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Finanzinvestoren kaufen ein : Das große Geld sitzt wieder lockerer

  • -Aktualisiert am

Sind europäisch-asiatische Rinder mit Viren infiziert, die für uns gefährlich werden können? Bild: dpa

Finanzinvestoren zahlen für gut aufgestellte Unternehmen wieder enorme Summen und bekommen große Kreditpakete dafür. Erste Mahner warnen vor der nächsten Zeitbombe.

          Rinder, Schafe oder Schweine sind wertvolle Nutztiere. Und je mehr Vierbeiner ein Landwirt besitzt, umso wichtiger wird es für ihn, den Überblick auch mit Hilfe modernster Technik zu behalten. Deshalb bekommen die Tiere längst Identifikationsclips an den Ohren angebracht, die das Überwachen auch mit Hilfe von Funksignalen ermöglichen.

          Global führend auf dem Gebiet der Tiererkennungstechnik ist die vor fast 60 Jahren in Neuseeland gegründete und inzwischen in Frankreich beheimatete Gesellschaft Allflex Corporation. Kein anderes Unternehmen habe eine so starke globale Marktstellung und so gute Chancen, an dem prognostizierten Wachstum der Nutztierhaltung teilzuhaben, heißt es.

          Allflex: 1,3 Milliarden Dollar

          Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass die Interessenten Schlange standen, als der britische Finanzinvestor Electra Partners das Unternehmen vor einiger Zeit ins Schaufenster stellte. Rund ein Dutzend anderer namhafter Beteiligungsgesellschaften (Private Equity) sollen um den Tierspezialisten mit seinen 1200 Beschäftigten und vier Fabriken geboten haben, heißt es. Am Ende der Auktion bekam BC Partners den Zuschlag. Bewertet wurde Allflex dabei mit insgesamt 1,3 Milliarden Dollar (inklusive Schulden) – und das bei einem Umsatz von zuletzt 271 Millionen Dollar und einem operativen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 102 Millionen Euro.

          BC Partners gilt in der Private-Equity-Welt als besonnener Investor, nicht als Finanzzocker. Aber ein Unternehmenskauf, bei dem der dreizehnfache Ebitda-Wert gezahlt wird, lässt Branchenkenner die Stirne runzeln. Auch dass die Banken die Transaktion mit rund 700 Millionen Dollar fremdfinanziert haben, also den siebenfachen Wert des Ebitda, erinnert so manchen schon wieder stark an die Zeiten vor der großen Finanzmarktkrise, als Private-Equity-Häuser alles kauften, was ihnen angeboten wurde, und das zu enorm hohen Preisen mit gewaltigen Schuldenpaketen.

          Hohe Preise für krisenfeste Unternehmen

          Davon jedoch sei eine Übernahme wie Allflex weit entfernt, heißt es bei BC Partners. Denn anders als in den Jahren 2005 bis 2007 würden solch hohe Preise nur noch für Unternehmen bezahlt, die krisenfest seien, beständig hohe Cash-Flows erwirtschaften und zudem gute Wachstumsaussichten haben. Ein Umsatzplus von jährlich 8 bis 12 Prozent erwartet BC Partners für Allflex in den kommenden Jahren. „Dafür haben wir einen angemessenen Preis bezahlt, der es uns ermöglicht, für unsere Investoren auch eine angemessene Rendite zu erwirtschaften, sagt Ewald Walgenbach, Partner von BC Partners in Hamburg.

          Ähnlich klang die Begründung beim Kauf des Pflasterherstellers BSN Medical durch EQT oder jüngst im Fall des Essener Heizungsablesers Ista, der einst zu Eon gehörte. Für 3,1 Milliarden Euro erwarb der Finanzinvestor CVC Capital Partners das Unternehmen zurück, das ihm schon einmal mehrheitlich gehörte; auch hier wurde am Ende mehr als der zehnfache Ebitda-Wert bezahlt. Ista sei kein Zykliker, wie die Autozulieferer oder Maschinenbauer, die den Finanzinvestoren in den vergangenen Jahren so viele Sorgen bereiteten, heißt es am Markt. Auch in einer Wirtschaftskrise müssten Heizungen und Wasser abgelesen werden, zudem sorge eine neue EU-Verordnung für die Erneuerung vieler alter Heizungen. Damit biete Ista in seinem Geschäftsmodell eine Grundsicherheit, die auch den hohen Preis rechtfertige.

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