12.10.2008 · Der Milliardär Philip Green will aus dem finanziellen Engpass des isländischen Handelskonzerns Baugur Kapital schlagen. Der Handelstycoon will mit einer kräftigen Kapitalspritze das notleidende Modeimperium Baugur retten.
Der Milliardär Philip Green will aus dem finanziellen Engpass des isländischen Handelskonzerns Baugur Kapital schlagen. Der Eigentümer der britischen Textil-Filialisten „Top Shop“ und „Bhs“ steht nach eigenen Angaben mit isländischen Behörden und Managern in Verhandlungen, um das klamme Unternehmen von seinen Schulden in Milliardenhöhe zu befreien. Gegenwärtig steht die Baugur-Gruppe, die in Großbritannien eine Vielzahl von Handelsketten kontrolliert und weltweit 53.000 Voll- und Teilzeitkräfte beschäftigt, nach Schätzungen mit rund zwei Milliarden Pfund bei den drei größten Banken des Inselstaates in der Kreide.
Beim führenden Einzelhändler Islands verschärfte sich die Krise, als die Regierung in Reykjavik in der vergangenen Woche die führenden Geldhäuser ihres Landes verstaatlichte, um das heimische Finanzsystem vor dem Kollaps zu bewahren. Da sich Baugur seit Jahren auf Kredithilfen der Institute Kaupthing, Glitnir und Landsbanki verlässt, ist jetzt ein Großteil der Geschäftskonten eingefroren. Unterdessen entzündete sich zwischen den Regierungen in London und Reykjavik ein Streit, weil Island im Zuge der Verstaatlichung den britischen Bankkunden Zahlungsgarantien verweigerte.
Verkauf von Teilen des Firmen-Imperiums wird geprüft
Um eine Insolvenz von Baugur abzuwenden, arbeiten der isländische Großaktionär Jon Asgeir Johannesson und die Wirtschaftsprüfer von KPMG mit Hochdruck an Lösungen. Dabei stehe jedoch der Verkauf der gesamten Handelsgruppe, die in Großbritannien bei den Modeketten „Moss Bros“ (Anteil: 29 Prozent) und „French Connection“ (20 Prozent) oder am Warenhaus-Betreiber „Debbenhams“ (7 Prozent) beteiligt ist, noch nicht zur Debatte. Allenfalls der Verkauf von Teilen des Firmen-Imperiums werde geprüft, hieß es bei den britischen Statthaltern des Konzerns am Sonntag in London.
Die Notlage von Baugur ruft jetzt Milliardär Green auf den Plan: „Ich habe den beteiligten Behörden, Banken und Managern angeboten, Teile der Schulden von Baugur zu übernehmen, und erwarte in Kürze eine Antwort“, bestätigte der 56 Jahre alte Unternehmer, dessen Privatvermögen auf 3,6 Milliarden Pfund geschätzt wird. Das generöse Angebot, dem klammen Konkurrenten schnelle Finanzhilfe zu gewähren, wird in der Branche als cleverer Schachzug des britischen Firmenjägers gewertet: „Als künftiger Kreditgeber von Baugur rückt Green so zwangsläufig in eine Schlüsselposition auf, falls Teile des Handelsimperiums tatsächlich zum Verkauf stehen“, sagt ein langjähriger Geschäftspartner des im Londoner Vorort Croyden geborenen Handelsmagnaten.
Kate Moss als Werbeträgerin
Green wird selbst von seinen Widersachern im heimischen Einzelhandel ein sicheres Gespür für günstige Kaufgelegenheit attestiert. Durch gezielte Zukäufe in Serie baute sich der britische „Selfmade-Unternehmer“ die privat geführte Handelsgruppe Arcadia/Bhs auf, die mit ihren 37.000 Mitarbeitern rund 2,7 Milliarden Pfund pro Jahr umsetzt. Unter dem Dach der in London ansässigen Holding-Gesellschaft werden mehrere Textil-Handelsketten in Großbritannien und Irland geführt, die über ein Netz von insgesamt rund 2200 Filialen verfügen. Zu den national bekannten Namen gehören die Modemarken „Dorothy Perkins“, „Burtons“ oder „Miss Selfridge“. Um die bieder-altbacken wirkenden „Bhs“-Warenhäuser für jugendliche Käufer attraktiver zu machen, nahm Green unlängst das britische Modemodel Kate Moss für eine Millionengage als Werbeträgerin unter Vertrag.
Zum großen Schlag im heimischen Textilhandel holte Green aus, als er vor 4 Jahren zur Übernahme der Kaufhaus-Kette Marks & Spencer ansetzte. Das Traditionsunternehmen mit seinen rund 380 Filialen war damals mit einem Marktanteil von 11,1 Prozent der führende Textil-Filialist in Großbritannien. Doch der britische Milliardär, der aus steuerlichen Gründen zwischen seinem privaten Wohnsitz in Monaco und seinem Feriendomizil in Miami/Florida pendelt, scheiterte mit seinem Kaufangebot von 13,6 Milliarden Euro am Widerstand der Aktionäre.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.557,70 | +0,83% |
| EUR/USD | 1,2493 | −0,38% |
| Rohöl Brent Crude | 106,66 $ | −0,56% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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