17.06.2010 · Die Bilanzen der Banken werden von der Aufsicht regelmäßig in Trockenübungen einer Belastungsprobe unterzogen. Tatsächlich reiht sich für die Banken ein Stresstest an den anderen. Bisher geschah das jedoch stets hinter verschlossenen Türen. Nun soll ein von der EU initiierter Test veröffentlicht werden.
Von Stefan RuhkampDer Ausschuss der europäischen Aufsichtsbehörden hat die 22 größten europäischen Bankengruppen unter die Lupe genommen, die für 60 Prozent aller Aktiva der Branche stehen. Die Ergebnisse sind bislang vertraulich, sie können nach der Einigung der Regierungen jedoch bald veröffentlicht werden. Nach einem spanischen Medienbericht soll ausgerechnet die spanische Großbank Santander am besten abgeschnitten haben. Für den Test im Jahr 2009 legte das Committee of European Banking Supervisors (CEBS) zwei Szenarien zugrunde: Eines mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung in der EU um 4 Prozent im Jahr 2009 und um 0,1 Prozent im Jahr 2010. Das zweite war pessimistischer mit Rückgängen von 5,2 und 2,7 Prozent. Aus dieser Vorgabe leitete das CEBS in Zusammenarbeit mit der EZB Annahmen über die unter diesen Umständen zu erwartenden Risiken ab.
Ähnlich geht die Deutsche Bundesbank vor. Bei den Tests der Marktrisiken gibt sie zum Beispiel einen Wertverlust des Euro und der Aktienkurse vor oder einen Anstieg der Risikoaufschläge auf den Kreditmärkten. Die Banken werden dann gefragt, ob auch bei hohen Abschreibungen noch ausreichend Eigenkapital vorhanden ist. Für den Stresstest von Kreditrisiken werden mathematische Modelle verwendet, mit denen sich Entwicklungen wie der Abschreibungsbedarf mit wenigen Variablen simulieren lassen. Im zweiten Schritt werden diese Variablen, zum Beispiel das Wirtschaftswachstum, für die Zukunft verändert und eine mögliche schlechtere Entwicklung angenommen.
Üblicherweise gelten die Tests vertrauliche Information für die Aufseher. Denn das Aufsichtsrecht verlangt die Einhaltung von Kapital- und Liquiditätsregeln, nicht aber den Nachweis einer bestimmten Widerstandskraft für hypothetisch Szenarien. Der Bundesverband Öffentlicher Banken hat darauf hingewiesen, dass die Veröffentlichung die Zustimmung der betroffenen Bank erfordere. Heinrich Haasis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes lehnt die Veröffentlichung ab. „Diese Tests werden nie und nimmer zu mehr Vertrauen führen“, sagte er auf einer Tagung in Frankfurt. Es sei indirekt ein Ausspionieren der Banken, denn die hätten die Daten unter anderen Voraussetzungen gemeldet.
Auf der selben Tagung sprach sich Bundesbank-Präsident Axel Weber klar für die Veröffentlichung aus. Bankenaufseher in Europa und die Euro-Notenbanken würden zudem neue Tests vorbereiten. Dabei würden auch Riskoszenarien geprüft, wie sie erst in jüngster Zeit aufgetreten seien. Die deutschen Aufsichtsbehörden führten Stresstests bei einer größeren Gruppe von Instituten durch, erste Ergebnisse dürften im nächsten Monat vorliegen, sagte Weber am Donnerstag in Frankfurt. Er fügte hinzu, dass es nicht sinnvoll sei, Landesbanken auszunehmen. „Nur mit solchen Tests kann man Vertrauen zurückbringen“, sagte Weber. Auch in Amerika sei das Vertrauen in die Banken erst zurückgekehrt, nachdem Tests mit realistischen und aktuellen Annahmen ein wahres Bild der Branche gezeichnet hätten.
Der amerikanische Bankenverband wertet den dortigen Stresstest, der bei den 19 größten Banken einen Kapitalbedarf von 75 Milliarden Dollar diagnostizierte, kritischer. Schon die Ankündigung habe die Märkte in einer Phase verunsichert, als die Banken schon wieder an Kapital kamen, sagt Wayne Abernathy von der American Banking Association. Erst als die relativ guten Ergebnisse bekannt wurden, habe sich die Entspannung fortgesetzt.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.319,85 | −3,26% |
| Dow Jones | 12.118,60 | −2,22% |
| EUR/USD | 1,2433 | +0,58% |
| Rohöl Brent Crude | 98,82 $ | −2,76% |
| Gold | 1.606,00 $ | +3,08% |
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