankenhandels.

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Wegen des Mangels an unbesicherten Interbankenkrediten greifen die Institute verstärkt auf die Refinanzierungsgeschäfte zurück, welche die Europäische Zentralbank (EZB) gegen die Stellung von Sicherheiten anbietet. Überschüssige Liquidität wird dann oft über Nacht bei der Zentralbank geparkt. So legten die Banken in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag bei der EZB insgesamt 103,3 Milliarden Euro zum Zinssatz von 2,75 Prozent an, in der Nacht zum Montag waren es sogar 209,5 Milliarden Euro gewesen.

Als ein gewisser Lichtblick gilt, dass die Euribor-Zinssätze fast täglich ein paar Basispunkte niedriger werden. Diese Zinssätze werden durch Umfragen bei Banken ermittelt, tatsächliche Umsätze gibt es zu diesen Konditionen unter Banken allerdings kaum. Die Euribor-Sätze sind Anhaltspunkt für die Berechnung von variabel verzinslichen Krediten an Unternehmen und Haushalte; diese Zinssätze ermäßigen sich somit. Am Donnerstag wurde der Euribor-Zins für Dreimonatsgeld auf 4,25 Prozent festgesetzt, vor etwas mehr als einem Monat hatte er in der Spitze 5,39 Prozent betragen.

Von der Krise stark betroffen

Die Banken hätten damit die Senkung des Euro-Leitzinses von 4,25 auf 3,25 seit Anfang Oktober an ihre Kunden schrittweise weitergegeben, sagen Händler. Der Abstand von einem Prozentpunkt zwischen dem Drei-Monats-Euribor und dem Leitzins von aktuell 3,25 Prozent ist freilich weiterhin ungewöhnlich groß. Vor der Krise hatte dieser Abstand 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte betragen. Insofern sind Unternehmen und Haushalte, deren Kreditzinsen sich am Euribor orientieren, weiter von der Krise stark betroffen.

Die von der Politik befürchtete Kreditklemme sieht man bei der Hypo-Vereinsbank dagegen nicht. Im dritten Quartal seien die Ausleihungen sogar gestiegen, sagte Vorstandschef Sprißler. Hauptgrund dafür sei die Furcht der Firmenkunden, künftig keine Darlehen mehr zu erhalten. „Die Kunden ziehen ganz bewusst verstärkt ihre Kreditlinien“, sagte er. Die HVB kündigte an, dass Kredite künftig teurer werden. „Wir haben sehr stark gestiegene Refinanzierungskosten, die werden wir teilweise auf die Kunden überwälzen müssen“, erläuterte Sprißler. „Die Einstandskosten für Darlehen werden steigen.“

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Jahrgang 1972, Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

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