29.09.2008 · Die angeschlagene britische Hypothekenbank Bradford & Bingley wird größtenteils verstaatlicht. Das Geschäft mit Spareinlagen geht an die spanische Großbank Santander. Das bestätigte die britische Regierung am Montagmorgen.
Von Bettina Schulz, LondonDie angeschlagene britische Hypothekenbank Bradford & Bingley (B&B) wird größtenteils verstaatlicht. Das Geschäft mit Spareinlagen geht an die spanische Großbank Santander. Das bestätigte die britische Regierung am Montagmorgen.
Der britische Finanzminister Alistair Darling hat die geplante Verstaatlichung verteidigt. Der Schritt sei nötig gewesen, um das gesamte Bankensystem zu stabilisieren, das von einem B&B- Zusammenbruch getroffen worden wäre, sagte er am Montag in London. Außerdem hätten die B&B-Kunden und deren Ersparnisse geschützt werden müssen.
Das Geschäft mit den Spareinlagen werde der britische Bank Abbey übertragen, die 2004 vom spanischen Bankenriese Santander übernommen worden war. Verstaatlicht würden die Verbindlichkeiten von B&B. Dabei handelt es sich um 63 Milliarden Euro, davon 52 Milliarden aus risikoreichen Hypotheken.
In Großbritannien deutete sich die Verstaatlichung einer zweiten Hypothekenbank schon am Sonntag an. Nachdem es dem britischen Schatzamt und der Finanzaufsicht FSA nicht gelungen war, einen Käufer für Bradford & Bingley zu finden, wurden Vorbereitungen getroffen, die Hypothekenbank in Staatseigentum zu überführen.
Ein dramatischer Vertrauensverlust hatte gegen Ende vergangener Woche dazu geführt, dass sich Bradford & Bingley (B&B) am Interbankenmarkt nicht mehr refinanzieren konnte, der Aktienkurs kollabierte und sich vor drei Zweigstellen Warteschlangen verängstigter Sparer bildeten. Im Internet war zu beobachten, dass eine Welle von Sparern ihre Mittel von der Hypothekenbank auf andere Konkurrenzinstitute übertrug. Dabei bevorzugten die Sparer die im Februar verstaatlichte Hypothekenbank Northern Rock, die wettbewerbsrechtlich eigentlich daran gehindert ist, einen sehr viel höheren Marktanteil britischer Spareinlagen zu bilden.
Britische Schatzamt um Schadensbegrenzung bemüht
Das britische Schatzamt bemühte sich am Wochenende um Schadensbegrenzung und versuchte, die Sparer zu beruhigen. „Wir haben klar gesagt, dass es für uns absolut vorrangig ist, die Sparer zu schützen und zu zeigen, dass wir das Bankensystem unterstützen können“, sagte die Staatssekretärin im Finanzministerium, Yvette Cooper, am Wochenende.
Premierminister Gordon Brown und Schatzkanzler Alistair Darling war im Fall von Northern Rock vorgeworfen worden, viel zu lange mit der Verstaatlichung der Hypothekenbank gewartet zu haben, sosehr der Schritt ordnungspolitisch auch umstritten war. Angesichts der extremen Vertrauenskrise am Bankenmarkt wollte sich die britische Regierung dieses Versäumnis jetzt nicht noch einmal vorwerfen lassen, zumal kein Käufer in Sicht war. Die meisten Banken halten sich angesichts der Liquiditätskrise und ihrer angespannten Kapitalausstattung mit Übernahmen zurück. Zudem haben sie aus dem Zusammenbruch von Lehman Brothers eine Lehre gezogen: Anstatt eine gesamte Bank mit ihrem Gesamtrisiko zu übernehmen ist es klüger, sich nach dem Zusammenbruch die besten Teile herauszufischen und das Risiko dem Staat zu überlassen. Mit der Verstaatlichung von Bradford & Bingley sind nun alle britischen Hypothekenbanken untergegangen, die in den vergangenen 20 Jahren eine Umwandlung von Bausparkassen in börsenotierte Banken vollzogen hatten.
Während des Wochenendes wurde mit der spanischen Bank Santander, aber auch mit anderen Instituten über eine Übernahme von Bradford & Bingley verhandelt. Doch kein Wettbewerber war bereit, die britische Hypothekenbank mit ihrem Bestand an Hypotheken von 42 Milliarden Pfund auf seine Bilanz zu nehmen. Santander hat in Großbritannien schon die Banken Abbey und Alliance & Leicester aufgekauft. Die ebenfalls strauchelnde Hypothekenbank HBOS wurde trotz wettbewerbsrechtlicher Bedenken vergangene Woche auf Druck des britischen Schatzministeriums von Lloyds TSB übernommen.
Riskante Hypothekenformen
Ein Großteil der Hypotheken wurde von Bradford & Bingley an Hauseigentümer vergeben, die ihre Immobilien vermieten. Ein weiterer Teil der Kredite ging zudem an Hauseigentümer, die als selbständig gemeldet sind und ihr Einkommen gegenüber der Bank unabhängig von einem Arbeitgeber angeben. Dies sind Hypothekenformen, die riskanter sind als die traditionelle Hypothekenvergabe. Bradford & Bingley muss daher höhere Kreditausfälle verkraften als die Konkurrenz.
Bradford & Bingley rutschte immer mehr in Schwierigkeiten, weil die Bank zwar ein Hypothekenbuch von 42 Milliarden Pfund hat, dieser Kreditvergabe jedoch nur Einlagen von 20 Milliarden Pfund gegenüberstehen und der Rest finanziert werden muss. Dies war angesichts des Vertrauensverlustes am Markt nicht mehr möglich. Eine Kapitalerhöhung von 400 Millionen Pfund, die im August zu scheitern drohte und nur auf Druck der Finanzaufsicht Financial Services Authority (FSA) und Beteiligung vieler britischer Banken erfolgte, half letztlich nicht viel weiter.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.557,70 | +0,83% |
| EUR/USD | 1,2493 | −0,38% |
| Rohöl Brent Crude | 106,66 $ | −0,56% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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